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Sprachpanscher 2014: Joop und von der Leyen füh­ren Kandidatenliste an

Freitag, den 09. Mai 2014 um 10:48 Uhr

Die diesjährige Kandidatenliste für den „Sprachpanscher des Jahres" wird angeführt von dem Ham­burger Modemacher Wolfgang Joop. Wahlberechtigt sind die Mitglieder des Dortmunder Vereins Deutsche Sprache e.V., der diese Negativauszeichnung ver­gibt; sie soll den gewählten Personen oder Institutionen als Mahnung dienen, die deutsche Sprache mit mehr Respekt zu behandeln und insbesondere auf überflüssi­ges Denglisch zu verzichten.

Joop verdankt seine Kandidatur vor allem seiner Jurorentätigkeit bei „Germany’s next Topmo­del“; hier ist er sogar dem Spiegel als penetranter Englisch-Schwätzer aufgefallen: „Traditio­nell demons­trieren Juroren bei GNTM ihre unüberwindliche Zwangsinternationalität gerne mit ihrer Unfähigkeit, einfach ganz normal Deutsch zu sprechen.“ Ebenfalls gute Aussichten auf den ersten Platz hat Bun­des­verteidigungs­ministerin Ursula von der Leyen; auf der 50. Mün­chener Sicherheitskonferenz am 31. Januar 2014 referierte sie trotz der Präsenz von Simul­tandolmetschern auf Englisch und doku­mentierte damit zum wiederholten Mal die Einschät­zung vieler deutscher Politiker, dass die deut­sche Sprache international entbehrlich sei (Bun­despräsident Gauck dagegen hielt seine Eröffnungs­ansprache auf Deutsch).

 

Weitere Kandidaten sind die ProSiebenSat.1 Media AG, vertreten durch den Vorstandsvorsitzen­den Thomas Ebeling, die sich neben GNTM auch mit anderen Produktionen „The Voice Kids“, „red! Stars, Lifestyle & More“, „talk talk talk – Die Late Show“, „The Voice of Germany“, „Red Nose Day: Join the Red Nose Day Team!“ wie kein anderes deutsches Unternehmen dem an­gelsächsischen Kultur­kreis anbiedert, oder der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesverei­nigung, Dr. Andreas Gassen, der die Verantwortung für eine seltsame Kampagne mit dem Titel „Your next Top Check-Up“ trägt. Damit will er Jugendliche für Vorsorgeuntersuchungen gewin­nen. Und zwar mit „mit Gesund­heits-Timer“.

 

Abgerundet wird die aus fünf Kandidaten bestehende Liste vom Hauptgeschäftsführer des Bundes­verbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V., Dr. Christoph Feldmann, der „Arbeitsschrit­te in Workflows“ zusammenführt, um den „Supply Chain Managern auf einen Blick Transparenz über … Lieferantenperformance … zu vermitteln“ und so „Supply-Risiken zu erkennen und die Kolla­boration in der Supply Chain mit allen Partnern nachhaltig zu verbes­sern.“ „Diese Liste erläutert besser als jedes Gründungsdokument, warum der Verein Deut­sche Sprache existiert und nötig ist“, erklärte der Vereinsvorsitzende Prof. Dr. Walter Krämer in Dortmund.

 

Die weltweit über 36.000 Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache wählen den Sprachpan­scher des Jahres zum 17. Mal. Einsendeschluss ist der 28. August. Hier (pdf-Datei, 141 KB) der Wahlzettel. Zu den bisher Gewählten zählen die Bahn­chefs Hartmut Mehdorn und Johannes Ludewig, die Politiker Günther Oettinger und Klaus Wowereit (Be Berlin), Ex-Postchef Klaus Zumwinkel, Telekom-Chef René Obermann und Obermanns Vorvor­gänger Ron Sommer, der den Reigen der Sprachpanscher im Jahr 1998 eröffnet hatte.

 

Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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Sprüche

„Mich hat es gestört, dass es keine ordentlichen deutschen Texte gab. Ich dachte, das muss doch gehen. Dass ich Trommler war, kam mir sehr zugute. Ich hab mir die Sprache zurechtgetrommelt. Ich konnte gut Wörter dehnen wie Kaugummi, sie schleudern, zerbeißen, konnte rhythmisch auch die ersten Rap-Dinger anlegen: 'Käthe Dorsch wohnt in Kiel', das war schon Ende der Siebziger.“

Udo Lindenberg, DB mobil 5/2016