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VDS-Infobrief 24. Woche

Presseschau vom 13. bis 19. Juni 2012

 

VDS würdigt Minderheitensprachen und die deutsche Schrift

Die Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache e.V. haben auf der Delegiertenversammlung (15. bis 16. Juni) in Lübeck die Führungsspitze des Vereins bestätigt. Mit großer Mehrheit wählten die rund 200 Delegierten den Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler und Vereinsgründer Walter Krämer zum Vorsitzenden und den Göttinger Romanisten Gerd Schrammen zum stellvertretenden Vorsitzenden. Neu in den Vorstand gewählt wurden der Germanist und Sprachtrainer Reiner Pogarell, der Werbefachmann Marc-Alexander Glunde und der Schriftsteller und Jurist Kurt Gawlitta. Schwerpunkte der Tagung waren Dänisch, Friesisch und Deutsch als Minderheitensprachen in Schleswig-Holstein und Dänemark sowie die Förderung der deutschen Druck- und Schreibschriften. Fotos von der Veranstaltung hier. (vds-ev.de) Die „Lübecker Nachrichten“ meldeten im Vorfeld der Versammlung, der VDS wolle „Hot Dog“ in „Brötchenwurst“ umbenennen. Das stimmt nicht – der Angliszismen-Index stuft „Hot Dog“ als ergänzend und somit sinnvolle Bereicherung ein. (www.ln-online.de, VDS Anglizismen-Index)

Geschäftsführer Holger Klatte veranschaulichte dem Fernsehsender RTL, dass das Englische Sprache der Öffentlichkeit geworden ist und nennt sinnvolle Eindeutschungen. Den Beitrag gibt es hier: www.rtlregional.de

 

Die Zukunft der Sprachen

Die „Berliner Zeitung“ sprach mit Wolfgang Klein, Direktor am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nimwegen und Arbeitsgruppenleiter zur Erstellung eines digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Klein prognostizierte, dass sich bis zum Jahr 2030 Englisch und Spanisch weiter ausbreiten werden. Zudem gewönnen Mandarin-Chinesisch (die Hochsprache Chinas) und das Arabische enorm an Bedeutung, das Wachsen der Bevölkerung Südasien führe zu einer größeren Sprecherzahl von Hindi und Urdu. Einen Bedeutungsverlust sagte der Germanist dem Russischen, Französischen und Deutschen voraus. Als Ursache für den Schwund der deutschen Sprache nennt Klein die fehlende offensive Sprachpolitik mit einem breiten Angebot an Deutschkursen und Kulturveranstaltungen im Ausland. Die mangelnde Weltgeltung deutscher Kultur ließe sich jetzt ändern, da die Nachfrage nach Deutschkursen in Osteuropa und in den Mittelmeerländern groß sei. Pro Woche stürben etwa zwei Sprachen, bis zum Jahr 2030 werden von den aktuellen 6.000 bis 7.000 Sprachen zwei Drittel überleben. Klein erwarte innerhalb Deutschlands keine nennenswerten Veränderungen der deutschen Sprache, er rechne aber mit einem weiteren Rückgang der Dialekte. (www.berliner-zeitung.de)

 

CDU/CSU und FDP: mehr EU-Dokumente auf Deutsch

Die Fraktionen von CDU/CSU und FDP im Deutschen Bundestag forderten, künftig mehr EU-Dokumente ins Deutsche übersetzen zu lassen. In dieser Legislaturperiode sei es bereits mehr als 50 Mal vorgekommen, dass sich die Ausschüsse des Parlaments wegen einer fehlenden oder unvollständigen Übersetzung nicht mit einer Sache hätten befassen können. In einem Entschließungsantrag wurde die Bundesregierung aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass die EU ihrer Übersetzungspflicht nachkommt und dass für Übersetzungen künftig mehr Geld bereitgestellt wird. Dieser Antrag wurde am 13. Juni vom Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union (Europaausschuss) diskutiert und angenommen. Die Seite „Uepo.de – Das Nachrichtenportal für Übersetzer“ berichtet über diesen Fall und darüber, dass mehrere deutsche Zeitungen diese Meldung verzerrten bis hin zu einer „glatten Falschmeldung“ der „Zeit“, dahingehend, dass nicht Quantität sondern Qualität der Übersetzungen mangelhaft gewesen seien. Zum Antrag an die Bundesregierung geht es hier: bundestag.de (uepo.de)

 

