AG Literarisches
Gruppenleiter
Monika Elias
VDS e.V. Büro Dortmund
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Wiard Raveling - Auld Lang Syne
Als ich bei unserer letzten Abitur-Entlassungsfeier (oder war es bei unserer letzten Weihnachtsfeier?) feststellte, daß über die Hälfte aller Lieder, die während dieses Anlasses gesungen wurden, englischsprachige Lieder waren, da mußte ich unwillkürlich an eine kleine Begebenheit denken, die mir vor kurzem ein Freund erzählt hat.
Das Gymnasium, an dem mein Freund unterrichtet, bekam vor einiger Zeit Besuch von einer Schülergruppe aus Schottland. Am Tag bevor die Gäste wieder abreisten, wurde ein gemeinsamer gemütlicher Abend veranstaltet mit Eltern, Lehrern, Freunden und vielen Schülern. Man aß, trank, tanzte, unterhielt sich und verstand sich ganz prächtig. Gute Laune pur.
Irgendwann kamen dann die schottischem Schüler ganz spontan und ungezwungen nach vorne und begannen, alte schottische Volksweisen zu singen. Den Abschluß bildete natürlich "Auld Lang Syne". Als sie fertig waren, forderte einer von ihnen die deutschen Schüler auf, nun ihrerseits einige deutsche Volkslieder zu singen. Der begleitende schottische Lehrer sagte: "Wir haben in unserem Land zwar sehr schöne Lieder, wie ihr eben gehört habt, aber die schönsten alten Volkslieder gibt es doch immer noch in Deutschland". Die deutschen Schüler drucksten herum, lächelten verlegen und keiner traute sich, nach vorne zu kommen. Aber die Schotten ließen nicht locker. Sie bestanden darauf, daß auch die Deutschen ein paar ihrer Volkslieder zum besten geben sollten. Schließlich gingen einige der schottischen Schüler zu den Deutschen, jeder faßte einen von ihnen bei der Hand und zog ihn mit sanfter Gewalt nach vorne. "Come on, you'll sing something for us. Don´t be so shy, for God´s sake!", sagte einer von ihnen. Dann gingen sie zu ihren Plätzen zurück. Die jungen Deutschen drucksten immer noch herum und lächelten verlegen. Schließlich faßte sich einer von ihnen ein Herz. "Los, komm, wir singen was!", sagte er, um die Peinlichkeit zu beenden. Und dann fingen sie tatsächlich an zu singen und zwar "Oh, when the saints...". Aber nach wenigen Takten blieben sie stecken und wußten nicht weiter. Sie schlichen zu ihren Plätzen zurück und setzten sich hin. Im Raum hatte sich inzwischen unter allen Anwesenden eine peinliche Stille ausgebreitet.
Um die Situation zu retten, kamen die jungen Schotten noch einmal nach vorne und sangen auswendig, wenn auch mit starkem Highland-Akzent, drei deutsche Volkslieder. Das letzte war "Ade nun zur guten Nacht."
Wiard Raveling
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