Nachrichten

VDS-Infobrief Nr. 154
Archiv: 2010 2011 2012

VDS-Infobrief per E-Post:
Bestellung


Drucken

Kandidaten für den Sprachpanscher 2000

Sonntag, den 16. April 2000 um 12:12 Uhr

Die zweite bundesweite Mitgliederversammlung des "Vereins Deutsche Sprache e.V." am 15. April in Dortmund hat die folgenden Personen bzw. Firmen auf die Kandidatenliste für den "Sprachpanscher 2000" gesetzt:

1. Jürgen Rüttgers Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Wirbt unter www.ruettgers4u.de mit this soap was made today.

2. Jürgen - thinking in new directions - Weber Der Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG. Läßt in einer Tochtergesellschaft einen Mitarbeiter abmahnen, der im Bodendienst in seiner Muttersprache spricht.

3. Rolf Breuer Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG: "Wenn der eine relationship-orientiert und der andere business-orientiert gewesen wäre, hätte es einen clash of cultures gegeben" (Breuer zur Fusion mit Bankers Trust).

4. Die Firma TUI Touristik Union Ihr Free-World-Guide (powered by IQ) ist neben dem notorischen Jil-Sander-Interview in der FAZ vom April 1996 der bisherige Gipfel an Sprachverhunzung in der Bundesrepublik. Da die darin zelebrierte Schimpansensprache anders als etwa bei der CDU, der Lufthansa und der Deutschen Bank nicht nur beim Führungspersonal, sondern auch bei den sonstigen Mitarbeitern sehr verbreitet ist, kommt hier ausnahmsweise eine ganze Firma auf die Vorschlagsliste.

5. Der Rektor der Ludwigs-Maximilians-Universität München Prof. Dr. Jur. Andreas Heldrich. Hat zugelassen, daß die ehemaligen Fakultäten und Institute dieser traditionsreichen deutschen Universität demnächst departments heißen.

Der Sprachpanscher des Jahres 2000 wird im Sommer dieses Jahres von den inzwischen über 9000 Mitgliedern des "Vereins Deutsche Sprache e.V." per Brief gewählt. Einsendeschluß ist der 30. August 2000. Die bisherigen Preisträger waren die Hamburger Modeschöpferin Jil Sander, Telekom-Chef Ron Sommer und Bundesbahn-Chef a.D. Johannes Ludewig. Vereinsvorsitzender Krämer: "Wir hätten gerne auch Frauen auf der Vorschlagsliste gehabt. Aber wie schon letztes Jahr konnten wir keine geeigneten Kandidatinnen finden - die von uns getesteten Frauen des öffentlichen Lebens reden alle ein recht gutes bis sehr gutes Deutsch. Offenbar sind Frauen auf sprachliches Imponiergehabe nicht so angewiesen." Die Kandidaten Breuer und Weber standen schon 1999 auf der Vorschlagsliste. Krämer: "Anscheinend hat dieser Schuß vor den Bug nicht viel genützt - die Mißhandlung der deutschen Sprache hat in beiden Firmen seitdem eher zugenommen."


Weitere Infos bei: Walter Krämer (Erster Vorsitzender), Tel.: (0231) 755-3125 oder (05033) 5878 Gerd Schrammen, Tel. (0551) 21723

 

Medienecho

Zur neuen Entwicklung trage neben dem Motiv der besseren Verständlichkeit auch ein grundsätzlicher Wandel im Verhältnis der Unternehmen zu ihren Kunden bei, sagt slogans.de-Chef Hahn. Ziel von Werbung sei nicht mehr, den Nimbus der eigenen Marke zu erhöhen, sondern den Kunden in den Vordergrund zu stellen. „Und da hat die Muttersprache einen wichtigen Effekt. Sie signalisiert einen vertrauensvollen Umgang.“ Für Sprachberater Pogarell steht mittlerweile fest: „Deutsch kommt besser an.“

Englische Slogans kommen aufs Abstellgleis, Klein Report vom 23.9.2007, (www.kleinreport.ch)

 

VDS-Mitglied werden

vds-logo-kleinAls Mitglied im Verein Deutsche Sprache e. V. tun Sie etwas für die Erhaltung und Weiter­entwicklung des Deutschen als eine eigenständige Kultursprache. Jeder ist will­kommen. Sie können den VDS als stilles Mitglied unterstützen oder die Vereinsarbeit aktiv mitgestalten. Hier (PDF-Datei) finden Sie den Antrag auf Mitgliedschaft. Wir melden uns umgehend bei Ihnen, wenn Sie ihn ausgefüllt an uns zurücksenden. Weitere Informationen finden Sie hier: Mitglied werden.

Stiftung Deutsche Sprache

stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache wurde 2001 aus der Überzeugung gegründet, dass die deutsche Sprache ein Gemeingut von hohem Wert ist, das der bewussten Förderung und Entwicklung bedarf. Die Stiftung dient der Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung dieser Sprache. Sie ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

„Sie müssen sich doch nur ansehen, wer dieses Geschwafel in unserem Lande eigentlich verzapft. ... Das sind Leute, die glauben, ihre Halbbildung könnten sie dadurch steigern, daß sie sich, weil es als schick gilt, plötzlich nicht mehr in Deutsch ausdrücken.“

Helmut Schäfer (FDP), Staatsminister im Auswärtigen Amt, auf einer Podiumsdiskussion in Hannover, 24.10.1999.