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Sprachhunzer des Monats (2002)

Der Sprachhunzer des Monats wird von unseren Vereinsmitgliedern seit März 2001 an Institutionen oder Firmen verliehen, deren Werbung besonders negativ bei der Verhunzung der deutschen Sprache aufgefallen ist.

Monat

Firma oder Institution

Dezember 2002

Dr. Jan Boetius, Vorsitzender der Deutschen Krankenversicherung

Als Kunde der DKV werde ich schlecht bedient. Die ruft zwar "Gesund beginnt im Mund", aber aus dem Mund ihrer Werbeschwätzer kommt kranke Sprache. Am Telephon tönt es "Ihre DKV", obwohl mir das Unternehmen nicht gehört und wir kein inniges Verhältnis miteinander haben. Die "Nummer 1 unter den Privaten" (Eigenlob) ist up2date und reist mit der bodytravel-Schau durch Deutschland. Sie bietet best care mit lifestyle guide und fitness coach. ... Ist das wirklich my DKV?

Protest!

Dr. Jan Boetius, Vorsitzender der Deutschen Krankenversicherung AG
Aachener Straße 300
50933 Köln
Fax 0221/ 5786000

November 2002

Dr. Martin Ammermüller, Vorstand der DAK

Keine Gesundheit in Deutschland ohne Englisch oder Denglisch. Die basic fitness gehört dazu mit in, up und down. Nach dem check in kommt das check up, dann das warm up und schließlich ein push up. Wenn beim tuning für die schlanke Linie mit crunches, cross lift und side lift die richtige fun im Fett-out ausbricht oder der fatburn-Puls nach oben geht, hilft ein cool down, und alle schreien Yeah! ... Aber wer ist gern bei einer Krankenkasse, die solchen Stuß redet?

Protest!

Dr. Martin Ammermüller, Vorstand der DAK
Nagelsweg 27-35
20097 Hamburg
Fax 040/23961500

(Vorschlag: Eberhard Schultheiss, Seesen)

Oktober 2002

Dr. Peter Hartz, Vorsitzender der Regierungskommission zur Reform des Arbeitsmarktes

Wer Arbeit sucht, geht ins job center. Je nach business unit gibt es dort ein case management nach master plan. Wenn er Glück hat bei der quick-Vermittlung bekommt er ein bridging mit key account-Betreuung. Oder er hat Pech und wird zum job floater gemacht. Da läuft nichts ohne controlling, und wehe ihm, er weiß nicht, was benchmark oder step stone bedeutet.

Will hier jemand die Arbeitslosigleit in Schottland oder Australien
bekämpfen? Wie ist einem Arbeitslosen zumute, dem solche englischen Brocken um die Ohren gehauen werden?

Protest!

Dr. Peter Hartz
Vorsitzender der Regierungskommission zur Reform des Arbeitsmarktes
Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung
Wilhelmstraße 49
10117 Berlin
Fax 01888/5272965

September 2002

Peter Boide, Leiter der Herderschule Weimar

An seiner Schule hat er ein Begegnungszentrum für Weimarer Jugendliche eingerichtet. Name: Herderpoint for kids. Der Mann schaut in die Zukunft. So werden unsere Kinder der deutschen Sprache entwöhnt und die Grundlagen für die nächste PISA-Studie geschaffen.

Peter Boide
Leiter der Herderschule
Bonhoefferstraße 46
99427 Weimar
Fax 03643/418974

(Vorschlag: Edith Pohl, Göttingen)

August 2002

Bärbel Höhn, Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

In einem Faltblatt des Ministeriums wird die neue Agrarpolitik mit dem Spruch Get up vorgestellt. Die regionale Vermarktung heißt Home Run, die artgerechte Tierhaltung Easy Going. Gesundes Fleisch gibt es zur Happy Hour, Obst und Gemüse als Flower Power. Und die Landwirte werden "Energiewirte" und betreiben Modern Art. Warmherzige Werbung für die heimische Region, fürsorglicher Umgang mit Tieren und Planzen, aber kalte und verächtliche Behandlung der Muttersprache: Die Saure Sprachgurke für die grüne Ministerin, die uns ganz schön ver"höhnt" !

Bärbel Höhn
Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Schwannstraße 3
40476 Düsseldorf
Fax 0211/4566388

(Vorschlag: Hans-Günther Lübke, Blomberg)

Juli 2002

Dr. Alexander Erdland, Vorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Die Häuslebauer haben the other dimension entdeckt und ihrer Kundenzeitschrift einen "frischen" Look verpaßt. Die heißt nun house and more. Wir lesen Specials und News über Trends, den Fogging effect im Neubau, das Town & Country-Fertighaus, über Summer jobbing für den Housebuilder, über die Kellerwerkstatt als a Man's world, über Fun colors, das Fitness feeling unter der Brause ... and more ... and more ... and more ... Alles powered by Schwäbisch Hall, der Bausparkasse für sprachliche Bruchbuden.

