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VDS-Infobrief 41. Woche

Presseschau vom 12. bis 18. Oktober 2011

  • Kulturpreis Deutsche Sprache 2011
  • Deutscher Jugendliteraturpreis 2011
  • Rettungsprojekt für bedrohte Sprachen
  • Zur Entscheidung des BAG für Deutschkenntnisse am Arbeitsplatz
  • Leichte Sprache
  • Anglizismen im Deutschen
  • Kölsch-Akademie
  • Deutschsprachige Zeitungen im Ausland erfolgreich
  • Jägersprache
  • Unklarer Sprachgebrauch

 

Kulturpreis Deutsche Sprache 2011

Am Samstag (15.10.) haben der Verein Deutsche Sprache und die Eberhard-Schöck-Stiftung zum elften Mal den dreigeteilten Kulturpreis Deutsche Sprache verliehen. Die Lyrikerin Nora-Eugenie Gomringer erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis, der Philosoph Dieter Schönecker den mit 5.000 Euro dotierten Initiativ­preis, und der undotierte Institutionen­preis ging an die Deutschlandstiftung Integration. Autoren wie die 31-Jährige Gomringer widerlegten das Vorurteil, dass sich Menschen unter 40 für Sprache nicht interessierten, begründete die Jury ihre Wahl und Laudator Jörg Thadeusz, Journalist, Moderator und Schrift­steller, würdigte Gomringer als „Königin des Poetry Slam“. Der Philosoph und Kant-Spezialist Dieter Schönecker setzt sich für den Erhalt und die Förderung der Wissenschafts­sprache Deutsch in seinem Fach ein. Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit Kants Texte im Original zu lesen und zu ergründen. (vds-ev.de, www.hr-online.de, www.fnp.de, www.bild.de)

 

Deutscher Jugendliteraturpreis 2011

Auf der Frankfurter Buchmesse hat Bernd Neumann, Staatsminister und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, am Freitag (14.10.) den vom Bundesfamilienministerium gestifteten Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis ist der einzige Staatspreis für Literatur in Deutschland und ehrt seit 1956 jährlich herausragende Kinder- und Jugendbücher. Den mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis für das Gesamtwerk Übersetzung bekam Tobias Scheffel. Vier Preise, jeweils mit 8.000 Euro dotiert, verlieh die Jury in den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch an: Autor und Illustrator Martin Baltscheite für das beste Bilderbuch mit seiner „Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor“, Milena Baisch (Text) und Elke Kusche (Illustration) für „Anton taucht ab“ (Kinderbuch), Wolfgang Herrndorf für „Tschick“ (Jugendbuch) und Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl für „Alles Familie!“ (Sachbuch). Den Preis der Jugendjury erhielt die österreichische Autorin Ursula Poznanski für „Erebos“. (www.jugendliteratur.org, bildungsklick.de) 

 

Rettungsprojekt für bedrohte Sprachen

Die „Frankfurter Rundschau“ und der „Tagesspiegel“ machen auf das Sprachensterben aufmerksam und stellen ein globales Rettungsprojekt vor, das bereits 200 Sprachen mit Ton- und Videoaufnahmen dokumentiert. Weltweit würden pro Woche zwei Sprachen und pro Jahr etwa 100 Sprachen untergehen, schätzen Sprachwissenschaftler. Die Veränderung der Gesellschaft durch moderne Kommunikationstechniken, die Globalisierung und Migration würden das Sprachensterben beschleunigen. Besonders kleine Sprachen mit weniger als hunderttausend Sprechern sind bedroht, wie etwa das „Wichita“, das nur noch 15 Angehörige eines Indianerstamms im Norden von Texas sprechen. Von den heute lebenden etwa 6.000 Sprachen würden gegen Ende des Jahrhunderts bis zu 80 Prozent gestorben sein. Das Rettungsprojekt „Language Archive“ ist ein Gemeinschaftsvorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), ihrer Schwesterinstitution KNAW aus den Niederlanden sowie des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik (MPI) im niederländischen Nijmegen. Das MPI ist das Zentrum des Rettungsprojekts, seit 1999 sei dort die weltweit größte Dokumentation bedrohter Sprachen (Dobes) zusammengekommen. Eine Internetseite des Language Archive soll Zugang zu den gesammelten Sprachen schaffen. Der „Tagesspiegel“ schreibt: „Dass die Internetseite […] in englischer Sprache daherkommt, belegt ungewollt den Druck, der von dieser Weltsprache auf alle weniger globalen Sprachen ausgeübt wird.“ (www.mpi.nl/tla, www.fr-online.de, www.tagesspiegel.de)

