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VDS-Infobrief 52. Woche
Presseschau vom 28. Dezember 2011 bis 3. Januar 2012
- Politiker fordern mehr Sprachpflege
- Fetzenliteratur
- Deutsche Literatur und Filme sind Exportschlager
- Deutsche Musik
- Automobilindustrie bleibt bei Englisch
- Dialekte
- Gedicht des Monats
Politiker fordern mehr Sprachpflege
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat in einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mehr Einsatz für die deutsche Sprache gefordert, um sie als Fremdsprache in anderen EU-Ländern stärker zu verankern. Lammert sagte: „Wir sollten die Anstrengungen zur Pflege unserer Sprache deutlich steigern“. Zwar sinke der Anteil von Deutschschülern etwa in den Niederlanden, in Spanien habe es jedoch einen spektakulären Anstieg des Deutschunterrichts gegeben, da dort Deutschland als möglicher Arbeitgeber attraktiv ist. Deshalb sei der sinkende Anteil von Deutschschülern in der EU kein Grund zur Besorgnis. Allerdings habe Deutschland „vor 20 Jahren große Chancen verschenkt, Deutsch in den früheren Warschauer-Pakt-Staaten stärker zu etablieren, obwohl es nachgefragt war“. (www.welt.de, www.dw-world.de)
Gerda Hasselfeldt, Landesgruppenchefin der CSU, erklärte in einem Gespräch mit der „Welt“, dass die deutsche Sprache in Europa stärker gepflegt werden müsse. Hasselfeldt sagte: „Deutsch ist Arbeitssprache in der EU, aber vieles wird aus dem Englischen oder Französischen nicht mehr übersetzt. Ich finde es nicht richtig, wenn selbst in Deutschland in manchen Gremien ganz selbstverständlich nur noch Englisch gesprochen wird.“ In der europäischen Schuldenkrise habe sich diese Entwicklung besonders gezeigt: „Wir haben als Parlamentarier zu häufig sehr kurzfristig über hochkomplexe Dinge entscheiden müssen, die dann nur in englischer Fassung vorlagen.“ (www.welt.de)
Fetzenliteratur
Rechtschreibrats-Vorsitzender Hans Zehetmair machte darauf aufmerksam, dass heute weniger gelesen und geschrieben werde und Sätze nicht mehr vollständig ausformuliert werden würden. Als „Fetzenliteratur“ bezeichnete der CSU-Politiker den verkürzten Sprachgebrauch, wie er etwa auf Twitter zu finden sei. Für die „Hannoversche Allgemeine“ ist der Begriff der erste Kandidat für das „Wort des Jahres“. Zehetmair meinte, die Schule komme ihrem Bildungauftrag nur begrenzt nach, Fetzenliteratur gebe es auch bei Lehrern: „super, geil und alles mit Ausrufezeichen.“ Auch die steigende Zahl an Anglizismen erschwere die Ausbildung von Sprachkompetenz. Zehetmair sagte: „Man sollte schon noch wissen, was die Worte auf Deutsch heißen.“ Eine Studie der Linguistin Christa Dürscheid ergab zwar, dass die sprachlichen Eigenarten der digitalen Kommunikation keine nennenswerten Spuren in Schultexten hinterließen. Aber sie bemerkte große Defizite in der Rechtschreibung. Daraufhin befragte Deutschlehrer schrieben dies einem allgemeinen Nachlassen der orthografischen und grammatikalischen Fähigkeiten der Schüler in den vergangenen zehn Jahren zu. Heinz-Peter Meidinger, Deutschlehrer und Bundesvorsitzender des Philologenverbandes, sieht in kurzer Kommunikation eine Zusatzqualifikation. Meidinger erklärte: „Es stimmt, dass viele Schüler heute schlechter schreiben können als früher. Das liegt aber eher daran, dass sie weniger lesen und in den Grundschulen erst ab der dritten Klasse überhaupt korrigiert wird. Durch frühen Englisch-Unterricht wurden außerdem Deutsch-Stunden gestrichen.“ Der „Tagesspiegel“ sieht in Zehetmairs Erklärung lediglich Kulturpessimismus, der „Stern“ fragt in einem Quiz nach der Bedeutung von „twitterisch“ wie „Gn8“, „bb“ und „lg“. (www.haz.de, diepresse.com, www.express.de, www.tagesspiegel.de)
