Gruppenleiter

Monika Elias
VDS e.V. Büro Dortmund

monika.elias @ vds-ev.de

Suche

Drucken

Birgit Schönberger - Sind wir mit unserem Deutsch am Ende?

Verein Deutsche Sprache fordert zum Schutz unserer Muttersprache auf

Dieses Magazin befaßt sich - so der Untertitel - mit Umweltschutz, Tierschutz, Heimatschutz. Unbestritten sind dies drei Bereiche unseres Lebens, die bedroht sind und daher unseres Schutzes bedürfen. Aber trifft das denn auch auf unsere Muttersprache zu? Ist sie bedroht? Brauchen wir nun auch noch einen Sprachschutz?

Ist "coffee to go" ein Kaffee zum Weglaufen oder kommt er aus Togo? Ist ein "Back-shop" ein Hinterhofladen, vielleicht sogar ein Schwulentreff? Ist ein Europacup die neue Tassennorm oder etwa der neue europäische Standardbüstenhalter? Wer kann das schon mit Sicherheit sagen, schließlich ist die Sprache hierzulande eigentlich Deutsch.

Immer mehr bewegen wir uns in kollektivem Gedankennebel. Keiner kennt sich mehr richtig aus. Wenige nur wagen es, nachzufragen, gar nachzubohren. Kaum einer gibt sich gern die Blöße, englische Versatzstücke, die uns auf Schritt und Tritt begegnen, nicht deuten zu können. Immer kräftiger müssen wir mit den Armen rudern, um in diesem undurchsichtigen Sprachbrei den Kopf oben zu behalten. Haben wir das nötig? Akzeptieren wir da nicht täglich neuen Sand im Getriebe der zwischenmenschlichen Beziehungen und vergeuden enorme Kraftreserven, die viel sinnvoller für schöpferische Arbeit genutzt werden könnten?

Ja, die deutsche Sprache bedarf dringend des Schutzes durch all ihre Sprecher.

Wie kann so etwas aussehen? Schließlich ist einer lebendigen Muttersprache nicht damit gedient, hinter Panzerglas konserviert zu werden. Lebendigkeit und Aussagekraft sind abhängig von einem regen Austausch unter den Sprechern. Diesem natürlichsten aller Erhaltungsprozesse könnte man doch einfach freien Lauf lassen, auf die Selbstheilung vertrauen und sich zurücklehnen.

Schon zu Zeiten als es weder Rundfunk noch Fernsehen, geschweige denn ein weltverbindendes Elektroniknetz gab, waren sich erst einige mutige Männer, später auch ganze Gesellschaften sicher, daß die aktuelle Entwicklung der eigenen Sprache gezielt beeinflußt werden müsse, um ihren Erhalt zu garantieren. 1526 hielt Paracelsus medizinische Vorlesungen auf deutsch und brachte zaghaft einen Stein ins Rollen, der bis Ende des 18. Jahrhunderts Latein als Wissenschaftssprache an allen deutschen Universitäten verdrängt haben sollte. Unterstützt wurde er 1682 durch Leibniz und 1687 unter großem Protest der Gelehrten durch Christian Thomasius. Letzterer verlor seine Lehr- und Schreiberlaubnis in Leipzig als Folge auf die Ankündigung am Schwarzen Brett, seine Vorlesung in deutscher Sprache halten zu wollen. Er ließ sich durch die Zurückweisung nicht entmutigen und las ab 1691 an der neugegründeten Universität Halle in "Volkssprache".

Auch als im Barockzeitalter der Adel sich durch Französisch vom gemeinen Volk abzusetzen trachtete, bis immer mehr gallische Fremdwörter in die Alltagssprache abrutschten, geboten Sprachgesellschaften dieser Entwicklung aktiv Einhalt. Begeistert von den Grundsätzen der Französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit - schuf Joachim Heinrich Campe ab 1790 sein zweibändiges "Verdeutschungswörterbuch" und ein fünfbändiges

"Wörterbuch der deutschen Sprache". Unter seinen 11.000 Eindeutschungsvorschlägen sind allein 3.500 eigene Wortschöpfungen, von denen einige Eingang in unsere Alltagssprache fanden (z.B. ausschließlich für exklusive, umschreiben für girieren, Minderheit für minorité), andere aber nicht angenommen wurden (z.B. stoffhaltig für materiell, Lieferer für Lieferant, Seitenansicht für Profil). Sieht man mal davon ab, daß die Bestrebungen oft über das Ziel, zur Verständlichkeit der Sprache für jedermann beizutragen, hinausschossen und Purismus predigten, so kann man doch feststellen, daß das Ringen um Genauigkeit und Aussagekraft unserer Muttersprache den Weg zur Wissenschaftssprache von europäischem Rang bahnte [1].