Dr. Alexander Erdland
Vorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall
Crailsheimer Straße 52
74520 Schwäbisch Hall
Fax 0791/464446

(Vorschlag: Dirk Nette, Kleinschirma (und nach ihm viele andere))

Juni 2002

Graf von Kanitz, Präsident des Deutschen Forstvereins

Die Förster treten aus dem deutschen Wald in die große Welt hinaus. Sie sprechen englisch, „um gerade junge und jung gebliebene Menschen anzusprechen". Mit den neuen Logos wollen sie „auf den Zug in Richtung Europa aufspringen" und ein „WIR-Gefühl" erzeugen. German Forestry: Forests for people – Wood for Life – Protecting the future – Sustainable use ... Sprechen „WIR" Englisch in Deutschland? Besteht Europa nur aus England?

Verpassen Sie den Sprachhunzern im grünen Rock einen verbalen Blattschuß!

Henning Graf von Kanitz
Präsident des Deutschen Forstvereins e.V.
Büsgenweg 1d
37077 Göttingen
Fax 0551/3796237

(Vorschlag: Trutz Weber, Waldsolms)

Mai 2002

Ulrich Lehner, Geschäftsführer der Firma Henkel
Die Werbetexter des Unternehmens haben einen neuen Spruch erfunden: A brand like a friend. Jeder denkt, es brennt im Hause Henkel.

Der Waschmittelhersteller rühmt sich, mit Persil „Millionen von Hausfrauen von der Fron des manuellen Wäschewaschens befreit" zu haben. Sich selbst und uns „befreit" er von der deutschen Sprache. Henkel bringt Plastikwörter wie liquits in Umlauf – kommt aus dem sprachlichen Niemandsland – oder anderen Unfug wie Back to the roots, Laundry and home care, Network for beauty and soul oder Technologies that make peoples' lives easier, better and more beautiful.

Dr. Ulrich Lehner
Geschäftsführer der Henkel AG
40191 Düsseldorf
Fax 0211/7984008

April 2002

Die Bundesanstalt für Arbeit
Sie ruft auf zum Girl's Day am 25. April 2002. Nach dem Valentine's Day und dem Kürbisfasching Halloween bekommen wir mit dem Girl's Day einen weiteren besonderen Tag aus den U. S. A. Nicht für „Heiße Girls" oder „Girls ohne Tabu", sondern ein „Zukunftstag" für deutsche Mädchen von 10 bis 15 Jahren. Sie sollen an die Arbeitswelt herangeführt werden.

Im Internet gibt es zum Girl's Day die women ticker news, den news letter und andere messages, auch das Lizzy net und den Girl's Day content.

Protestieren Sie sofort! Beim Girl's Day 2001 haben die Mädchen in Deutschland übrigens nicht mitgemacht.

Bundesanstalt für Arbeit
Regensburger Straße 104
90478 Nürnberg
Fax 0911/1792123

(Vorschlag: Günter F.M. Mißfeldt, Kiel)

März 2002

Dr. Klaus Wiedhahn, Deutsche Gesellschaft für Computergestützte Zahnheilkunde
Die Zahnklempner in der Nordheide versprechen A New Look, Natural Colour, More Success, Full Power, Safety First und anderen Schnickschnack, wenn für die Zahnerhaltung ihre Produkte verwendet werden.

Platter Schwindel auf denglisch!

Dr. Klaus Wiedhahn
Deutsche Gesellschaft für Computergestützte Zahnheilkunde
Bendestorfer Straße 5
21244 Buchholz
Fax 04181/39557

(Vorschlag: Johanna Schrammen, Göttingen)

Februar 2002

Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post A. G.
One Stop Shopping, Global Mail, Fulfilment, Stampit, Postage Point, Freeway (Ist nicht frei, wie die gleichnamige Autobahn in Kalifornien, kostet Gebühr!), Easytrade, Funcard Mailing ... So spricht die "Deutsche" Post. Sie nennt ihre Paketgrößen Small, Medium, Large und Extra Large und errichtet in Berlin ein Love Letter Building.

Dieser Unfug ist kaum zu übertreffen.

Dr. Klaus Zumwinkel Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post A. G. 53250 Bonn Fax 0228/1827099

(Vorschlag: Hans-Görg Dürrfeld, Hattingen; Matthias Hunstig, Paderborn)

Januar 2002

Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Im Fernsehen warnt die BZgA: Gib AIDS keine Chance. You cannot rewind your life. Gib Deutsch keine Chance? Gesundheitliche Aufklärung nur für Engländer und Amerikaner? Prostestieren Sie heftig gegen diese Flucht aus der deutschen Sprache und die Mißachtung deutscher AIDS-Kranker!

Dr. Elisabeth Pott
Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Ostmerheimer Straße 220
51109 Köln
Fax 0221/8992300

(Vorschlag: Monika Stephan, Leimen)