Drucken

Lichtblicke 2016

Die angeführten Erfolge sind teilweise, aber nicht immer, auf Initiative von VDS-Mitgliedern zustandegekommen. Sie zeigen aber, wie sich das Bewußtsein zugunsten der deutschen Sprache ändert. Der Erfolgskalender wird von Stephanie Wichert (lichtblicke @ vds-ev.de) geführt.

Sander Consulting in Cuxhaven ruft in seinem Netzauftritt: „Schluss mit DENGLISCH!“
„Wörter wie claimen, canceln oder Implementierung haben NULL Wirkung auf Ihre Zuhörer! Kommen Sie zurück zur einfachen Sprache und entfernen Sie sich nicht weiter von Ihren Kunden! Lesen und beleben Sie unser Denglisch-Lexikon!“ Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass sich immer mehr kleine Unternehmen um die Sprache bemühen.

Juni

  • Auf Initiative des VDS wird seit einigen Jahren in der Region Südfrankreich in den Abschlussklassen der Grundschulen Deutsch unterrichtet. Nun hat der Leitende Regierungsschuldirektor des Akademiebereiches Montpellier (Südfrankreich) die Anweisung gegeben, dass Deutsch auch an den weiterführenden Schulen verpflichtend unterrichtet werden soll. Außerdem lobt er das Engagement, das der VDS für die deutsche Sprache aufbringt.
  • Laut Josef Lange, dem neuen Vorsitzenden des Rates für deutsche Rechtschreibung, soll an den Schulen wieder mehr Wert auf eine gute Sprache gelegt werden. „Wenn Sprache vernachlässigt wird, besteht die Gefahr, dass Schüler etwa Textaufgaben nicht mehr verstehen. Damit ist die Lebenstüchtigkeit in vielen Bereichen eingeschränkt." Er fordert außerdem, dass Rechtschreibfehler nicht nur im Fach Deutsch angestrichen werden.

Mai

  • Während in anderen Ländern eine Quote zur Regelung fremdsprachiger Musik gängig ist, hört man in deutschen Radios noch immer viel weniger deutschsprachige als englische Texte – und das, obwohl seit zwei Jahren mehr Titel in deutscher als in anderen Sprachen verkauft werden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat der Verein Deutsche Sprache eine eigene Netz-Radiostation ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit dem Wittener Unternehmen „Radioprofis" geht das „Deutsche Musik Radio" (DMR) am 5. Mai 2016 auf Sendung. www.deutschesmusikradio.de
  • Der Bundesverband der Verbraucherzentrale klagte gegen den Sofortnachrichtendienst „WhatsApp", da dieser auf seiner deutschsprachigen Internetseite die Allgemeinen Geschäftsbedingungen nur auf Englisch angeboten hatte. Das Kammergericht Berlin entschied nun, dass Unternehmen auf ihren deutschsprachigen Internetseiten die Nutzungsbedingungen für ihre Dienste auch in deutscher Sprache bereitstellen müssen.
  • Nach dem schlechten Abschneiden der deutschen Teilnehmerin beim „Eurovision Song Contest" (ESC) setzt sich die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) mit Sitz in Wiesbaden dafür ein, dass beim nächsten Mal ein deutschsprachiges Lied gesungen wird. Seit Jahren spiegele der ESC immer weniger die kulturelle und sprachliche Vielfalt Europas wider, so Andrea Ewels, Geschäftsführerin der GfdS.
  • Im kroatischen Zagreb (in Deutschland vereinzelt auch „Agram" genannt) gab es früher viele deutsche Lehnwörter, z. B. Šuster (Schuster), Šlafrok (Schlafrock), Špajza (Speise), Jegerwuršt (Jägerwurst), Šajba (Scheibe). Damit diese Wörter nicht in Vergessenheit geraten, wurde nun ein Wörterbuch veröffentlicht: „Agramer - das Wörterbuch mit 3.000 deutschen Lehnwörter in der Stadtsprache von Zagreb".
  • Der Fernsehsender RTL II stellt seinen neuen Werbespruch vor: Aus dem englischen „it's fun" wird „Zeig mir mehr!"

 

April

  • Das niederländische Königshaus hat nun – neben Niederländisch, Englisch und Französisch – auch eine Internetseite auf Deutsch, auf der es Informationen über die Geschichte der niederländischen Monarchie, einen offiziellen Terminkalender und Fotos der königlichen Familie gibt. Anlass war der Besuch von König Willem-Alexander und seiner Frau in Bayern.
  • Götz Alsmann und seine Musikgruppe wenden sich auf ihrer Tournee an ihr Publikum mit den Worten: „Weil wir möchten, dass Sie unsere Musik verstehen, singen wir die Lieder auf Deutsch."
  • Über 600.000 Schulkinder lernen derzeit im Ausland die deutsche Sprache. Die Initiative PASCH („Schulen: Partner der Zukunft"), die vom Auswärtigen Amt in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, dem Goethe- Institut, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz ins Leben gerufen wurde, trägt maßgeblich zu dieser hohen Zahl von Deutsch-Lernern bei. Beim Start von PASCH im Jahre 2008 waren es 400 Schulen, die an dem Programm teilgenommen haben, heute sind es ca. 1.800 Schulen in 120 Ländern, an denen Deutsch einen besonders hohen Stellenwert hat und die durch die Initiative miteinander vernetzt werden.
  • Im Eingang des Kölner Schwimmbads „Agrippabad" hing ein Schild mit der englischen Aufschrift „I swim safely, because also mom and dad are looking after me." Nachdem sich ein VDS-Mitglied darüber beschwert hatte, hängt dort nun ein Schild mit der Aufschrift „Ich schwimme sicher, denn auch Papa und Mama passen auf mich auf."

