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Donnerstag, den 09. Februar 2012 um 13:25 Uhr
VDS-Infobrief 5. Woche
Presseschau vom 1. bis 7. Februar 2012
- Sprachförderung
- Kein „Hallo“ und „Tschüss“
- Stipendien für Lektoren im „DeutschMobil“
- Verfehlte Namenswahl: „German Mittelstand“
- Redewendungen in der Bibel
- Hessischer Rundfunk würdigt deutschsprachige Musik
- Brecht-Festspiele und -Tagung
- Bastian Sick schätzt deutsche Sprache
- Keine deutsche Sicht durch Wechsel der Nachrichtenagentur
Sprachförderung
Der 5. Integrationsgipfel am 31. Januar hat einen Nationalen Aktionsplan Integration mit dem Fokus auf Sprache, Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt beschlossen. Merkel sprach auf dem Gipfel mit der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer, Bildungsministerin Annette Schavan und 120 Vertretern von Interessengruppen und Migrantenverbänden über Sprachförderung und über eine stärkere Einbindung von Einwanderern im öffentlichen Dienst und in den Medien. Der nächste Integrationsgipfel 2013 hat den Schwerpunkt Sprache. (www.bmbf.de)
Staatsministerin Maria Böhmer stieß mit ihrer Aussage „Es ist von erheblicher Bedeutung, ob die Umgangssprache in der Familie Deutsch ist.” in einer Presseerklärung auf Kritik. Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften erklärte in einer Pressemitteilung, Böhmer diskreditiere Familiensprachen von Migranteneltern. Böhmer falle hinter die Erklärung des Dialogforums zum Aspekt Sprache zurück, in der es hieß: „Der Förderung der Sprachentwicklung (…) von Anfang an, insbesondere der Muttersprache und der deutschen Sprache, kommt eine Schlüsselrolle zu.“ Die Mehrsprachigkeit in Familien zu erhalten sei wichtig als „Teil der Identitätsbildung (…), Zugang zur eigenen Familie und Familiengeschichte (…) und Grundlage für Zugehörigkeit und Akzeptanz“. Auch sprachlich hätten mehrsprachig aufgewachsene Kinder Vorteile im Umgang mit Sprachregeln und Sprachgewohnheiten anderer. (www.verband-binationaler.de)
Eine Studie der Krankenkasse Barmer/GEK hat ergeben, dass immer mehr Kinder an Sprech- und Sprachstörungen leiden. Rund 38 Prozent der Jungen im Alter von sechs Jahren leiden laut des Berichts an Sprachstörungen, bei den Mädchen seien es ungefähr 30 Prozent. Nicht nur Lispeln und Stottern zählen zu den Sprach- und Sprechstörungen, sondern auch das Formulieren und Verstehen von kurzen vollständigen Sätzen mit angemessenen Wörtern. Seit 2004 habe dieses Krankheitsbild um rund 20 Prozent zugenommen. (www.gesundheitsnewsnet.de, www.welt.de) Da vor allem Kinder aus Zuwandererfamilien betroffen seien, fordert die „Rheinische Post“ von Eltern, die nicht ausreichend Deutsch können, „ihren Nachwuchs möglichst früh in die Obhut von Kindergärten (zu) geben“, um deren soziale Aufstiegschancen nicht zu verringern. (nachrichten.rp-online.de)
Das „Deutschlandradio“ berichtete über Sprachförderung in Kindertagesstätten, die aufgrund mangelnder finanzieller Unterstützung nicht ausreichend Personal und entsprechende Fortbildungen für frühkindliche Sprachförderung haben. Der neue „Aktionsplan Integration“ sieht zwar die Förderung von Erziehern vor, für die Aufgabe sind aber die Länder zuständig, die finanziell nicht ausreichend unterstützen können. Das „Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung“ wies nach Veröffentlichung seiner Studie über Sprachförderung auf die Notwendigkeit eines „Sprachbads“ hin. Die Umsetzung ist in der Realität aber oft unmöglich: Kindertagesstättenleiterin Ramona Bischer in Berlin-Schönberg erklärte: „Wir hatten [...] Zeiten, wo wir von Migrantenfamilien eben 70 Prozent türkische Familien haben, und dann ist natürlich auch kein Sprachbad mehr möglich, weil die dann natürlich in ihrer Muttersprache auch hier sprechen. Wir versuchen, dass Deutsch als unsere gemeinsame Sprache da ist. Das funktioniert aber nur, wenn viele verschiedene Nationalitäten oder überwiegend deutsche Kinder in der Einrichtung sind.“ (www.dradio.de)