Als Ende des 19. Jahrhunderts Post-, Bahn- und Bauwesen von staatlicher Seite sprachlich durchforstet wurden, erhielt die Bevölkerung tausende von neuen Angeboten, die vorhandenen Fremdwörter, hauptsächlich aus dem Französischen, einzudeutschen. Seither sprechen wir vom Bahnsteig und nicht mehr vom Perron, sagen postlagernd und nicht poste restante, sprechen von der Fahrkartenausgabe und nicht von der Billetexpedition. Nein, halt! Heute heißt er ja Ticket Counter, unser Fahrkartenschalter, oder auch Service Point.

Bereicherung oder Verarmung?

Nun muß ja niemand diese Fremdwörter benutzen. Nur ist Sprache immer auch Absprache. Das, was ich sage, muß im Kopf meines Gegenübers eine Entsprechung finden. Wenn ich also all die englischen Begriffe, die beispielsweise im Bankwesen, bei der Bahn, der Post oder der Telecom angeboten werden, ablehne, mir Eindeutschungen überlege und benutze, kann es passieren, daß ich mit meinen schönen Wortschöpfungen sehr einsam dastehe, weil keiner sie mit dem verbindet, was ich bezeichnen will. Darum sind die englisch-amerikanischen Vorgaben im öffentlichen Leben so verhängnisvoll: Wir sind gezwungen, sie selbst gegen unsere Überzeugung zu verwenden. Und während die Bahn Bikes bereithält, vergessen unsere Kinder, daß es Fahrräder gibt. Wenn mir ein "Bayern Ticket" angeboten wird, werde ich beim Kauf das Wort benutzen müssen, um an meine günstige Fahrkarte zu kommen. Und so gibt es sie in unserem Sprachgebrauch immer seltener, die Kinokarten, Strafzettel, Flugscheine, Lose, Konzertkarten, da alle Ticket heißen, bis schließlich die deutschen Entsprechungen, die eine Vielzahl an Dingen benennen, zugunsten eines einzigen schwammigen Begriffs aus unserem Bewußtsein verschwunden sein werden.

Ein Eindämmen dieser galoppierenden Verdrängung immer größerer Teile unseres Wortschatzes durch Begriffe aus dem Angloamerikanischen wird von unseren Volksvertretern mehrheitlich abgelehnt, obwohl eine Umfrage von "Infratest", die "Der Spiegel" im Oktober 06 veröffentlichte, ergab, daß 78 % der Bevölkerung Deutsch als Landessprache im Grundgesetz (GG) verankert haben möchten. Vielen war bis dahin nicht bekannt, daß nirgends im GG ein Hinweis auf die Sprache dieses Landes zu finden ist. Wahrscheinlich war es zur Gründung der Bundesrepublik eine zu selbstverständliche Sache, daß hierzulande deutsch gesprochen wird und daß diese Muttersprache von 90 Millionen Menschen, der größten Sprachgruppe Europas, ein hochgeschätztes Kulturgut ist. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS), mit Sitz in Dortmund, macht seit 2003 mit seiner Unterschriftenaktion "Deutsch ins Grundgesetz" darauf aufmerksam, daß unsere Landessprache in ihrer lebendigen Entwicklung bedroht ist. 150.000 Bürger unterschrieben die Eingabe an den Bundestag, den Artikel 22 durch den Zusatz a) zu ergänzen: "Die Sprache der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch". Der Deutsche Bundestag aber sah "keine Notwendigkeit" für diesen Vorstoß und beerdigte die Petition drittklassig, indem er das Verfahren abschloß. Schauen wir in die Verfassungen unserer europäischen Nachbarn:

Ob in Frankreich, Spanien, Österreich, der Schweiz, Polen, Belgien, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Liechtenstein, Finnland, Estland oder Lettland - wir sind umringt von Ländern, bei denen die eigenen Sprachen sehr wohl Verfassungsrang haben und Volkes Wille von seinen Vertretern nicht einfach überhört wird wie bei uns. Wie unser Umgang mit der deutschen Sprache überhaupt ein Phänomen ist, das seinesgleichen in der Welt sucht.

