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VDS-Infobrief 46. Woche

Presseschau vom 14. bis 20. November 2012

 

Bundesweiter Vorlesetag

Zum neunten Mal gab es auf Initiative der ZEIT, der Stiftung Lesen und der Deutschen Bahn den bundesweiten Vorlesetag. Rund 48.000 Teilnehmer haben am Freitag (16. November) „freiwillig, unentgeltlich und mit viel Leidenschaft“ vorgelesen und damit einen Rekord aufgestellt. Der Vorlesetag soll Lesekompetenz fördern und Bildungschancen verbessern. Unter den Vorlesern waren VDS-Aktive wie Vorstandsmitglied Birgit Schönberger aus Landshut und Buchautor Reinhard Ulmar aus Hann. Münden. Auch Prominente wie Uschi Glas, Jörg Pilawa, Barbara Schöneberger, Tom Buhrow, und Jette Joop, sowie der Kinderbuchautor Paul Maar, Vater der bekannten Märchenfigur „Das Sams“, waren dabei. Maar erklärte: „Kinder brauchen Geschichten so nötig wie Vitamine und Mineralstoffe. In einer Zeit, in der Kinder täglich von einer Flut optischer und akustischer Reize überspült werden, kann eine Geschichte zur kleinen Rettungsinsel im Informationsmeer werden.“ (www.vorlesetag.de, www.dw.de, www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de)

 

Aktion gegen Analphabetismus

Die „Deutsch-Türkischen Nachrichten“ berichteten, dass 7,5 Millionen Deutsche (14 Prozent aller Deutschen) im erwerbsfähigen Alter selbst einfache Texte nicht lesen können. Deshalb haben Bund und Länder am 18. Oktober eine gemeinsame Initiative zur Verbesserung der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung vereinbart. Die Aktion „Bildung durch Sprache und Schrift (BISS)“ wird in den nächsten fünf Jahren die sprachliche Bildung von Kindern sowie die in den Ländern eingeführten zahlreichen Angebote zur Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung prüfen und weiterentwickeln. Zudem sorgt das Programm für Fort- und Weiterqualifizierung der Erzieher und Lehrer in diesem Bereich. (siehe Infobrief 43. Woche/2012)

Damit in der Türkei mehr Menschen zum Buch greifen, gibt es ungewöhnliche Aktionen: Ein türkisches Café etwa serviert Freigetränke, wenn die Gäste in einem Buch lesen. (www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de)

 

Vitales Esperanto

Die „Abendzeitung München“ erklärte, „die Plansprache Esperanto lebt“. Die Gesellschaft für Interlinguistik schätzt, dass 125 Jahre nach der Erfindung von Esperanto weltweit zwischen 500.000 und mehrere Millionen Menschen diese Sprache sprechen. Der Warschauer Arzt und Philologe Ludwig Lazarus Zamenhof entwickelte Esperanto (zunächst „internationale Sprache“) unter dem Pseudonym Doktoro Esperanto (deutsch: Doktor Hoffender) und wollte damit eine neue, leicht zu erlernende Sprache als neutrales Instrument für die zerstrittene Menschheit schaffen. Das deutschsprachige Lehrwerk mit dem Titel „Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch“ erschien am 24. November 1887 und enthält auf 40 Seiten die 16 Regeln der sogenannten Welthilfssprache. Diese sind immer noch Grundlage, z.B.: Alle Substantive enden auf „o“, es gibt keine Artikel und Unregelmäßigkeiten. Der Münchner Esperanto-Klub erklärte, dass nach einem Tag Intensivkurs einfache Gespräche auf Esperanto möglich seien. (www.abendzeitung-muenchen.de)

 

Auswandererwort: Energiewende

Die „Zeit“ berichtete, dass das Wort „Energiewende“ in den USA eine „erstaunliche Karriere“ erlebe und in diesen Tagen Einzug in die englische Sprache halte wie einst „Angst“ oder „Sauerkraut“. Seinen ersten Auftritt im englischen Sprachraum hatte „Energiewende“ im Bostoner „Christian Science Monitor“ am 26.4.2011, nun benutzen es selbst die „New York Times“ und der „Economist“. Mögliche englische Entsprechungen seien u.a. „energy transition“ (Energieübergang), „energy revolution“ (Energierevolution), „energy transformation“ (Energiewandel), „energy turnaround“ (Energiekehrtwende) oder „clean energy switch“ (Umstellung auf saubere Energie). Der Wortteil „Wende“ sei aufgrund der Vielfalt im Englischen schwierig zu übersetzen; zudem bezeichnet „Wende“ im Deutschen seit den 1990er Jahren den Prozess gesellschaftspolitischen Wandels der zum Ende der SED-Herrschaft und später zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Der Begriff „Energiewende“ tauchte in Deutschland bereits 1980 in einem Bericht des Freiburger Öko-Instituts auf, in dem Band: „Energie-Wende. Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran“. Der Inhalt basiert auf theoretische Überlegungen von Amory Lovins zu einem Weg hin zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energiequellen. Lovins prägte den Ausdruck „Soft Energy Path“ (Sanfte-Energie-Weg), welcher der „Energiewende“ entspricht. (In: Die Zeit. Ausgabe 47, 15. November 2012, S.18.)

