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Schäuble und der Duden im Rennen für den Sprachpanscher 2013

Donnerstag, den 06. Juni 2013 um 11:48 Uhr

Bis zum 30. August wählen die 36.000 Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache e.V. (VDS) wieder den Sprachpanscher des Jahres. Die am Donnerstag publizierte Liste von fünf Kandidaten wird angeführt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Mit seinen unbeholfenen Exkursionen ins Englische mache er seit Jahren den Übersetzern in Brüssel Konkurrenz und falle damit allen Versuchen in den Rücken, Deutsch als echte Arbeitssprache in der EU zu verankern, so der VDS. Außerdem habe Schäuble einmal vorgeschlagen, bei den Sitzungen des Europäischen Rates in Brüssel die Dolmetscher und die deutsche Sprache zugunsten eines allgemeinen Englisch-Gebotes wegzulassen.

Der zweite Favorit für den diesjährigen Titel ist „die große Hure Duden“ (so die Hamburger „Zeit“). „Dieses einstmals respektierte Nachschlagewerk ist zum billigen Handlanger von Modefuzzis und Amitümlern aller Art verkommen und hat durch das gedankenlose Aufnehmen dummer Anglizismen diesen erst den offiziellen Gütestempel aufgedrückt“, erklärte der Vereinsvorsitzende, der Dortmunder Wirtschaftsprofessor Walter Krämer. Wenn heute in stylischen deutschen Texten von downloaden oder upgraden, von Shorttrack, Outback, Jobhopping, Eyecatchern, Moonboots, Sunblockern oder High-Church die Rede ist, beriefen sich die Urheber regelmäßig darauf, dass dies durch den Duden abgesegnet sei.

Weitere Kandidaten sind Andrea Nahles, die Generalsekretärin der SPD, die Spielwarenfirma Playmobil und Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Diese brachte vor einigen Monaten das Fass sprachlicher Fehlleistungen mit ihrer Weihnachtsaktion „Merry Christmas“ zum Überlaufen. Und damit auch alle wissen, was da eigentlich gefeiert wird, hat die Evangelische Kirche Hessen und Nassau allen Gläubigen zum Fest eine aufwendige Girlande mit dem Aufdruck „Merry Birthday“ zugeschickt. Die Firma Playmobil nennt ihr Puppenhaus jetzt „Dollhouse“, die Ritterwelt „Knights and Dragons“ und das Stadtleben „Citylife“. Frau Nahles schließlich hat nach ihrer Reise zum „Obama-Headquarter“ in Chicago die SPD-Wahlkampfhelfer in „Campaigner“ umbenannt und die „Give-Aways“ für den Wahlkampf vorgestellt.

Die Mitglieder des VDS wählen den Sprachpanscher des Jahres zum 16. Mal. Zu den bisher Gewählten zählen die Bahnchefs Hartmut Mehdorn und Johannes Ludewig, die Politiker Günther Oettinger und Klaus Wowereit („Be Berlin“), Ex-Postchef Klaus Zumwinkel, Telekom-Chef René Obermann und Obermanns Vorvorgänger Ron Sommer, der den Reigen der Sprachpanscher im Jahr 1998 eröffnet hatte.

Kandidatenliste (pdf)

 

 

Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

„Mich hat es gestört, dass es keine ordentlichen deutschen Texte gab. Ich dachte, das muss doch gehen. Dass ich Trommler war, kam mir sehr zugute. Ich hab mir die Sprache zurechtgetrommelt. Ich konnte gut Wörter dehnen wie Kaugummi, sie schleudern, zerbeißen, konnte rhythmisch auch die ersten Rap-Dinger anlegen: 'Käthe Dorsch wohnt in Kiel', das war schon Ende der Siebziger.“

Udo Lindenberg, DB mobil 5/2016