Da Sprache ein nicht zu unterschätzender Machtfaktor ist, wimmelt es in der Kolonialgeschichte von Beispielen, in denen nachhaltig und unerbittlich der Kolonialherr als erstes einmal seine Sprache in der Kolonie zur Amtssprache erhob und gleichzeitig die Landessprache unterdrückte. Daß aber ein Volk selbst alles daransetzt, aus der eigenen Sprache zu fliehen, sie zu verstümmeln, an ihrer Schreibweise herumzuexperi-men--tieren als handele es sich nicht um einen in langer Sprachgeschichte gewachsenen Organismus, diese Lieblosigkeit, ja Respektlosigkeit gegenüber der eigenen Muttersprache, diese Unterwürfigkeit unter eine fremde Sprache findet man nach meiner Kenntnis nirgends auf der Welt.

Und diese Entwicklung schreitet rasant fort. Zwar beklagen sich Erzieher/innen und Grundschullehrer/innen über das mangelnde, oft erschreckend magere Sprachverständnis der Kinder, zwar haben die - zugegebenermaßen umstrittenen - Pisaergebnisse zu einem Aufschrei der Nation geführt, doch wird unbeirrt in die falsche Richtung weitergerudert. Es bedurfte nicht erst verschiedener wissenschaftlicher Studien, um zu erkennen, daß Kinder im frühen Alter Wissen aufsaugen wie ein Schwamm. Nur welche Schlüsse ziehen Experten und Kultusministerien daraus? Die sogen. Lernfenster wollen nun von allen Disziplinen gleichzeitig gestopft werden. Dabei wird vergessen, daß sich die Welt zuerst einmal über die Muttersprache erschließt, daß sie die Schlüsselkompetenz bereithält, um alle anderen Disziplinen zu begreifen. Selbst der Erwerb von Fremdsprachen kann so erleichtert werden. Denn solange diese nicht die Muttersprache in ihrer Funktion ersetzen sollen, verlangt das Erlernen einer Fremdsprache Kompetenz und grammatische Sicherheit in der eigenen Sprache. Der neue Erziehungsalltag aber zäumt das Pferd von hinten auf.

Immer mehr Bundesländer gehen dazu über, bereits in der ersten Klasse mit dem Englisch-unterricht zu beginnen. Nun gibt es viele Eltern - und es sind beileibe nicht die schlechtesten -, die ihren Kindern schon im Kindergartenalter Englischunterricht angedeihen lassen. Sie wollen ihren lieben Kleinen einen Vorsprung verschaffen, weil dem Englischen in diesem Land eine so übermächtige Rolle eingeräumt wird. Singend und spielend nähern sich diese "Kids" der neuen Sprache, nehmen freudig und eifrig das Fremde an. Wer merkt da noch in der allgemeinen Euphorie, daß nicht ein Mehr an Wissen vermittelt wird, sondern ein anderes Wissen, das heißt: die eigene Sprache wird verdrängt. Die Kinder singen kaum noch deutsche Lieder, wo doch Spracherwerb über Rhythmus so viel nachhaltiger funktioniert. An den Rand gedrängt durch fremde Vokabeln verarmt der muttersprachliche Wortschatz und das Verständnis wird immer löchriger.

Aus dem Kieler Raum kommt eine Bewegung, die noch einen Schritt weitergeht. Dort bieten immer mehr Schulen den sogen. Immersionsunterricht an und Eltern rennen den Rektoren die Türen ein. "Immersive learning" bedeutet ein Eintauchen in die fremde Sprache. In der Praxis bewerkstelligt das ein Stundenplan, der alle Fächer - bis auf Deutsch - nur in englischer Sprache anbietet. Wenn die Erstklässler die Schule betreten, erhält ihre eigene Muttersprache quasi den Status einer Fremdsprache. Ob Heimatkunde, Mathematik, Sport oder Musik, in allen Fächern wird das neu zu erwerbende Wissen auf englisch vermittelt. Das ist vorteilhaft für die englische Sprache, nicht aber für die Schlüsselfunktion der Muttersprache oder das Familienleben. Wenn diese Kinder nämlich nach Haus kommen und ihr neues Wissen mit den Eltern, vielleicht sogar den Großeltern teilen wollen, fehlen ihnen im wahrsten Sinne die Worte dazu. Was auch immer sie Neues gelernt haben, sie können es kaum auf deutsch weitergeben. Im Namen der vielstrapazierten "Globalisierung" kappen wir systematisch unseren Kindern die Wurzeln.