Umfrage: störende Anglizismen im Alltag

Eine repräsentative Umfrage des Instituts „infratest“ im Auftrag der Fernsehzeitschrift „Auf einen Blick“ ergab, dass 49 Prozent der Befragten englische Wörter in der deutschen Alltagssprache stören. 50 Prozent antworteten mit „Nein“, 1 Prozent wusste es nicht. Befragt hatte das Institut 1.000 Frauen und Männer ab 18 Jahren. Kritisch sahen die Verwendung des Englischen in der deutschen Sprache mit 61 Prozent fast jeder Dritte über 60-jährige, bei den 18 bis 29-jährigen waren es 23 Prozent. Im Osten kritisierte die Mehrheit von 54 Prozent „Denglisch“, die Vermischung von Deutsch und Englisch, im Westen waren es 48 Prozent. Prominente wie „Tagesschau“-Sprecher Marc Bator, sein früherer Kollege Jo Brauner und Moderatorin Inka Bause kritisierten in „Auf einen Blick“ den zunehmenden Einfluss des Englischen. So erklärte Brauner: „Nichts gegen englische Wörter, wo sie angebracht sind, etwa im Computerbereich, aber in den meisten Fällen wäre Deutsch ebenso treffsicher.“ Bause sagte: „Ich finde es traurig, wenn z. B. Werbung komplett in Englisch ist. Das ist am Kunden vorbei, aber der hat ja die Wahl zu entscheiden, wo er einkauft...“ und Bator erklärte, dass er in seinen Magazinsendungen alles versuche, um Englisch zu vermeiden. (www.presseportal.de, nachrichten.yahoo.com)

 

Symposium „Sprache und Kommunikation“

Am Samstag (16. Juni) veranstaltete die Universität Leipzig das erste Leipziger Frühjahrssymposium „Sprache und Kommunikation“. Auf der Tagung diskutierten Forscher aus Deutschland, England und der Schweiz über sprachliche Prozesse bei der Kommunikation und Hilfe bei Störungen. In der Sprachförderung und -therapie lägen in Deutschland nur vereinzelt Konzepte und Forschungsergebnisse vor. Diesem Thema widmet sich das nächste Symposium, das für 2013 unter dem Titel „Sprachförderung: Konzepte – Bedingungen – Wirkungen“ geplant ist. (www.symposium-sprache-kommunikation.de, idw-online.de)

 

Versicherung verbessert Verständlichkeit

Die Deutsche Rentenversicherung hat für eine bessere Verständlichkeit ihre sogenannte „Rentenanpassungsmitteilung“ sprachlich überarbeitet und neu gegliedert. Dafür haben Mitarbeiter der Rentenversicherung mit Sprachexperten des Deutschen Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung Speyer zusammengearbeitet. Sie achteten darauf, die Texte freundlicher und lesbarer zu formulieren und übersichtlicher zu gestalten und trotzdem juristisch korrekt zu bleiben. Mehr als 20 Millionen Rentner erhalten in der kommenden Woche die neuen Bescheide über die Rentenhöhe ab dem 1. Juli 2012, die auch Hinweise zur Berechnung der Rentenhöhe sowie Fragen und Antworten zur Rentenanpassung enthalten. (www.deutsche-rentenversicherung-bw.de, www.cash-online.de)

 Verständlichkeit hat auch die „Klartext-Initiative“ der Universität Hohenheim zum Ziel. Sie meldete im Juni ihren 100. Mitarbeiter der Initiative für mehr Verständlichkeit. Mit einem speziellen Programm untersuchen Forscher die Klarheit von Texten und überarbeiten Fachchinesisch, Bürokratendeutsch oder verschachtelte Bandwurmsätze der Universität. (www.uni-hohenheim.de, idw-online.de)

VDS-Vorstandsmitglied Reiner Pogarell überprüft im „Institut für Betriebslinguistik“ ebenfalls Texte von Behörden und Firmen auf Verständlichkeit und formuliert sie um in verständliches Deutsch. (www.betriebslinguistik.de)

 

CSU will mit Englisch moderner werden

Am Aschermittwoch hat Parteichef Horst Seehofer noch befürwortet, dass die CSU in Berlin bairisch spricht. Nun wechselt die CSU ins Englische und wirbt auf Plakaten mit „Powered by CSU“ und lädt zum „Talk in the City“ mit anschließendem „Get Together“. Generalsekretär Alexander Dobrindt erklärte, die CSU sei die modernste Partei und er wolle sie zur „erlebbarsten, offensten und direktesten Partei“ machen. Um modern zu wirken lud Seehofer zu einer „Facebook-Party“ ein, ein neues Konzept sieht nun „Seehofer direct“ in sogenannten „Townhall Meetings“ vor. Dobrindt erklärte zum neuen Sprachgebrauch: „Wir verwenden Begriffe aus dem Leben“. (www.tz-online.de, www.welt.de)

 

Dialekt-Spiel/-Test

Das Mannheimer „Institut für deutsche Sprache“ hat ein Multimedia-Spiel bzw. einen Test namens „Hör mal, wo der spricht“ ins Internet gestellt, in dem Hörer Dialekte erraten können. In sieben Spielrunden sollen Teilnehmer Audiodateien einem richtigen Ort auf der Landkarte zuweisen. Als Sprachprobe bekommen die Spieler jeweils mehrere Sekunden lange Gesprächs-Mitschnitte von Gymnasiasten zu hören, die sich über Alltägliches unterhalten. Vor dem Start sollen Teilnehmer Alter, Geschlecht und Beruf angeben. Damit möchte das Institut zusätzlich herausfinden, welche Sprecher von welchen Hörern besonders gut erkannt werden. Zum Spiel/Test geht es hier. (www.welt.de)


