Gruppenleiter

Monika Elias
VDS e.V. Büro Dortmund

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Karl-Markus Gauß - Fremdsprachen und Gehorsam

Das Anrecht, auf der eigenen Sprache zu beharren, sie unbesehen der Zahl der Menschen, denen sie als Muttersprache gilt, als wertvoll und schützenswert zu -finden, ist ein permanent verletztes Menschenrecht, das einzufordern keinen nationalistischen Dünkel bedeutet.

Im Europa der Vaterländer muss daher das Europa der Muttersprachen mit aller Macht zurückgedrängt werden, weil die Muttersprachen das Gedächtnis repräsentieren, in dem der Widerstand keimt. Was das vaterländische Europa braucht, sind fungible, gedächtnislose Arbeitskräfte, die sich problemlos von da nach dort verpflanzen lassen, und Führungskräfte, die einzig in ihrem Konzern und ihrer Karriere zu Hause sind: Das Europa der Muttersprachen ist solchem Fortschritt nichts als ein gefährliches Hindernis.

Darum werden jetzt überall Kindergärten, Volksschulen, Gymnasien gegründet, in denen die Eltern der aufgeklärten Elite schon die elementare Unterrichtung nicht in der eigenen Muttersprache erfahren, sondern in Englisch oder Französisch. Die Eltern ahnen, daß im neuen Europa keine Renitenz, wie sie aus der Sicherheit der Muttersprachen wachsen kann, mehr angebracht sein wird, sondern eine Flexibilität, die auf paradoxe Weise zugleich weltgewandt und gehorsam ist.

Europa wird viele Sprachen haben oder es wird uns mit wenigen die Barbarei lehren.

Aus dem Buch "Europäisches Alphabet" von Karl-Markus Gauß, Zsolnay-Verlag.