Was aber ist "Globalisierung"? Geht es da um Einflüsse aus Rußland, Italien oder Marokko? Reden wir nicht in Wahrheit von einer Amerikanisierung. Bahnen wir nicht beispielsweise willfährig dem "American way of life" (der amerikanischen Lebensart) den Siegeszug durch die Welt? Natürlich brauchen wir im internationalen Austausch ein Verständigungsmittel. Daß dies Englisch - oder besser: schlechtes Englisch - sein wird, ist unbestritten. (Bei diesem Prozess wird in aller Welt die englische Sprache mittlerweile geschunden und bis zur Unkenntlichkeit entstellt.) Doch wie oft am Tag hat denn jeder einzelne von uns Kontakt mit Vertretern anderer Muttersprachen, und wie häufig funktioniert das dann wirklich auf englisch? Machen wir uns nicht etwas vor, wenn wir die Bedeutung des Angloamerikanischen derart hochspielen? Wer sich in Richtung Osten auf Reisen begibt, wird (vielleicht erstaunt) feststellen, daß Deutsch viel eher verstanden wird. Selbst in China sind karrierebewußte junge Studenten höchst interessiert daran, Deutsch zu lernen. Wenn sie allerdings dann dieses "gelobte Land" besuchen und feststellen müssen, daß sie auf Schritt und Tritt mit schlechtem Englisch beworben und beschallt werden, dann entschließen sie sich, doch lieber zur Fortführung ihres Studiums in ein Originalland der englischen bzw. amerikanischen Sprache zu gehen. Wer will ihnen das verdenken.
Dabei war die enorme Vielfalt der Kulturen, der Denkweisen, ausgedrückt durch eine große Vielfalt an Sprachen, stets der eigentliche Reichtum Europas. Das ist der Boden, auf dem (auch skurrile) Ideen gedeihen, wo Inspiration zu Hause ist. Nur dürfen wir nicht vergessen, daß wirkliche Kreativität in einer Fremdsprache verkümmern muß. Wenn ein Unternehmen in Deutschland die interne Kommunikation auf Englisch umstellt, dann mag das den ein oder anderen fremdsprachlich begabten Mitarbeiter beflügeln, allen anderen jedoch wird damit ein Maulkorb verpaßt. Viele intelligente, mathematisch-naturwissenschaftlich gebildete Menschen haben ihre Probleme mit Fremdsprachen, aber selbst sprachbegabte Mitarbeiter bewegen sich außerhalb ihrer Muttersprache auf niedrigerem Niveau. So ist der Aufschrei aus Brüssel zu verstehen, wenn Marco Benedetti, Generaldirektor für Dolmetschen in der Europäischen Kommission, fleht, die Mitgliedsstaaten mögen doch die besten Fachleute zu den Sitzungen schicken und nicht zwangsläufig die, mit den besten Sprachkenntnissen. Die Sprachvermittlung werde bereits von den Dolmetschern sichergestellt.