Im Gegensatz zu Ländern wie Berlin, Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen gibt es in NRW verbindliche Vorgaben für Förderprogramme. Trotzdem würden auch hier Erzieher eine große Verantwortung für den Erwerb der deutschen Sprache tragen, denn jedes vierte Kind in NRW spreche zuhause nicht Deutsch. Dies berichtete das Nachrichtenportal „Der Westen“ und fragte „Wird die deutsche Sprache im Ruhrgebiet zum Auslaufmodell?“. (www.derwesten.de)
Eltern, die ihre Kinder bei schulischen Aufgaben nicht unterstützen können, weil sie selbst nicht ausreichend Deutsch können, soll eine neue Kampagne mit dem Titel „Deutsch lernen, Deutschland kennen lernen.“ zum Deutschlernen motivieren. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) stellte die Motivationskampagne für Elternintegrationskurse am Freitag vor. (www.migazin.de)
Kein „Hallo“ und „Tschüss“
In Passau hat Rektorin Petra Seibert ihre Schule zur „Hallo- und Tschüss-freien Zone“ erklärt, weil diese Wörter unhöflich seien. Stattdessen sollen die Schüler der Mittelschule St. Nikola „Grüß Gott“ (alternativ „Guten Morgen“, „Guten Tag“) und „Auf Wiedersehen“ sagen. Ein Sprecher des Kultusministeriums sagte dazu: „Es ist ein positives Signal der Wertschätzung, aber man darf es nicht zum Dogma stilisieren“. Die Schüler müssten den Sinn der Aktion verstehen. Seibert erklärte, sie wolle die jungen Menschen optimal auf den Beruf vorbereiten. Die Landesschülervereinigung sieht in dieser Maßnahme einen „weiteren Schritt zur Entfremdung von Lehrern und Schülern“. Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär sagte der „Welt“, sie fände die Aktion sehr gut. „In Zeiten der Globalisierung kämpfen wir ohnehin für den Schutz der deutschen Sprache. Es ist gut, wenn Schüler wissen, wo ihre Heimat ist und ein Bewusstsein dafür geschaffen wird.“ (www.welt.de, www.spiegel.de, www.sueddeutsche.de)
Stipendien für Lektoren im „DeutschMobil“
Die Robert Bosch Stiftung hat zusammen mit dem DAAD zehn Stipendien für Hochschulabsolventen als Lektoren im „DeutschMobil“ ausgeschrieben. Die EU zeichnete das „DeutschMobil“ am 3. Februar mit dem Europäischen Sprachsiegel 2011 in Paris aus, da es auf nachahmenswerte und innovative Weise zum Fremdsprachenlernen motiviere. Das „DeutschMobil“ fährt seit 11 Jahren durch Frankreich, um Werbung für Deutschland und die deutsche Sprache zu machen. Die Lektoren besuchten inzwischen etwa 8.350 Schulen besucht und haben dabei rund 1.000.000 Kilometer zurückgelegt. Oft begleiteten Rolf und Elke Massin, VDS-Beauftragte in Frankreich, die Lektoren. Der VDS ehrte das Projekt im Jahr 2003 zusammen mit der Eberhard-Schöck-Stiftung mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache. (www.bosch-stiftung.de, idw-online.de, www.kulturpreis-deutsche-sprache.de)
Verfehlte Namenswahl: „German Mittelstand“
Das „Handelsblatt“ kritisiert Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler wegen dessen Gründung einer Dachmarke für das Ausland namens „German Mittelstand“. Nicht nur der Zeitpunkt für den Start seiner Initiative verfehlt, „allein die sprachlich verquere Denglish-Kombination müsste Rösler schon deutlich machen, dass er sich mit dieser Initiative nur lächerlich machen kann. Wie spricht man das überhaupt aus? „Dschörmen Middelständ“ klingt ja wie aus einem unfreiwillig komischen Oettinger-Youtube-Video.“ Laut Rösler solle die neue Marke kleineren Unternehmen dabei helfen, sich stärker auf europäischen und internationalen Märkten zu etablieren. Das „Handelsblatt“ witzelt weiter: Als Antwort auf Pisa werde Rösler den schlechten Ruf des deutschen Bildungssystems im Ausland mit der Etablierung der Marke „German Berufsschule“ oder besser noch „German Gymnasium“ aufpolieren. „German Karneval“ wäre zu dieser Jahreszeit auch ein Exportschlager. (www.handelsblatt.com)
Redewendungen in der Bibel
