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VDS-Infobrief Nr. 86
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Sprachtest Energiedienstleister

Freitag, den 13. Juli 2001 um 13:45 Uhr

RWE bei Sprachtest durchgefallen

Der Verein Deutsche Sprache hat 12 deutsche Stromanbieter auf ihren Umgang mit der deutschen Sprache untersucht. Darunter waren alle großen Energiekonzerne. Bewertet wurden der Name, die Tarifbezeichnung, der Werbespruch, die Gestaltung der Internet-Leitseite und die Tarifseite im Internet. Minuspunkte gab es für "Mix it" (E.On)" oder "power to the people" (Stadtwerke Kiel), Pluspunkte für "Strom lebt" (Braunschweiger Versorgungs AG) oder Tarife wie "Sauberer Strom" (Lichtblick Energie GmbH). "Es fällt auf," so Vereinsvorsitzender Krämer, "daß vor allem die selbsternannten "global player" ihre Kunden mit überflüssigen Imponieranglizismen anpöbeln. Kleinere Unternehmen dagegen reden gern mit ihren Kunden in deren Muttersprache."

Testsieger wurde die Hamburger Lichtblick Energie GmbH. Sie geht in ihrer Werbung, Internet-Darstellung und Produktbenennung vorbildlich mit der deutschen Sprache um. Es folgen die Elektrizitätswerke Schönau, deren Werbspruch "Watt ihr spart" besonders positiv auffiel die NaturEnergie AG aus Grenzach. Schlußlichter waren Yello Strom, E.On und RWE. "Wie dieser Essener Konzern mit seinen Kunden umspringt, grenzt schon an Beleidigung," faßt Krämer das Ergebnis des Sprachtests zusammen.

Daß es innerhalb des gleichen Konzerns auch anders geht, zeigt die kürzlich von RWE übernommene Dortmunder VEW AG. Ihr Tarif "Evivo - Du & Ich" zusammen mit einer durchgehend kundenfreundlichen Sprachgestaltung der Internetseiten sorgten für Platz 5 im zwölfköpfigen Bewerberfeld.

Weiter Infos auch beim 1. Vorsitzenden des VDS, Prof. Dr. Walter Krämer, Tel. 0231-755-3125 (d), 05033-5878 (p), 0171-2604302 (Funktelefon)., Dortmund, 15. 7. 2001.

Aktion Sprachtest Energiedienstleister (ausführliche Fassung)

Getestet wurde die sprachliche Aussagekraft der größten Unternehmen sowie kleiner Dienstleister, die besonders positiv oder negativ auffielen. Dabei wurde als Vergleich ein Standardwert von 3.000 kWh genommen und die Anbieter auf ihre beste Leistung für diesen Wert geprüft. Ausgangswert bei Namen, Produkt und Werbespruch war 0. Es gab bis zu 3 Punkte Auf- oder Abwertung für besonders gute deutsche oder schlechte englische Namen. Die Gestaltung der Leit- und Tarifseite wurde von dem Einstiegswert 5 aus mit jeweils einem Punkt für einen Anglizismus abgewertet, bzw. bei gut gewählten deutschen Wörtern für häufige Anglizismen (etwa Energie oder Kraft statt energy oder power) um höchstens 5 Punkte aufgewertet. Einen Punkt Abzug gab es auch für die Verwendung des kundenfeindlichen Begriffes "Versorger" aus alten Monopolisten-Zeiten anstatt "Lieferant" oder "Dienstleister".

Name

Produkt

Werbespruch

Name

Produkt

Spruch

Leitseite

Tarifseite

Gesamt

Bemerkung

Preis in DM*

LichtBlick - die Zukunft der Energie GmbH

Sauberer Strom

Die Zukunft der Energie

2

3

2

4

6

17

durchgängig vorbildlich

969,00

Elektrizitätswerke Schönau

Watt Ihr spart

Watt Ihr spart aus Schönau

1

3

1

5

6

16

selbst "FAQ" deutsch

1047,00

NaturEnergie AG

Silber

Sauberer Strom - Günstig für Sie und die Natur

1

1

2

3

6

15

 

998,64

Braunschweiger Versorgungs-AG

Verona

Strom lebt

0

2

2

3

3

10

auch "Joschka" und "Heinz"

929,80

RWE Plus AG

evivo - Du & Ich

So individuell wie Sie!

