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VDS-Infobrief Nr. 328
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Sprachpanscher 1999

Mittwoch, den 01. September 1999 um 14:00 Uhr

sprachpanscher99

Wegen seiner bemerkenswerten Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache hat die Mitgliederversammlung des „Vereins zur Wahrung der deutschen Sprache e.V.“
Herrn

Dr. Johannes Ludewig

zum
Sprachpanscher des Jahres 1999


gewählt. Damit würdigt der Verein den konsequenten Ausstieg aus der deutschen Sprache durch die von Dr. Ludewig geführte "Deutsche Bahn AG". Wir empfinden die "service points" und "ticket counters", die "db-lounges" und "McCleans" auf deutschen Bahnhöfen wie auch das sonstige pseudokosmopolitische Imponiergehabe der Deutschen Bahn AG als unhöflich und anmaßend zu inländischen und ausländischen Kunden gleichermaßen, die in ihrer großen Mehrzahl des Englischen nicht mächtig sind und sich von dieser Anrede in einer fremden Sprache überrumpelt und entmündigt fühlen.

Dortmund, im September 1999, Prof. Dr. Walter Krämer, 1. Vorsitzender


Pressemeldung:

Die Mitglieder des "Vereins zur Wahrung der deutschen Sprache e.V." haben Johannes Ludewig, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, zum Sprachpanscher des Jahres 1999 gewählt. Er folgt damit der Hamburger Modeschöpferin Jil Sander und dem Telekomchef Ron Sommer nach, die 1997 und 1998 ausgezeichnet wurden. Weitere Kandidaten auf der fünf Personen umfassenden Vorschlagsliste waren:

  • der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Jürgen Weber ("mit dem stand-by upgrade voucher kann das ticket beim check-in-counter aufgewertet werden")

  • Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf E. Breuer ("Wenn der eine relationship-orientiert und der andere transaktionsorientiert gewesen wäre, dann hätte es einen clash of cultures gegeben" - Breuer zur Fusion mit Bankers Trust)

  • der VW-Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piech für seinen Neff Bethle und dafür, daß er seine "Volkswagen sound foundation" zu einem Festival "Songs of Goethe and Nietzsche" bitten läßt.

  • RTL-Reporter Heiko Waßer (benutzt bei Formel1-Übertragungen gerne englische Imponiervokabeln).

In der Ernennungsurkunde, die Herrn Ludewig am 6. 9. 1999 von Ilona Waldera, der Pressesprecherin des VWDS, persönlich übergeben werden soll, heißt es unter anderem:

"Mit dem Titel 'Sprachpanscher des Jahres' würdigt der Verein zur Wahrung der deutschen Sprache den konsequenten Ausstieg aus der deutschen Sprache durch die von Johannes Ludewig geführte Deutsche Bahn AG. Wir empfinden die "service points" und "ticket counters", die "db-lounges" und "McCleans" auf deutschen Bahnhöfen wie auch das sonstige pseudokosmopolitische Imponiergehabe der Deutschen Bahn AG als unhöflich, ja feindlich zu inländischen und ausländischen Kunden gleichermaßen, die in ihrer großen Mehrzahl des Englischen nicht mächtig sind und die sich von dieser Anrede in einer fremden Sprache überrumpelt und beleidigt fühlen."

Der "Verein zur Wahrung der deutschen Sprache e.V." wurde im November 1997 in Dortmund gegründet und hat heute weit über 6000 Mitglieder von 9 bis 99 Jahren aus allen Schichten der Bevölkerung (darunter die stellvertretende SPD-Vorsitzende Renate Schmidt oder der Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld). Er ist damit der mit Abstand größte der Sprachpflege verpflichtete Verein der Bundesrepublik.

 

Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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Wenn ich merke, dass Sprache den Weg über das Gehirn scheut, muss ich eingreifen.

Johann König, Komiker und Lingualgourmet