 

Deutsche Literatur in Großbritannien

Die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtete, dass in Großbritannien das Interesse an zeitgenössischer Belletristik aus Deutschland gestiegen sei. Bisher begnügten sich die Briten mit Büchern in der eigenen Sprache. Deutsche Literatur, die „lange als bleischwer und ermüdend“ galt, sei lesbarer geworden und die Qualität der Übersetzungen sei gestiegen. Lektorin Stefanie Bierwerth aus dem Verlagshaus Penguin sieht als Türöffner für fremdsprachige Literatur in Großbritannien die Erfolgswelle skandinavischer Krimiautoren, die auch nach England übergeschwappt sei. (www.nzz.ch)

 

Notruf auf Türkisch

In Frankfurt gibt es künftig 50 Notrufanschlüsse speziell für türkischsprechende Personen. Dazu stellte Frédéric Lauscher, Geschäftsführer vom Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe, am Freitag ein Projekt vor, das bereits drei Monate getestet wurde. Somit sollen die in Deutschland lebenden Bürger mit türkischen Wurzeln die Möglichkeit bekommen, sich über einen speziellen Notruf Hilfe zu holen. Zunächst hat der Verband das Hilfsangebot für die größte Gruppe von Migranten, den Türken, bereitgestellt. Auch an anderen Orten in Deutschland ist das Interesse an einem türkischsprachigen Hausnotruf groß. (www.shortnews.de)

 

Fernsehpreis „International Emmy“ und Sprachen

Am Montag ist die deutsche Fernsehproduktion „Musik als Waffe“ von ZDF und Arte mit dem New Yorker Fernsehpreis „International Emmy“ ausgezeichnet worden. Der Film zeigt, wie Musik im Krieg eingesetzt werden kann. Bisher wurden meist britische Produktionen geehrt. Kritiker führten das auf die amerikanisch besetzte Jury zurück, denn eine Produktion in der eigenen Sprache wirke viel mehr als ein Beitrag auf Portugiesisch, Japanisch oder Deutsch mit Untertiteln. (www.stern.de, www.sueddeutsche.de)

 

IT: Deutsch oder Englisch?

Auf der Seite des Heise-Zeitschriften-Verlags erklärt ein Programmierer, dass es ihm zu weit gehe, wenn alle Programmentwickler nur noch Englisch reden und schreiben. Zwar sei Englisch in der Informationstechnik weit verbreitet und für die internationale Verständigung wichtig. Doch um ein Programm, etwa für eine Bank in Deutschland, zu schreiben, gebe es keinen Grund, vom Deutschen ins Englische zu wechseln. „In diesem Fall muss man nämlich keinen einzigen Gedanken daran verschwenden, Fachbegriffe zu übersetzen, Sätze in einer Fremdsprache zu formulieren und korrekte Idiome zu finden.“ Auch Schlüsselwörter in einer Programmiersprache seien u.a. auf Deutsch denkbar. (www.heise.de)

 

Tagung: Präpositionen

Das Sprachwissenschaftliche Institut der Ruhr-Universität Bochum veranstaltet vom 23. bis 25. November eine internationale Tagung zur unterschiedlichen Bedeutung von Präpositionen. Wörterbücher erklären Verhältniswörter wie „in, an, um, unter, über, ohne, mit“ häufig undeutlich oder mehrdeutig, weshalb die Angaben für eine maschinelle Übersetzung oder GPS (Abk. für „global positioning system“: satellitengestütztes Navigationssystem) unbrauchbar sind. Programm und weitere Informationen hier. (idw-online.de)

 

Buch: Denglisch in Pool Position

Der Brite Robert Tonks hat nach seinem humorvollen Erstlingsbuch zum Thema „Denglisch“ „It is not all English what shines“ (Es ist nicht alles Englisch, was glänzt), das er u.a. den VDS-Mitgliedern in Dortmund präsentierte (siehe hier), den Nachfolger mit dem Titel „Denglisch in Pool Position“ veröffentlicht. Auch darin beleuchtet er die unfreiwillige Komik von Denglisch, z.B.: Ein Plakat für ein Jazz-Konzert kündigt einen Frank mit dem Zusatz „git“ an. Gemeint ist die Gitarre, aber „git“ versteht der Brite als „Idiot“. Neben Denglisch präsentiert Tonks englisches Sprachgemisch in Frankreich und Belgien („Franglais“), in Österreich („Önglisch“) und China („Chinglisch“). Der Titel des Buches stammt aus der Werbebranche. Der Ausspruch einer deutschen Bekannten: „Gegenüber der Konkurrenz sind wir in Pool Position.“ meinte aber nicht, gemütlich im Pool zu liegen, sondern die „Pole Position“ zu haben, also wie im Motorsport eine optimale Position. Autor und VDS-Mitglied Bastian Sick lobte Tonks: „Sein Buch finde nicht nur Anklang in den Kreisen des Vereins Deutsche Sprache.“ (www.derwesten.de)

 

 


 

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Dies ist der VDS-Infobrief. Er enthält die Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache der vergangenen Woche. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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„Ist es Imperialismus, wenn Sowjet-Panzer bis an die deutsche Grenze stehen? Nein, Imperialismus ist, wenn die eigene Kultur flöten geht. Jedes zweite Stück auf deutschen Spielplänen hat einen englischen Titel. Wir machen uns zu Sklaven, wir finden es schick, wenn die Internetsprache deutsche Bühnen bestimmt. Wenn wir so weitermachen, wird das Deutsche 'ne Zwergensprache. Wir sind Deutsche durch Sprache, nicht durch Krupp oder die Bild-Zeitung."

Claus Peymann: Das Theater verliert sein Geheimnis (derwesten.de, 15.6.2016)