0

1

2

2

3

8

 

942,60

Ares Energie-direkt GmbH (Stadtwerke Kiel)

Ares FuturePlus

power to the people

1

-2

-2

3

5

5

 

779,58

Stadtwerke Hannover AG

enercityM - enercity

Strom & go positive energie

0

-3

2

3

3

5

auch "Strom & care"

880,80

best energy GmbH

best energy universal

---**

-2

-2

---

-5

5

4

 

878,00

HEW AG

HEW

future powered by HEW

0

-1

-2

1

3

1

 

914,70

Yello Strom (EnBW)

19/19 Plus

gelb. gut. günstig.

-2

0

2

0

0

0

 

902,40

E.ON Energie AG

E.ON POWERprivate

Mix it!

-2

-2

-2

0

3

-3

auch AQUAPOWERprivate

914,40

RWE Plus AG

RWEavanza budget 2000

easy living:

0

-2

-3

0

1

-4

andere Namen ebenso schlecht

952,70

* für 3.000 kWh
** führt zu zwei Punkten Abwertung.

Ist Ökostrom besonders deutsch?

Der Sprachtest zeigte einige Überraschungen. Die Verwendung von unnötigen Anglizismen ist vor allem in den großen Unternehmen verbreitet, die sich gerne als global player sehen, aber nicht einmal den Kunden vor der eigenen Haustür respektieren. Entsprechend stehen EnBW (mit Yello), E.ON und RWE ganz am Ende. Nur die Marke evivo erzielt bessere Werte, sie wurde von der RWE im Rahmen der Fusion mit der VEW übernommen. E.ON hat für den eigentlich doch recht deutsch klingenden Namen Punktabzüge bekommen, da e.on für "energy on" steht. Ob da jemandem gerade kein Licht angegangen ist?

Erstaunlicher war schon, dass die reinen Ökostromanbieter LichtBlick, NaturEnergie und EWS am oberen Ende der Skala stehen. Hier zeigt sich deutlich, dass in kleineren Unternehmen der Kunde ernst genommen wird, ebenso wie die Umwelt. Die anderen Unternehmen positionieren sich irgendwo dazwischen. Bemerkenswert ist dabei, das zum Teil die Namensgebung und die Firmenrepräsentation deutlich voneinander abweichen. Als Beispiel die Firma Ares, die mit einer dümmlichen Namensgebung wie FuturePlus und power to the people Kundenorientierungslosigkeit zeigt, in den Erklärungen auf der Leit- und Tarifseite aber weitestgehend auf Anglizismen verzichtet und selbst das Unwort "Versorger" meidet. Kreative Produktbenennungen wie "Watt Ihr spart" der EWS oder "Joschka" für Ökostrom und "Verona" für Einpersonenhaushalte der Braunschweiger Versorgungs-AG zeigen, dass es sehr wohl auf deutsch geht.

Als Fazit kann gerade beim Blick auf die Strompreise gelten, dass es finanziell nicht weh tut, ein Zeichen auf dem Strommarkt zu setzen. So kostet der Strom des Testsiegers LichtBlick bei 3.000 kWh Verbrauch gerade einmal 17,30 DM im Jahr mehr als der des Konzerns RWE. Für 1,44 DM im Monat mehr zeigt man einem Großkonzern, dass Sprache für den Verbraucher zählt - und man tut auch noch ein gutes Werk für unsere Umwelt.

 

Medienecho

Über „Sale“, das überflüssigste Wort des Jahres 2009, das vom Verein Deutsche Sprache gekürt wurde, berichtete unter anderem die „Bild“, die auch den VDS-Regionalleiter in der Elfenbeinküste, Antoine Djokouéhi, zitierte: „Warum sagt man es nicht in der Sprache der Kunden?“ Das Wort des Jahres war „Abwrackprämie“. Die Mitglieder des Verein Deutsche Sprache aus dem In- und Ausland hatten darüber abgestimmt. Bild vom 16.12.2009

 

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stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache wurde 2001 aus der Überzeugung gegründet, dass die deutsche Sprache ein Gemeingut von hohem Wert ist, das der bewussten Förderung und Entwicklung bedarf. Die Stiftung dient der Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung dieser Sprache. Sie ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

„Warum soll in deutschsprachigen Gebrauchsanweisungen nicht ‚Rechner' statt ‚Computer', ‚Luftkissen' statt ‚Airbag', ‚Programm' statt ‚Software' stehen?“

Christoph Böhr, Landesvorsitzender CDU Rheinland-Pfalz, in der Welt am Sonntag vom 11. 2. 2001