 

März

  • Karla Šlechtová, Ministerin für regionale Entwicklung der Tschechischen Republik, besucht das „Centrum Bavaria Bohemia" (CeBB) in Schönsee. Sie sagte: „Ich setze mich dafür ein, dass die deutsche Sprache in Tschechien ihre Position als Schlüsselsprache zurückgewinnt und dass Tschechen das so naheliegende Deutschland und Bayern wieder stärker entdecken."
  • Deutsch ist in Israel sehr beliebt. Nicht nur die Zahl der Deutschlerner steigt stetig, es gibt auch viele deutschsprachige Medien: Mehr als zehn Publikationen auf Deutsch – darunter eine Monatszeitung, neun Zeitschriften, Mitteilungsblätter bzw. Jahrbücher und zusätzlich mehrere Internetseiten und eine Fernsehsendung.
  • Bei einem Staatsbankett in Brüssel, an dem auch Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin teilnahm, machte sich der belgische König Philippe für die deutsche Sprache stark: „Die deutsche Sprache eröffnet uns die wunderbare Welt der größten Dichter und Denker. Ich ermutige alle meine Landsleute, in diese Welt einzutauchen", so der König.
  • Auf die Kritik eines VDS-Mitglieds antwortet ein WDR 5-Redakteur, dass auch er die zu häufige Verwendung von Anglizismen kritisch sehe und unnötige englische Wörter vermeide bzw. durch deutsche Entsprechungen ersetze.

 

Februar

  • Viele US-Amerikaner haben deutsche Vorfahren und ein beachtlicher Teil spricht oder versteht die deutsche Sprache. Deswegen gibt die „Gesellschaft für zeitgenössische amerikanische Literatur in deutscher Sprache" zweimal im Jahr die Zeitschrift „TRANS-LIT2" heraus, in der deutschsprachige Werke von Autoren aus den USA und auch von deutschsprachigen Literatenaus anderen Nationen abgedruckt werden.
  • Der „Beirat Niederdeutsch" möchte das Plattdeutsche im Land Bremen retten und hat bereits einen ersten Schritt unternommen: in Bremen und Bremerhaven wird nun an insgesamt fünf Grundschulen Plattdeutsch unterrichtet. Auch Hamburg versucht, das Plattdeutsche in den Alltag zu bringen: In der Asklepios Klinik tragen viele Mitarbeiter einen Anstecker mit dem Hinweis „Wi snackt ok Platt" und reagieren damit auf die Tatsache, dass mehr als 50 Prozent der älteren Patienten Plattdeutsch verstehen. Platt wird in acht Bundesländern gesprochen: Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.
  • Ein VDS-Mitglied berichtet, dass Karstadt in Dresden nach etlichen Protestbriefen und Protestaktionen gegen „sale" wieder mit dem guten alten „Schlussverkauf" in den Schaufenstern wirbt.
  • „Deutsch als Fremdsprache" ist gefragter denn je: Deutsche Verlage melden Rekordzahlen in diesem Bereich. So sind beispielsweise im letzten Jahr die Umsätze beim Marktführer (Hueber-Verlag) um 30 Prozent gestiegen. Grund für die Entwicklung sind die vielen Menschen, u. a. die Geflüchteten, die derzeit Deutsch lernen wollen. Besonders gefragt sind deutsch-arabische Wörterbücher.

 

Januar

  • In Israel lernen immer mehr Menschen Deutsch: die Deutschkurse des Goethe-Instituts in Jerusalem und Tel Aviv sind seit Jahren ausgebucht, zusätzlich gibt es viele Schulen, die Deutschunterricht anbieten. Das israelische Kultusministerium plant, Deutsch demnächst als ordentliches Lehrfach anzubieten. Laut dem Institut für deutsche Sprache gibt es im Israelischen mehr als 1.400 deutsche Lehnwörter, darunter Shpachtel, Dibel, Bienenshtish, Kremshnit oder Weltshmerts.
  • Ab dem 18. Januar geht der Sender „RTL International" an den Start und richtet sich an im Ausland lebende Deutsche, deutsche Urlauber im Ausland und Menschen, die die deutsche Sprache lernen wollen. Der international empfangbare Bezahlsender soll zunächst in Kanada, im südlichen Afrika, in Australien, Israel und Georgien ausgestrahlt werden. RTL übernimmt damit ursprüngliche Aufgaben der Deutschen Welle, die ihr Angebot für das deutschsprachige Publikum im Ausland eingeschränkt hat.
  • In Dänemark liegen deutsche Wörter im Trend. Viele Bars, Cafés, Clubs oder Musikgruppen tragen deutsche Namen, zum Beispiel „Heidis Bierbar", „das lustige Fahrrad", „gefährlich" oder „Zwei Große". Lene Vinther Jensen, Germanistin an der Uni Kopenhagen, erklärt, dass Englisch in Dänemark mittlerweile zu gewöhnlich geworden sei. Wer heute auffallen wolle, suche sich einen deutschen Namen aus.