Das „Sonntagsblatt“ erklärte Redewendungen in der Bibel. Die Bibel habe wie kein anderes Buch die deutsche Sprache bis in Alltagsformulierungen geprägt. Martin Luther habe „mit seiner wortmächtigen Übersetzung“ ins Deutsche der deutschen Sprache große Dienste erwiesen. Erklärt werden Zitate wie „Bis hierher und nicht weiter“ (was Gott selbst am dritten Schöpfungstag zum Meer gesagt haben soll, als er das Wasser vom Land trennte), „Wenn böse Buben locken“ (aus den Weisheiten des Königs Salomo für seinen Sohn), „der schnöde Mammon“ oder Sprachbilder wie die Jugendsünden oder der Elfenbeinturm. (www.sonntagsblatt-bayern.de)
Hessischer Rundfunk würdigt deutschsprachige Musik
Der „Hessische Rundfunk“ fragte nach den beliebtesten deutschsprachigen Liedern in Hessen. Die Hörer und Zuschauer stimmten im Internet ab. Die 35 beliebtesten Lieder, u.a. Wolfgang Petry mit „Wahnsinn“, die hessische Band Juli mit „Elektrisches Gefühl“ und Reinhard Mey mit seinem Klassiker „Über den Wolken“, sendete der Hessische Rundfunk am 3. Februar in der Fernsehsendung „100 pro deutsch - Die beliebtesten hr3-Hits“. Im Anschluss gab es in einer weiteren Sendung die beliebtesten deutschen hr3-Hits aus dem vergangenen Jahr. Im Radio spielte hr3 von 5 Uhr morgens bis Mitternacht nur deutschsprachige Musik wie Nena, Xavier Naidoo, Herbert Grönemeyer, 2raumwohnung, BAP, Wir sind Helden, Udo Lindenberg, Sportfreunde Stiller, die Ärzte, die Fantastischen Vier, Falco oder Paul van Dyk & Heppner. (www.hr-online.de)
Brecht-Festspiele und -Tagung
Vom 2. bis zum 12. Februar würdigt Augsburg als Heimatstadt den Künstler und Begründer des „dialektischen Theaters“ Bertolt Brecht. Das „Brecht-Festival 2012“ eröffnete mit einem Konzert der Gruppe „Ton, Steine, Scherben“ und hat inhaltlich das Thema „Politik“ als Schwerpunkt. Auf dem Programm stehen Konzerte, Gespräche und Theateraufführungen, u.a. die Uraufführung „Der Augsburger Kreidekreis“. An der Universität Augsburg findet im Rahmen der Brecht-Festspiele vom 9. bis zum 11. Februar die interdisziplinäre Tagung „Dichter und Lenker: Über die Literatur der Staatsmänner, Päpste und Despoten“ statt. (www.brechtfestival.de, idw-online.de)
Bastian Sick schätzt deutsche Sprache
Journalist, Kolumnist und VDS-Mitglied Bastian Sick sprach mit der „Fuldaer Zeitung“ über sein neues Programm, sein aktuelles Buch „Wie gut ist Ihr Deutsch“ und über die deutsche Sprache. Sick erklärte, Deutsch sei wunderschön. Diese Sprache sei ein wertvolles Kulturgut, das der Pflege bedarf. Wenn man daran nichts mache, zerfalle sie irgendwann. In seinem neuen Programm „Jux und Toleranz“ jage er lästige Sprachmoden wie zum Beispiel Verniedlichungen („Hallöchen! Prösterchen! Jemand ein Salätchen?“) (www.fuldaerzeitung.de)
Keine deutsche Sicht durch Wechsel der Nachrichtenagentur
Künftig wird das Auswärtige Amt aus Kostengründen mit der Nachrichtenagentur dapd (Zusammenschluss aus dem früheren Deutschen Depeschendienst ddp und dem deutschen Zweig von Associated Press AP) anstelle der dpa zusammenarbeiten. Marc Jan Eumann, Medien-Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der Medienkommission des SPD-Parteivorstands, sieht darin eine „marktliberale Fehlentscheidung“. Die dapd besitze kein eigenes umfassendes Auslandskorrespondenten-Netz. Stattdessen übersetze dapd Nachrichten aus dem Ausland von der US-Agentur AP. Verloren gehe dabei die kulturelle Sichtweise und das unterschiedliche Resümieren von Ereignissen im Ausland, da jedes Land ein eigenes politisches und kulturelles Verständnis habe. Die deutsche Sicht sei in vielen Regionen der Welt gefragt, weil die Bundesrepublik kaum ein koloniales Erbe mit sich herumschleppe, das unterschwellig in den Berichten und Analysen mitschwingen könnte. Künftig fehlten zudem Kontakte von deutschen Journalisten in den Regionen, aus denen berichtet wird, so dass umgekehrt der Austausch mit der Einschätzung und den Nachrichten aus deutscher Sicht wegfalle. (www.ksta.de)
Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu,
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Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an: infobrief@vds-ev.de.
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Redaktion: Monika Elias
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Deutsch in der Gegenwart