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Sprachhunzer des Monats (2001)

Der Sprachhunzer des Monats wird von unseren Vereinsmitgliedern seit März 2001 an Institutionen oder Firmen verliehen, deren Werbung besonders negativ bei der Verhunzung der deutschen Sprache aufgefallen ist.

Monat

Firma oder Institution

Dezember 2001

Guido Westerwelle, FDP-Vorsitzender
Er hat Wahlkampf nach US-Vorbild angekündigt. Das geht dann so: Neben dem Redner Westerwelle erscheinen riesenhaft auf einer Projektionswand die englischen Schlagwörter generation forward, free, fun, future. - Machen Sie dem Vormann der FDP klar, daß wir nicht in Texas leben. Erwähnen Sie die Kritik seines Vorgängers Wolfgang Gerhardt am unerwünschten Denglisch.

Guido Westerwelle, 1. Vorsitzender der FDP
Thomas Dehler-Haus
10117 Berlin
Reinhardtstraße 14
Fax 030/28495822

(Vorschlag: Leo Thenn, Pforzheim)

November 2001

Ernst Welteke, Präsident der Deutschen Bundesbank
Da haben wir den Salat. Die Deutsche Bundesbank bietet ab Dezember starter kits zum Verkauf. Dummes Denglisch als unerbetene Begleitmusik zum Euro, den nicht einmal die Hälfte der Menschen in Deutschland wünscht. - Hätten Sie gewußt, daß das ein Satz Münzen ist, der im Vorgriff auf den Euro angeboten wird? Bürokratisch, aber immerhin auf Deutsch hieße das "Münzhaushaltsmischung". Stellen Sie sich ahnungslos und protestieren Sie gegen starter kits! Fragen Sie auch nach, was sub-frontloading bedeutet. Das kommt in Merkblättern von Sparkassen vor und hat ebenfalls mit der Einführung des Euro zu tun.

Ernst Welteke, Präsident der Deutschen Bundesbank
Wilhelm Epstein-Straße 14-16
60006 Frankfurt
Fax 069/95663077

(Vorschlag: Bernd Schamberger, Nürnberg)

Oktober 2001

Otto Wirthenson, Vorsitzender vom Deutschen Jugendherbergswerk
Vorbei die Zeiten, in denen es in deutschen Jugendherbergen urig und zünftig zuging. In ihrer neuen, modisch gemachten Zeitschrift locken die Herbergsväter zum kid's club, zu action, fun und fantasy stories im Indian summer, zu halloween für yo-yo kids, survival light, outdoor challenge und beach-biken. Sie empfehlen den ice flyer in der Schweiz, globetrotting in Costa Rica, shopping in Amsterdam oder sightseeing in Danzig. Im Freizeit-shop gibt's die passende Kluft und Ausrüstung: die travel cap, die zipp- oder three in one-Hose mit der safe-Innentasche für den Wanderer, das Combi-rack oder die bottle für den biker.

Zurück auf die Schulbank und verschärfter Deutschunterricht für diese Schwätzer!

Otto Wirthenson
Deutsches Jugendherbergswerk
Bad Meinberger Straße 1
32760 Detmold
Fax 05231/993666

September 2001

Bernard Kühling, Bürgermeister von Vechta in Niedersachsen
Etwa 150 von 180 Mitarbeitern der Stadtverwaltung halten einen vom Dienstherren genehmigten und von der AOK unterstützten Mittagsschlaf. Na schön. Dieser Dienstschlaf heißt nach US-Vorbild power napping, und die Dienstschläfer bezeichnen sich als power napper. Da gibt es wohl mehr als 80 Prozent sprachliche Schlafmützen im Rathaus von Vechta.

Bernard Kühling
Bürgermeister der Stadt
Burgstraße 6
49377 Vechta
Fax 04441/886139

August 2001

Eckhard Beste, hearsafe-Hörgeräte.
Was hilft es, wenn wir dank der Geräte von hearsafe wieder hören, aber nichts verstehen? For your ears only, hearing protection, in-ear-monitoring, music safe, hearsafe kids, sleep well, bass shaker, home movie, big phones, high end cable, click track, cinch input, broadcasting, listen for a lifetime ... . Fordern Sie Übersetzungen an.
Eckhard Beste, hearsafe-Hörgeräte, Kölner Straße 195, 51149 Köln, Tel. 02203/91000, Fax 02203/91002

Juli 2001

Felix Kovac, Klassik Radio.
Die großartige Musik von Mozart und Beethoven wird mit englischen Brocken angepriesen: first class music, musical highlights, new classics, classic cuts, Klassik countdown, Klassik romance, Klassik dreams.
Erinnern Sie den Progammdirektor Kovac daran, daß wir gern auf deutsch angesprochen werden.
Felix Kovac, Klassik Radio, Postfach 11 12 51, 20412 Hamburg, Tel. 040/3005050, Fax 040/30050511

Juni 2001

Wolfgang H. Zocher, Bundesverband des deutschen Bestattungsgewerbes.
Er hat für das deutsche Bestattungsgewerbe den Beruf des funeral master erfunden. In funeral steckt fun. Gibt es bald die fröhliche Grablegung und richtig Spaß bei der Beerdigung? Erheben Sie Einspruch gegen diese peinliche sprachliche Entgleisung. Wolfgang H. Zocher, Bundesverband des Deutschen Bestattungsgewerbes, Vollmerswerther Straße 79, 40221 Düsseldorf,Tel. 0211/1600810, Fax 0211/1600850

Mai 2001

Jan Wiepjes, TUMI-Lederwaren.
Die Firma TUMI stellt schöne Lederwaren her, ist aber der deutschen Sprache nicht mächtig.
Brieftaschen, Reisetaschen, Koffer und Rucksäcke werden mit Sprüchen wie design in motion, street smart oder working solutions angeboten. Sie heißen breast pocket wallet, palm case, messenger bag, hanging travel kit, legal brief tot, travel satchel, overnighter oder wheel-a-way. Das versteht kein Mensch. Die Saure Sprachgurke für diesen Blödsinn! Empfehlen Sie Jan Wipjes, seine Geschäftstätigkeit ab sofort auf englischsprachige Länder zu beschränken. Jan Wiepjes, TUMI-Lederwaren, Boner Mühle 8,
58809 NeuenradeTel. 02394/91980Fax 02394/91981

April 2001

Guido Knopp, ZDF.
Er macht eine Reihe im Zweiten Deutschen Fernsehen für Deutsche Zuschauer. Und nennt sie history.

März 2001

Magdeburgs OB, Dr. Willi Polte.
Er bietet Studenten der Elbestadt ein Begrüßungsgeld an mit dem Spruch Cash for stay and study.