Spielerische Sprachbilder

Jürgen Ehrenmüller, Grazer Germanist, hat im Rahmen des Großprojektes „Deutsche WortSchätze“ am Institut für Germanistik der Karl-Franzens-Universität Graz in seiner Diplomarbeit „Spielerische WortSchätze“ 279 Sprachbilder aus der Welt des Spiels gesammelt. Ehrenmüller analysiert, inwiefern sich die Spielleidenschaft des Menschen in der deutschen Alltagssprache niederschlägt. Einbezogen hat er Redewendungen wie „Ass im Ärmel“, „Bauernopfer“, „Dominoeffekt“ und „Kinderspiel“ und sie mit kurzen Beschreibungen in die Projektdatenbank eingetragen. Dazu hat er Lexika, Fachwörterbücher und Zeitungsartikel auf bildhafte Ausdrücke hin untersucht. „Der Mensch greift immer wieder auf Metaphern zurück, um seine Welt zu strukturieren und zu verarbeiten. Das Spiel bietet sich für eine Analyse sehr an, weil es eine demokratische Grunderfahrung und jedem zugänglich ist“, erklärt er. „Mit dem Gebrauch von Spielmetaphern lassen sich Sachverhalte verharmlosen. ‚Casino-Mentalität‘ klingt ganz nett, sie kann aber Finanzkrisen auslösen“, so Ehrenmüller. Das würden sich Politiker immer wieder gerne zu Nutze machen. So habe der ehemalige US-Präsident zum Beispiel vor dem Beginn des Irak-Kriegs an die Adresse von Saddam Hussein gemeint: „The Game is over“. Der junge Forscher gibt zu bedenken: „Wer bei einem Spiel stirbt, steht wieder auf. In einem echten Krieg ist das nicht der Fall.“ Wortdatenbank und Projektinformationen unter wortschaetze.uni-graz.at (idw-online.de, www.tt.com)

 

Sprechen mit Sprachanfängern

Günter Neuhaus, Leiter der Abteilung Sprachkurse beim Goethe-Institut Berlin, gibt Hilfestellung für Gespräche mit Sprachanfängern. Oft versuchten Sprecher mit vereinfachtem Satzbau Anfängern beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen. Doch Sätze wie „Wie lange du wohnen Deutschland?“ hinderten den anderen daran, korrektes Deutsch zu lernen. Zudem sei dies nicht verständlicher als der grammatisch richtige Satz. Neuhaus rät, einfach normal und deutlich zu sprechen. Wenn der Gesprächspartner einen Satz nicht begreife, sollte man diesen noch einmal genauso wiederholen. „Wenn man wild umformuliert, verwirrt man den anderen nur zusätzlich. Denn für ihn wirkt es dann so, als sei das noch mal ein ganz neuer Satz“, erklärt Neuhaus. Auf Fremdwörter müsse nicht unbedingt verzichtet werden, da viele dieser Begriffe in anderen Sprachen ähnlich und deshalb für Fremdsprachler sogar besonders leicht zu verstehen seien. (nachrichten.yahoo.com)

 


Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben.

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Verein Deutsche Sprache e.V. Dortmund
1. Vorsitzender: Prof. Dr. Walter Krämer
Geschäftsführer: Dr. Holger Klatte
Redaktion: Monika Elias

 

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Medienecho

Wiederum als voller Erfolg erwies sich laut einer Mitteilung eine Vortrags­veranstaltung mit grenz­über­schreitendem Charakter, zu welcher die Regional­gruppe Ortenau des Vereins Deutsche Sprache nach Offenburg eingeladen hatte.
(Badische Zeitung 24.4.2015)

 

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Stiftung Deutsche Sprache

stiftungdsDie Stiftung Deutsche Sprache ergänzt die Vereinsarbeit. Sie wurde 2001 ge­gründet, ist weltanschaulich neutral, politisch unabhängig und verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Sprüche

Schrecklich, diese „fremdbestimmte Dauer-Beschallung” – vor allem wenn aus den Boxen einer dieser „Gute-Laune-Sender” töne. „Dieser ganze Mainstream-Rock-Faschismus macht mich krank!” Wer das Formatradio erfunden habe, gehöre „gevierteilt – und seine Eingeweide sollten von Geiern gefressen werden!” Da bricht der aufgestaute Frust zahlloser Tournee-Reise-Stunden vor dem Autoradio durch. Auf die Radiomacher, die „unsere Gesellschaft in die Knie zwingen wollen: Diese Nervsäcke in den Gute-Laune-Radios vergehen sich an der Geschmacksbildung – das ist die Hölle. Ganz bitter!”

Götz Alsmann
(derwesten.de, 5.11.2014)