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VDS-Infobrief Nr. 223
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Kulturpreis Deutsche Sprache 2003

Mittwoch, den 21. Mai 2003 um 12:54 Uhr

Der dreiteilige Kulturpreis Deutsche Sprache wird 2003 an den Historiker Christian Meier, an das Projekt DeutschMobil und an das Versandhaus Manufactum vergeben. Träger des Preises sind die Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden), die Theo-Münch-Stiftung (Düsseldorf) und der Verein Deutsche Sprache (Dortmund). Die Preise werden am 18. Oktober in Kassel überreicht.

Der Jacob-Grimm-Preis des Jahres 2003 geht an Prof. Dr. Christian Meier, Emeritus der Universität München. Der Preis ist mit 35.000 Euro ausgestattet und damit der höchstdotierte deutsche Sprachpreis. Christian Meier ist nach Rolf Hochhuth und Ludmila Putina der dritte Träger dieses Preises und der erste Wissenschaftler, dem er zuerkannt wird. Er wird verliehen für besondere Verdienste um die Anerkennung, Weiterentwicklung und Pflege des Deutschen als Kultursprache. Der Preis ehrt einen Gelehrten, der auch die politische Dimension der Probleme erörtert hat, denen der Kulturpreis gewidmet ist: "Wenn es richtig ist, daß die Übernahme von so vielen Anglizismen Teil eines sehr viel breiter angelegten Prozesses ist, der symptomatisch ist für eine sich auftuende weitere Kluft in der Gesellschaft, für das Sichwegdrücken einer 100 Millionen umfassenden Sprachgemeinschaft, dann gilt es nicht nur, Sprachkritik zu treiben, sondern es steht einiges mehr auf dem Prüfstand" (Chr. Meier).

Christian Meier hat als Althistoriker und Publizist große öffentliche Wirkung erreicht. Er brachte nicht nur Themen aus seinem Fachgebiet, der Alten Geschichte, einem großen Publikum nahe, sondern äußerte sich auch engagiert zu verschiedenen Fragen der Zeit, unter anderem zur Bildungspolitik nach PISA und zur Rechtschreibreform. Zu seiner Wirkung trug bei, daß er seine Erkenntnisse und Standpunkte in einem klaren, schnörkellosen und schönen Deutsch vorträgt. Meier hat sich immer wieder öffentlich für sprachliche Disziplin und angemessenen Stil eingesetzt. Als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung hat er den Sammelband "Sprache in Not? Zur Lage des heutigen Deutsch" angeregt und herausgegeben. Er stellt dort die Frage, ob die große Zahl der Anglizismen im heutigen Deutsch ein Anzeichen dafür sei, daß viele Deutsche dabeiseien, "sich aus dem Deutschen davonzumachen", und vermutet, daß sich "die Anziehungskraft des Englischen, der Rückzug des Deutschen aus ganzen Bereichen und ein […] geringes nationales Selbstbewußtsein zu einem Syndrom zusammenschließen". Er fragt, ob jede sprachliche Entwicklung als naturwüchsig hinzunehmen sei oder ob man vielleicht doch "den Neuerungen kritisch zu begegnen" habe, ob nicht "irgendwo doch auch Barrieren aufgerichtet werden müßten", ob man "hemmungslos alles hinnehmen darf?" Es könnte nämlich "gute Gründe dafür geben, Wucherungen zu kappen, unsinnigen Neuerungen entgegenzutreten, […] ein gewisses sprachliches Selbstbewußtsein zu entwickeln". Ganze Wissenschaften hätten sich bereits aus dem Deutschen zurückgezogen, und das könne einer Amputation gleichkommen, "die fraglos das Ganze der Sprache stark berühren würde: Wird das Deutsche provinziell?"

Der Kulturpreis Deutsche Sprache möchte dazu beitragen, solche Fragen vor eine große Öffentlichkeit zu bringen. Er möchte dazu beitragen, das Deutsche als eine Sprache zu bewahren und zu entwickeln, in der "auf allen Gebieten auch das Neueste sagbar" ist, und er will verhindern, daß man sie "gleichsam schrumpfen läßt zur Form der Verständigung über Alltäglichkeiten und sich daneben auf die einfachen, notwendigerweise gröberen Formen einer basic simple language beschränkt, als die sich heute eine Schrumpfform des Englischen anbietet" (Christian Meier).

Der mit € 5.000 dotierte Initiativpreis Deutsche Sprache geht 2003 an die deutsch-französische Initiative DeutschMobil. DeutschMobile sind Kleinbusse, mit denen Sprachlektoren seit 2001 Schule um Schule in Frankreich besuchen, um dort Interesse für die Deutschen und ihre Sprache zu wecken. Das DeutschMobil ist beispielhaft für die Annäherung zweier Länder durch das Lernen der Nachbarsprache. Es fördert das Deutsche als Fremdsprache in Frankreich, aber auch die Stellung des Deutschen in der Europäischen Union. Eingerichtet wurde das DeutschMobil von der Föderation der Deutschlandhäuser in Frankreich (Sitz: Montpellier). Seit 2001 haben die Lektoren mit dem DeutschMobil über 1.000 Schulen besucht. Mehr als 50.000 Jugendliche in Frankreich haben daraufhin an Deutschkursen und anderen Veranstaltungen teilgenommen. Unterstützt wird die Initiative von der Robert-Bosch-Stiftung, die Kleinbusflotte, bestehend aus vier Fahrzeugen, stellt die Daimler Chrysler AG zur Verfügung.

Der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache wird 2003 dem Versandhaus Manufactum in Waltrop verliehen. Manufactum pflegt in seinen Katalogen ein vorzügliches Deutsch und verwirklicht in seiner Werbung das Firmenmotto auch sprachlich: "Es gibt sie noch, die guten Dinge". Das zeigt, daß man Waren, Herstellungsverfahren, Materialien und Verwendungszwecke in gutem Deutsch beschreiben und damit Geschäftserfolge erzielen kann. In den "Hausnachrichten" des Unternehmens hat sein Geschäftsführer Thomas Hoof immer wieder vorgeführt, daß man kein Marketing-Denglisch braucht, um in Deutschland an einem heiß umkämpften Markt zu bestehen.

Nähere Informationen sind erhältlich beim Sprecher der Jury des Kulturpreises Deutsche Sprache, Prof. Dr. Helmut Glück (Tel.: 0951-863-2239), und im Internet: www.kulturpreis-deutsche-sprache.de.

 

Medienecho

Verein Deutsche Sprache gegen »Family Fashion-Center« -  Der Verein Deutsche Sprache (Sektion Mittelhessen) ist dafür, den Namen für das in der früheren Galeria Kaufhof geplante Einkaufszentrum in einem öffentlichen Wettbewerb zu ermitteln. Keinesfalls solle es »Familiy Fashion-Center« heißen. (Gießener Allgemeine, 11.7.2014)

 

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Sprüche

Wenn ich merke, dass Sprache den Weg über das Gehirn scheut, muss ich eingreifen.

Johann König, Komiker und Lingualgourmet