AG Literarisches
Gruppenleiter
Monika Elias
VDS e.V. Büro Dortmund
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Klaus Gosmann - Das Pidgin der Deutschen Bundesbahn
Die DB hat ihre "BahnCard". "Bahnpass" wäre auch zu provinziell gewesen. Für die Zahlungskräftigen bietet sie die "BahnCard First" an. Ein Engländer würde das etwa als die Aufforderung "Zuerst die BahnCard" verstehen. Eine "BahnCard Second" hat die DB wohlweislich nicht im Angebot. Außerdem gibt es die "BahnCard Teen" (!), die für "Teens" von 12-17 Jahren gedacht ist. Daß im Englischen mit dem Begriff "Teenager" Jugendliche von "thirteen - nineteen" gemeint sind, stört die DB überhaupt nicht.
Im Faltblatt "Business & Reisen" finden sich: "BahnCard Classic", "NetzCard" bzw. "NetzCards" neben "Netzkarten", "InterCityNight", "CityNightLine", "CompuServe: Kennung 'go bahn'", "Fun Train", "ICE-Sprinter", "Business-Verbindung,...". Die Züge der "CityNightLine" haben vier Kategorien: "Deluxe", "Comfort", "Economy", "Ruhesessel" (!) . Es gibt die Abteile "Comfort Single" und "Comfort Double", dafür aber den "Economy Vierer", dazu "Welcome-Drinks" und einen "Lounge-" und "Servicewagen" sowie den "Service-Point", "Park & Rail", "Park + Ride", den "ParkService" und eine Tabelle "Relationen (?) und Preise". Im Prospekt "Bahn & Bike" - das deutsche Wort "Rad" wäre ja auch zu lang gewesen - erscheinen "Bike & Ride", aber die "Radfahrer-Hotline".
Das Zugpersonal der DB stellt sich je nach Herkunft als "Team" oder "Deam" vor. Es gibt natürlich auch ein Team in der Küche und ein Bedienungsteam im Speisewagen. Auf meinen Zugreisen in England habe ich das Wort "Team" nie gehört. Der Hauptzugschaffner stellt sich mit seinem Namen als "Head Conductor" und die übrigen Mitarbeiter als seine Kollegen vor.
Dieses furchtbare Kauderwelsch, das weder Englisch noch Deutsch ist, entsteht eben, wenn man wildgewordenen Werbetextern die Sprache zum Abschuß frei gibt.
Was waren das noch für Zeiten, als die Bahnbehörden die schwer verständlichen französischen Begriffe wie "Perron" durch "Bahnsteig", "Coupé" durch "Abteil" und "Billet" durch "Fahrkarte" ersetzten. Heute wird den wehrlosen Kunden das Wort "Ticket" aufgezwungen.
Klaus Gosmann
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