Deutsche Literatur und Filme sind Exportschlager
Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, sagte der Nachrichtenagentur dapd, dass zeitgenössische Kunst aus Deutschland, vor allem deutsche Literatur und Filme aus Deutschland, Exportschlager seien. Im Bereich der Literatur erkenne man dies auch an der Übersetzungsförderung: „Es gibt so viele Anfragen nach Übersetzungen deutscher Literatur in ausländische Sprachen, wie wir es bisher noch nicht gehabt haben“, erklärte Lehmann. (nachrichten.yahoo.com)
Deutsche Musik
Der „Stern“ berichtet, dass in Deutschland wieder überwiegend deutschsprachige Musik gehört werde. Von den 15 meistverkauften Alben des Jahres 2011 stammten elf von deutschen Künstlern, neun sind in deutscher Sprache gesungen. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), erklärte: „Es ist offenbar wieder cool, Deutsch zu hören“. Das Deutsche Musik-Exportbüro sehe eine Normalisierung im internationalen Vergleich: „In allen Ländern hören die Menschen meist am liebsten Musik in ihrer Muttersprache. Das ist in Deutschland auch so“. Der Anteil deutscher Musik könnte zudem höher sein, wenn deutsche Hörfunksender mehr Musiktitel in deutscher Sprache spielten. Der Anteil liege bei zehn Prozent, wie eine Untersuchung des Deutschen Musik-Exportbüros und des Vereins Deutsche Sprache ergab. (www.stern.de)
Automobilindustrie bleibt bei Englisch
In einem Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ging es um die übermäßige und unverständliche Verwendung von Anglizismen in der Automobilindustrie. Schon im Jahre 2006 habe VDS-Mitglied und Aktionär Geert Teunis auf der Hauptversammlung von Volkswagen erklärt: „Ich habe einen Passat bestellt und erfahren, dass man dafür fundierte Englischkenntnisse braucht.“ Bei der Ausstattung könne er wählen zwischen Trendline, Highline, Sportline und Comfortline. Der Allradantrieb heiße 4Motion, was nicht nur eine grammatikalische Unmöglichkeit sei, sondern blanker Unsinn, denn Bewegung könne morphosyntaktisch nicht mit einer Zahl kombiniert werden. Bis heute habe sich nichts geändert, vielmehr seien noch einige Begriffe hinzugekommen wie etwa „Keyless Go, Easy-Pack, Hands Free Access. (www.faz.net)
Dialekte
Hellmuth Karasek illustriert in der „Welt“ die Rückkehr der Dialekte und erklärt: „Sie geben Halt und Heimat.“ Sprache differenziere besonders bei Lebensmitteln regional fein und erhalte alte Sprachformen am Leben. Nord und Süd würden sich allein schon durch den Kohl und das Kraut voneinander unterscheiden. Das Wiederaufleben des Dialekts sei eine Widerstandshaltung gegen die Gleichmachung durch Globalisierung. Zudem seien Dialekte Abwehrhaltungen gegen das Überhandnehmen der Hochsprache. (www.welt.de)
Im Internet gibt es ein neues digitales Wörterbuch zur oberhessischen und nassauischen Mundart von VDS-Mitglied Bernd Strauch. Neben einem Basiswörterbuch gibt es Hörbeispiele von Originalsprechern sowie „Spickzettel“ mit oberhessischen Sprüchen und deren Übersetzung wie „Häi sein ech deheem. (Hier bin ich daheim.)“. Das Wörterbuch gibt den Inhalt von Strauchs bisher erschienenen Büchern wider (einführende Kurzinformation, Aktualisiertes Taschenwörterbuch „Dialekt in Mittelhessen“, Überarbeiteter Teil des Erstlingswerkes „Oberhessisch als Schriftsprache“.) (www.oberhessisch.com)
Gedicht des Monats
Im „Haus der deutschen Sprache“ gibt es wieder ein Gedicht des Monats. Für Dezember 2011 ist Adelbert von Chamissos „Nacht und Winter“ besprochen. Zusätzlich gibt es weitere Informationennn über Chamisso auf www.hausderdeutschensprache.eu
Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com
Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an: infobrief@vds-ev.de.
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