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VDS-Infobrief Nr. 86
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Mittwoch, den 07. Juli 2010 um 11:49 Uhr

public viewing nervt!

public-viewing

Selbst öffentlich-rechtliche Fernseh- und Rundfunksender und anspruchsvolle Zeitungen verwenden mittlerweile den Begriff public viewing für die öffentliche Übertragung von Fußballspielen auf Großleinwänden. Der Verein Deutsche Sprache e. V. stellt fest: public viewing nervt!

Der Ausdruck public viewing ist der deutschen Sprache grammatisch fremd, er bereitet Schwierigkeiten bei der Aussprache und sträubt sich gegen Regeln der deutschen Rechtschreibung. „Fußballbegeisterte treffen sich im deutschsprachigen Raum lieber zum Freiluftfernsehen, Fußballkino, Straßenkino, Ö-TV oder auch zum Rudelgucken“, sagte der VDS-Vorsitzende Walter Krämer in Dortmund.

Die Bezeichnung public viewing verwendeten Verantwortliche der FIFA 2006 im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Der Ausdruck stammt aus dem US-amerikanischen Englisch und bedeutet dort meistens eine öffentliche Besichtigung (z.B. die Aufbahrung Verstorbener). Einfallslose Medien hatten die Bezeichnung daraufhin übernommen, ohne auch nur einen Gedanken an eine deutsche Entsprechung zu verschwenden. Seit 2007 steht public viewing sogar im Duden.

Zahlreiche Umfragen und Gegenvorschläge haben in den vergangenen Jahren ergeben, dass die Mehrheit der Sprachgemeinschaft eine deutsche Bezeichnung wünscht. (Foto: wandersmann / pixelio.de)

 

Medienecho

Über „unsere große Hure Duden“ beschwerte sich Hermann Schreiber im Hamburger Abendblatt. Er kritisierte, dass vom Duden alles, was im Sprachgebrauch auftauche, nach gewisser Zeit übernommen werde. Dabei schloss er in seine Kritik auch die meisten Sprachwissenschaftler mit ein, die behaupteten, dass Sprache nur beobachtet werden müsse und es keine Normen geben dürfe. Positiv erwähnt er den Einsatz der „unerschrockenen Deutschsprecher“ des Vereins Deutsche Sprache. „Unsere große Hure Duden“, Hamburger Abendblatt vom 27.03.2010

 

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„Um die deutsche Sprache ist es nicht gut bestellt. Schuld daran sind die Werbung, ein Teil der Medien und auch einige Politiker. Sie wollen der deutschen Sprache den Garaus machen. Doch der Versuch, sie abzuschaffen, wird scheitern.“

Hans Magnus Enzensberger am 21.10.2007 in der Bildzeitung