Die Untreue der Deutschen gegenüber der eigenen Sprache hat mehr als einen Grund. Man kann unseren Landsleuten bescheinigen, daß viele von ihnen wirkliche Freude am Englischen, meist ihrer ersten, oft ihrer einzigen, Fremdsprache haben. Bei Jugendlichen bedeutet der Beginn des Englischunterrichtes, endlich dazuzugehören, endlich die "Geheimsprache" der Älteren auch zu verstehen. Nicht selten ist später das sofortige Umschwenken der Konversation auf Englisch angesichts eines Ausländers auch als Akt der Höflichkeit zu werten. Im Übereifer der Gastfreundschaft wird nicht abgewartet, ob der fremde Gesprächspartner vielleicht Deutsch gelernt hat und mit der Hoffnung ins Land kam, seine Kenntnisse in dieser fremden Sprache zu perfektionieren. Aber unser Spracherleben läßt sich nicht von unseren Befindlichkeiten trennen und so hat diese Verweigerung, die eigene Sprache zu benutzen, auch die politische Dimension, aus der eigenen geschichtlich - nationalen Haut schlüpfen zu wollen und dabei nicht das richtige Maß zu treffen. Churchill soll gesagt haben, die Deutschen habe man entweder an der Kehle oder sie lägen einem vor den Füßen im Staub.
Die Zeit ist reif, sich sowohl von Großmannssucht als auch von Unterwürfigkeit zu verabschieden. Die Aufgabe der modernen Erzieher ist es, der Schülergeneration von heute den Weg zu weisen, damit sie als verantwortungsbewußte Deutsche ihren europäischen Mitbürgern auf gleicher Augenhöhe friedlich begegnen können. Sich friedlich begegnen heißt auch, einander kennenlernen. Da Sprachenlernen nicht nur den Erwerb von Worten beinhaltet, sondern mit jeder Fremdsprache auch ein neuer Blickwinkel auf die Welt eröffnet wird, sollten viel häufiger Sprachen unserer europäischen Nachbarn auf den Stundenplänen hiesiger Schulen angeboten werden oder Sprachen aus aller Welt. Das bedeutete zwangsläufig das Entthronen des Englischunterrichtes. Die Bedeutung des Englischen auf ein normales Maß eines allgemeinen Verständigungsmittels herunterzufahren und es dem einzelnen zu überlassen, wie weit er seine Kenntnisse vielleicht im Land selbst vertiefen möchte, wäre ein lohnendes Ziel. Vor allem aber darf die herausragende Stellung der Muttersprache keiner Fremdsprache geopfert werden, will man nicht das Selbstwertgefühl der jungen Menschen beschädigen. Dazu müssen im Unterricht Verdienste, Besonderheiten und Stärken unserer typischen Wesensart und der deutschen Sprache beleuchtet und nicht die Flucht aus der eigenen Identität schmackhaft gemacht werden. Es gilt in den Schulen, den Sprachschatz neu zu heben und zu zeigen, daß Schatzsuche ein Abenteuer ist. Nur, wer seine Sprache lieben gelernt hat, wird sie auch schützen.

Genau diese Ziele verfolgt der Verein Deutsche Sprache mit seinen rund 30.000 Mitgliedern im In- und Ausland. Diese Bürgerbewegung ist mit ihren nach Postleitzahlen geordneten Regionen eine Klammer für alle Menschen, unabhängig von Bildungsstand und Rang, die die deutsche Sprache schützen wollen. Die Aktiven versuchen mit Vorträgen, Wettbewerben, Sprachpreisen, Informationsständen, Leserbriefen, u. v. m. das Bewußtsein ihrer Mitmenschen für den Sprachverfall zu schärfen. Die Mitglieder wählen aus dem öffentlichen Leben, aus Industrie und Wirtschaft einen "Sprachpanscher des Jahres", der in den "Sprachnachrichten", dem Organ des VDS, bekanntgegeben wird. Diese negative Auszeichnung trifft diejenigen, die in ihrer Werbung und Selbstdarstellung "Denglisch", ein Mischmasch aus Deutsch und Englisch, verwenden, z.B.: die Landesverkehrswacht Bayern mit "safety first" oder 2006 Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther H. Oettinger, der im öffentlichen Leben Englisch propagierte und nur noch nach Feierabend der Landessprache eine Chance einräumte. Er wurde daraufhin vom VDS als der "Freizeitdeutsche" abqualifiziert. Aber auch der "Kulturpreis Deutsche Sprache", der mit 35.000 € höchstdotierte deutsche Sprachpreis, geht auf die Initiative des VDS zurück. Zusammen mit der Eberhard-Schöck-Stiftung hebt er Menschen und Institutionen hervor, die sich in besonderer Weise um unsere Sprache verdient gemacht haben. Zu ihnen gehören: Der Journalist der FAZ Dr. Frank Schirrmacher, 2007; der Schriftsteller Günter de Bruyn, 2006; Prof. Dr. Paul Kirchhof, der sich um die Sprache des Rechts und das Sprachenrecht verdient gemacht hat, 2005; Satiriker und Humorist Dr. Vicco von Bülow, alias Loriot, 2004 u. s. f.

Je mehr Menschen diese Bürgerbewegung zum Erhalt der sprachlichen und kulturellen Vielfalt in Europa unterstützen, was mit einem Jahresbeitrag von 30.- € niemanden überfordern dürfte, desto größer werden die Chancen für das Kulturgut deutsche Sprache, zu überleben und zu neuer Ausdruckskraft zurückzufinden.

Achtung! Dieser Text wurde in bewährter Rechtschreibung abgefaßt.

 

[1] vgl. Gernot Meißner: "Organisierte Entwicklung des Wortschatzes in der deutschen Sprachgeschichte"

Birgit Schönberger
Vorsitzende der Region 84 im VDS

Erstveröffentlichung:

Umwelt & Aktiv - Ausgabe 3/2007