Nachrichten

VDS-Infobrief Nr. 101
Archiv: 2010 2011

VDS-Infobrief per E-Post:
Bestellung


Drucken

Donnerstag, den 04. Januar 2007 um 11:44 Uhr

Der Petitionsausschuss des Bundestages beurteilt die Bedeutung der deutschen Sprache in der EU und in Deutschland unterschiedlich

Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat am 21. 11. 2006 folgende Beschlüsse bekannt gegeben:

1. Der Petitionsausschuss würdigt die Bemühungen der Bundesregierung, sich für die Festigung der Position der deutschen Sprache in den EU-Institutionen einzusetzen. Er sieht gleichwohl die Notwendigkeit, diese Bemühungen verstärkt fortzusetzen.

2. Ein verfassungspolitisches Bedürfnis zur Ergänzung des Grundgesetzes um einen Artikel, der Deutsch als Sprache der Bundesrepublik Deutschland festschreibt, wird dagegen vom BMI und dem Petitionsausschuss nicht gesehen. Kurz gefasst begründet der Petitionsausschuss diesen Beschluss wie folgt: Die deutsche Sprache hat sich - wie jede andere lebende Sprache - stets gewandelt und sie muss wandlungsfähig sein, um die sich stetig wandelnde Wirklichkeit angemessen auszudrücken. Der Petitionsausschuss nimmt dabei billigend in Kauf, dass dieser Entwicklungsprozess tatsächlich dazu führen kann, dass der Teil der Bevölkerung, der des Englischen nicht vollumfänglich mächtig ist, vom Verstehen der eigenen Sprache und damit vom Erkennen wesentlicher Zusammenhänge ausgegrenzt wird.

Dem Bund steht aufgrund des föderalen Aufbaus der Bundesrepublik nur in Teilbereichen, nämlich für die Gesetzes- und Verwaltungssprache des Bundes, eine Regelungszuständigkeit für den Gebrauch der deutschen Sprache zu. Die Regelungskompetenz für die Schulen liegt bei den Ländern.

Der Verein Deutsche Sprache e. V. bedauert den Beschluss zu Punkt 2 und wird seine Forderung nach einer GG-Ergänzung "Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch" weiter verfolgen.

Die vom Petitionsausschuss gutgeheißene Stärkung der deutschen Sprache in der EU kann nur gelingen, wenn Deutsch im Inland geachtet wird. Eine GG-Ergänzung signalisierte nach Brüssel: Unsere Sprache ist uns wichtig. Sie erhält deshalb die Grundgesetz-Weihe. Im Grundgesetz sind die Flaggenfarben und die Hauptstadt Berlin als Identifikationsmerkmale für unser Land geregelt. Dazu gehört in besonderem Maße die Landessprache.

Mit einer Aufnahme der deutschen Sprache in das Grundgesetz wird das Ansehen unserer Sprache im In- und Ausland gehoben.

Der Anwendungsbereich des § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz "Die Amtssprache ist Deutsch" wird durch die Privatisierung bisher staatlicher Aufgabenbereiche und Kompetenzverlagerungen immer weiter verkleinert. Eine Grundgesetzänderung könnte die sprachliche Lücke schließen.

Der VDS beobachtet eine zunehmende Verdrängung der deutschen Sprache durch Englisch als Forschungs- und Lehrsprache an den deutschen Universitäten; Englisch als erste Pflichtfremdsprache ab der Grundschulklasse; Englisch in den Kindergärten; Englisch bei Produktbeschriftungen; Englisch als Arbeitssprache in deutschen Betrieben; Englisch auf Hauptversammlungen; Englisch als Konferenzsprache bei wissenschaftlichen Veranstaltungen; englischsprachige internationale Schulen; englischen bilingualen und immersiven Unterricht; Ansehensverlust der deutschen Sprache bei den Bürgern, insbesondere bei den jungen Leuten (Anglizismen, Gesang) und abnehmendes Interesse an Deutsch als Fremdsprache im Ausland.

Wenn zum Verständnis der deutschen Sprache die Kenntnis der englischen Sprache Voraussetzung ist, besitzen wir keine eigenständige Sprache mehr. Das kann nicht im Interesse unserer Sprachgemeinschaft und unserer Sprachpolitik sein.

Auskünfte bei Eva-Maria Kieselbach
Leiterin der Arbeitsgemeinschaft "Deutsche Sprache ins Grundgesetz" im Verein Deutsche Sprache
Tel. /Fax 0561 / 40 53 23, Kieselbach-Kassel @ t-online.de

s.a. VDS-Aktion: Deutsche Sprache ins Grundgesetz

 

 

Medienecho

Zur neuen Entwicklung trage neben dem Motiv der besseren Verständlichkeit auch ein grundsätzlicher Wandel im Verhältnis der Unternehmen zu ihren Kunden bei, sagt slogans.de-Chef Hahn. Ziel von Werbung sei nicht mehr, den Nimbus der eigenen Marke zu erhöhen, sondern den Kunden in den Vordergrund zu stellen. „Und da hat die Muttersprache einen wichtigen Effekt. Sie signalisiert einen vertrauensvollen Umgang.“ Für Sprachberater Pogarell steht mittlerweile fest: „Deutsch kommt besser an.“

Englische Slogans kommen aufs Abstellgleis, Klein Report vom 23.9.2007, (www.kleinreport.ch)

 

VDS-Mitglied werden

vds-logo-kleinAls Mitglied im Verein Deutsche Sprache e. V. tun Sie etwas für die Erhaltung und Weiter­entwicklung des Deutschen als eine eigenständige Kultursprache. Jeder ist will­kommen. Sie können den VDS als stilles Mitglied unterstützen oder die Vereinsarbeit aktiv mitgestalten. Hier (PDF-Datei) finden Sie den Antrag auf Mitgliedschaft. Wir melden uns umgehend bei Ihnen, wenn Sie ihn ausgefüllt an uns zurücksenden. Weitere Informationen finden Sie hier: Mitglied werden.

Stiftung Deutsche Sprache

stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache wurde 2001 aus der Überzeugung gegründet, dass die deutsche Sprache ein Gemeingut von hohem Wert ist, das der bewussten Förderung und Entwicklung bedarf. Die Stiftung dient der Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung dieser Sprache. Sie ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

„Sie müssen sich doch nur ansehen, wer dieses Geschwafel in unserem Lande eigentlich verzapft. ... Das sind Leute, die glauben, ihre Halbbildung könnten sie dadurch steigern, daß sie sich, weil es als schick gilt, plötzlich nicht mehr in Deutsch ausdrücken.“

Helmut Schäfer (FDP), Staatsminister im Auswärtigen Amt, auf einer Podiumsdiskussion in Hannover, 24.10.1999.