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VDS-Infobrief 19. Woche

Presseschau vom 8. bis 14. Mai 2013

Jacob-Grimm-Preis 2013

Die Preisträger des Kulturpreises Deutsche Sprache für das Jahr 2013 stehen fest: Den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache erhält der Schauspieler, Schriftsteller und Musiker Ulrich Tukur. Der mit 5.000 Euro dotierte Initiativpreis Deutsche Sprache geht an den Förderverein Buchdorf Mühlbeck-Friedersdorf e.V. und der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache an das Europäische Übersetzer-Kollegium Nordrhein-Westfalen in Straelen. Der dreiteilige Preis wird seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden) und vom Verein Deutsche Sprache e. V. (Dortmund) für besondere Verdienste um die deutsche Sprache vergeben. Die Preisverleihung findet am 19. Oktober in Kassel statt. (www.focus.de, www.mz-web.de)

 

Hinweisschild am Aachener Europaplatz bleibt französisch

Das Aachener Verwaltungsgericht hat entschieden, dass das Autobahnhinweisschild am Aachener Europaplatz weiterhin ausschließlich die französische Bezeichnung für Lüttich, also Liége, trägt. Ein Professor aus Aachen hatte zuvor geklagt, dass die Ortsbenennung auf dem Hinweisschild auch in deutscher Sprache ausgewiesen sein sollte. (Siehe auch Infobrief Nr. 151).

Mehr dazu gibt es hier: www.aachener-zeitung.de

 

Ursprung des Englischen liegt in Skandinavien

Laut norwegischen Linguisten Jan Terje Faarlund von der Norwegischen Akademie der Wissenschaften und seines tschechischen Kollegen Joseph Emmonds von der Universität Oslo, stamme das Englische nicht von der germanischen Sprache ab, sondern von der Sprache der Wikinger. Somit habe Englisch einen skandinavischen Ursprung.

Bisher wird angenommen, dass das Englische von den Angeln und den Sachsen zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert eingeführt wurde und aus dem Nordseegermanischen hervorgegangen ist.

Dass der Einfluss auf die englische Sprache durch die Wikingerraubzüge vom 8. bis ins 11. Jahrhundert, im Zuge derer die britischen Inseln und Irland weitestgehend von den Wikingern besiedelt wurden, von den mittelalterlichen Geschichtsschreibern, den Mönchen, im Rahmen klerikaler Propaganda nahezu ausgemerzt wurde, belegte bereits der Historiker Norman Davies im Jahr 1999 mit seiner Historiografie The Isles. So habe sich auch die Sprachtheorie durchgesetzt, dass sich das moderne Englisch aus dem Altenenglischen (Angelsächsich), beeinflusst durch das Fränzösische über Mittel- und Frühneuenglisch entwickelt hätte. Dass es sich dabei um eine Fehleinschätzung handele, versuchen Faarlund und Emmonds zu beweisen. Demzufolge sei das Altenglische ausgestorben, wie das Gotendeutsch auch. Angelsächsische Vokabeln seien zwar im Englischen noch vorhanden, die Sprache sei aber die der alten Wikinger.

Belege fänden sich laut Faarlund und Emmonds in der Syntax. Während nämlich das Altenglische (z.B. bekannt aus dem Epos Beowulf) noch die „deutsche“ Syntax aufweise, sei diese im Mittelenglischen kaum zu finden. (www.academics.de)

 

Wissenschaftler suchen gemeinsamen Ursprung aller Sprachen

Wissenschaftler von der University of Reading sind einer eurasischen Ursprache auf der Spur. So vermuten der Linguist Mark Pagel und seine Kollegen, dass es vor ca. 15.000 Jahren eine Sprache gegeben habe, aus der sich unsere heutigen Sprachen entwickelten. Um zu ermitteln, ob bestimmte Wörter auf eine gemeinsame Ursprache zurückgeführt werden können, wählten die Forscher 200 besonders häufig vorkommende Vokabeln aus sieben großen Sprachfamilien, wie etwa aus der Indogermanischen (z.B. Deutsch), der Altaischen (Türkisch, Mongolisch) und der Uralischen (z.B. Finnisch und Ungarisch) und verglichen diese, und ihre Entsprechungen in den jeweils anderen Sprachfamilien, mit Wörtern aus einer speziellen Datenbank. Dabei handele es sich um die Datenbank eines Projekts mit dem Namen Tower of Babel, die rekonstruierte Wörter der vermeintlichen Ursprungssprache enthalte. Dabei würde eine ähnliche Schreibweise oder ein ähnlicher Klang kaum eine Verwandtschaft belegen, sondern vielmehr eine statistische Berechnung, nach der Wissenschaftler abschätzen können, wie sich die Wörter im Laufe der Jahrtausende verändert haben. Aus der Berechnung könne abgeleitet werden, inwieweit die untersuchten Wörter miteinander verwandt sind. Des Weiteren könne ermittelt werden, über welchen Zeitraum Wörter sich in einer Sprache nicht verändern und wie alt heute gebrauchte Wörter sind. Denn je häufiger einzelne Worte im Alltag gebraucht würden, desto weniger veränderten sie sich und desto näher seien sie der Ursprungssprache.

