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Pressemeldung 21.09.2009
Wahlziele zur Sprache
Kandidaten antworten auf die VDS-Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl
Der Verein Deutsche Sprache e.V. hat die Kandidaten für den Bundestag
vor der Wahl zu ihrer Einstellung zu sprach- und kulturpolitischen Themen befragt.
97 Kandidaten aller im Bundestag vertretenen Parteien nahmen an der Umfrage
teil. Die 222 Abgeordneten der SPD-Fraktion im Bundestag stimmten eine gemeinsame
Antwort ab, die die SPD-Zentrale dem VDS übermittelte. Der CDU-Bundestagsabgeordnete
Hartwig Fischer schickte seine Antworten stellvertretend für die CDU Deutschlands.
Viele Kandidaten wollen den "Tag der deutschen Sprache"
Als Erfolg sieht der VDS, dass sich Vertreter aller Parteien mit Themen zur
Förderung der deutschen Sprache beschäftigen. Von der FDP und von
den GRÜNEN kamen im Verhältnis die meisten Stimmen für einen
bundesweiten Ehrentag zugunsten der deutschen Sprache. Gegen einen solchen Gedenktag,
wie ihn der VDS mit dem "Tag der deutschen Sprache" seit 2001 feiert,
sprachen sich die meisten Abgeordneten der SPD und alle der Partei DIE LINKEN
aus. Auch die CDU gibt kein einheitliches Bekenntnis für einen entsprechenden
Feiertag ab.
Aus fast allen Antworten der Kandidaten geht hervor, dass der Pflege und der
Förderung der deutschen Sprache eine hohe Bedeutung zukommt. Die Partei
DIE LINKE und die SPD verweisen dazu auf die Beschlüsse der Enquête-Kommission
"Kultur in Deutschland" aus dem Jahr 2007, in dem festgestellt wird:
"Das Bewusstsein dafür, dass es wichtig ist, sowohl im Inneren wie
nach Außen sprachpflegerisch zugunsten der deutschen Sprache einzutreten,
muss wach gehalten werden." Insbesondere die Kandidaten der Union sehen
den wachsenden Gebrauch von Anglizismen in immer mehr Bereichen des sprachlichen
Alltags als Problem.
Bei der Frage nach der Stellung der deutschen Sprache in den Einrichtungen der
Europäischen Union zeigte sich fast bei allen Parteien Übereinstimmung
mit den Forderungen des VDS, die deutsche Sprache zu einer gleichgewichtigen
Arbeitssprache in den Einrichtungen der EU zu machen. Lediglich einige Kandidaten
der LINKEN und der FDP kreuzten hier an, dass sie eher für möglichst
wenige Arbeitssprachen der EU seien.
Gesetzliche Regelungen
Deutliche Unterschiede zwischen den Parteien bestehen bei der Frage nach der
gesetzlichen Stellung der deutschen Sprache: So sind fast alle SPD-Kandidaten,
die geantwortet haben, dagegen, die deutsche Sprache im Grundgesetz festzuschreiben.
Sie verweisen auf die Forderung, Kultur als Staatsziel aufzunehmen. Damit solle
auch die deutsche Sprache als Kulturträger gefördert und geschützt
werden. Bis auf wenige Ausnahmen sprachen sich fast alle Kandidaten der CDU/CSU
für die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz aus. Dafür
stimmte auch eine Mehrheit der Kandidaten der FDP. Aus den Antworten der Partei
DIE LINKEN und denen der GRÜNEN geht hervor, dass kein gesetzlicher Schutz
für die deutsche Sprache notwendig sei. Die Befragten aller Parteien stimmten
allerdings dafür, dass im Rahmen des Verbraucherschutzes Produktwerbung
und Produktbeschreibungen eindeutiger sein sollen.
Der VDS fragte schließlich nach der Förderung des Deutschen als Wissenschaftssprache.
Kandidaten der SPD sehen keinen Handlungsbedarf, sondern eher eine Gefahr für
eine international handelnde Wissenschaftsgemeinschaft, wenn die Politik Wissenschaftlern
die Wahl der Sprache vorschreibe. Kandidaten der LINKEN plädieren für
eine Zwei- oder Mehrsprachigkeit in der wissenschaftlichen Kommunikation und
unterstützen die VDS-Forderung, dass Fachkongresse auch in der Landessprache
abgehalten werden sollen. Die CDU setzt in ihrer Antwort auf eine "engagierte
auswärtige Kultur- und Bildungspolitik".
Als einzige Partei spricht die CDU zusätzlich den Erwerb der deutschen
Sprache von Kindern aus Zuwandererfamilien an. "Um ihrer Erziehungsverantwortung
jederzeit nachkommen zu können, sind Eltern mit Migrationshintergrund gefordert,
Deutsch zu lernen", schreibt die Partei in ihrer Antwort.
"Die Umfrage hatte nicht das Ziel, eine Wahlempfehlung auszugeben",
sagte der Pressesprecher des VDS, Holger Klatte. "Wir haben die Kandidaten
für den Deutschen Bundestag an ihre Verantwortung für die deutsche
Sprache erinnert und werden auch nach der Wahl einfordern, dass die uns gegenüber
gemachten Aussagen erfüllt werden", so Klatte.
Der VDS ist die mitgliederstärkste Einrichtung zur Sprach- und Kulturförderung
in Deutschland. Seine Mitglieder werben auch dafür, dass die deutsche Sprache
als Thema der Politik ernst genommen wird.
Einige Kommentare der Kandidaten zur VDS-Umfrage vor der Bundestagswahl:
"Öffentlich-rechtliche Medien sollten ihre Verantwortung für
die Sprachkultur noch stärker wahrnehmen." (Katja Kipping, Die LINKE)
"Ich habe mich und ich werde mich für den Erhalt der kulturellen Vielfalt
in der Welt, in Europa, in Deutschland und in Bayern einsetzen." (Thomas
Gambke, Bündnis 90/Die Grünen)
"Als Germanist sehe ich mich mit Ihren Anliegen sehr verbunden." (Ingo
Juchler, SPD)
"Es soll insgesamt eine größere Förderung und Wertschätzung
der Fähigkeiten des Sprechens, Lesens und Schreibens in der deutschen Sprache
geben." (Bettina Houben, FDP)
"Wir haben eine besondere Verantwortung für den sorgfältigen
und behutsamen Umgang mit der deutschen Sprache." (Herbert Frankenhauser,
CSU)
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