In 23 Fällen, darunter Vokabeln wie Wurm, Asche, Hand und Feuer, konnten Pagel und seine Kollegen so belegen, dass diese Wörter in mindestens vier Sprachfamilien einen gemeinsamen Ursprung aufweisen. Das Wort „Ich“ habe sogar in sechs der sieben untersuchten Sprachfamilien eine gemeinsame Abstammung, wie aus einem Artikel der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ hervorgeht. (www.spiegel.de)

 

Deutsche Sprache im europäischen Ausland

Im Rahmen eines Projekts der Lehrerbildungs-Einrichtung „Eule“ und der Deutschen Auslandsgesellschaft für die Ostseeanrainerstaaten konnten sich acht angehende Deutschlehrerinnen aus Polen und Finnland innerhalb von zehn Wochen mit der deutschen Kultur vertraut machen und ihre Sprachkenntnisse vertiefen. Das Projekt beinhaltete ein Schulpraktikum an fünf Grundschulen und einer Privatschule in der schleswig-holsteinischen Stadt Flensburg und fand in diesem Jahr zum fünften Mal statt. Gefördert wird das Projekt durch das Land und das Auswärtige Amt, mit dem Ziel, die deutsche Sprache in den europäischen Ländern zu fördern. Die anfänglichen Sprachkenntnisse der polnischen und finnischen Studentinnen seien durch das Praktikum auf ein „neues Niveau“ gebracht worden, so der akademische Direktor der Universität Flensburg. (www.shz.de)

 

 

Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache an der Universität Hildesheim

Die Universität Hildesheim bietet künftig den Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ an. Mit diesem neuen Studiengang sollen Migration und Mehrsprachigkeit gefördert werden.
Studenten mit dem Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache werden z.B. auf Sprachförderung in Schulen, in der Bildungsplanung oder auf Erwachsenenunterricht vorbereitet, während die Studenten mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache schulische, universitäre und betriebliche Tätigkeiten im Ausland verrichten können.

Bewerbungsfristen und mehr dazu gibt es hier: www.uni-hildesheim.de

 

 

Englische Werbesprache

Der schwedische Sprachberater Lars Wittensten kritisiert in dem Artikel „Anglomani all over the place“ (Englischwahn weltweit) in der Internet-Zeitung UNT.SE den Einfluss des Englischen auf verschiedene Sprachen. So werde z.B. in taiwanesischen Immobilienanzeigen Englisch mit Chinesisch gemischt, um prestigeträchtig zu wirken und die Aufmerksamkeit zu erzeugen. Weiter schreibt Wittensten über die Anthologie „Såld på engelska?“ („Verkauft auf Englisch?“) und den darin enthaltenen Beitrag „Kampen om Tysklands reklamspråk“ (Der Kampf um Deutschlands Werbesprache) von VDS-Vorstandsmitglied und Leiter des Instituts für Betriebslinguistik, Reiner Pogarell, über den Einfluss des Englischen auf die Werbesprache in Deutschland. (www.unt.se )

 


Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

„Ich glaube, die Deutschen sind nicht stolz genug auf ihre Sprache. An Heideggers Aus­spruch, nur Deutsch und Griechisch seien fürs Philosophieren geeignet, ist vielleicht doch ir­gendwas dran. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es ein Zufall ist, dass es in der Vergangenheit so viele deutsche Denker und Komponisten gab. Oder in der Gegenwart, dass die Deutschen so einzigartig gute Maschinen und Motoren bauen. Die Komplexität ihrer Sprache bereitet sie genau darauf vor."

Yngve Slyngstad, Chef des Norwegischen Staatsfonds in: Frankfurter Allgemeine Sonntags­zeitung, 7. Februar 2016, S. 40.