 

Zur Entscheidung des BAG für Deutschkenntnisse am Arbeitsplatz

Im „Legal Tribune“ erschien ein Kommentar von Arnd Diringer über die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG), dass Arbeitgeber von Mitarbeitern ausreichende Deutschkenntnisse verlangen dürfen, wenn ihre Tätigkeit die Beherrschung der Sprache erfordert. Zuvor hatte eine Arbeitnehmerin dagegen geklagt (siehe VDS-Infobrief 25. Woche/2011). Dies sei „auch ein wichtiges gesellschaftspolitisches Signal“, denn wenn jemand, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, die Aufforderung, Deutsch zu lernen, als „unerwünschte Verhaltensweise" ansehe, die „die Würde der betroffenen Person verletzt und ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld“ schaffe, sei offensichtlich etwas gewaltig schief gelaufen. Diringer führt diese Einstellung auf die Politiker zurück, die „über Jahrzehnte hinweg die Forderung, Deutsch zu lernen, als Zwangsgermanisierung oder ähnliches bezeichnet“ haben. Somit sei die Entscheidung des BAG ein deutliches Signal für die arbeitsrechtliche Praxis und für die gesellschaftspolitische Diskussion. (www.lto.de) 

 

Leichte Sprache

In der „Welt“ erschien ein Artikel über „Leichte Sprache“, die in Deutschland zu wenig gefördert werde. Leichte oder Einfache Sprache besteht aus kurzen Sätzen, verzichtet auf Fremdwörter und abstrakte Begriffe oder erklärt sie. Somit ist Leichte Sprache besonders gut verständlich. Sie bedeutet nicht nur für Menschen mit Lernschwierigkeiten einen Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe, sondern auch Migranten, Kinder, Jugendliche und Senioren profitieren von dieser verständlichen Ausdrucksweise. In Finnland heißt die leichte Sprache Selkokieli. Das Bildungsministerium überweist dem Selkokieli-Zentrum in Helsinki jedes Jahr 70.000 Euro, das damit etwa eine Zeitung und Bücher in Leichter Sprache finanziert. Belgien, Norwegen, Schweden, Dänemark, Estland und die Niederlande haben ebenfalls eigene Zeitungen in Leichter Sprache. In Deutschland hat die Internetseite mit Nachrichten in Leichter Sprache seit März aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung keine neuen Artikel mehr. (www.welt.de, www.nachrichtenleicht.de, www.hurraki.de)

 

Anglizismen im Deutschen

In den „Kieler Nachrichten“ sprach Holger Klatte, Geschäftsführer des Vereins Deutsche Sprache, über den Gebrauch von Anglizismen. Diese werden häufig in der Werbung, im Sport, in der EDV, in der Mode- oder Musikbranche verwendet, es scheine als sei das Englische moderner, sportlicher oder einfacher und besser geeignet, um ein jüngeres Publikum zu erreichen. Das Deutsche verliere dadurch in manchen Bereichen den Anschluss und entwickele so zu wenig Wortschatz aus sich heraus. Zu viele englische Fremdwörter in einem Text erschwerten das Lesen, verursachten Fehler bei der Aussprache und Schreibung. Hinzu komme, dass in einigen Themenbereichen der Eindruck entstehe, die deutsche Sprache sei für bestimmte Sachverhalte nicht mehr brauchbar. Deshalb werbe der VDS „als Interessenvertretung für die Belange der deutschen Sprache“ mit seinen mittlerweile 34.000 Mitgliedern dafür, dass die deutsche Sprache eine lebendige und moderne Sprache ist, mit der sich alle Sachverhalte klar und verständlich ausdrücken lassen. (www.kn-online.de)

 

Kölsch-Akademie

Die „Deutsche Welle“ stellt die Akademie „För uns kölsche Sproch“ vor, die seit 1983 Kölsch-Kurse anbietet. Jedes Jahr lernen 300 Interessierte für das „Kölsche Abitur“, nach dem sie weitere Kurse, z.B. über die Geschichte Kölns oder für Stadtführungen besuchen und sogar eine Diplomarbeit in Kölsch schreiben können. Der Leiter der Akademie, Hans-Georg Bögner, erklärt sich die Beliebtheit des kölschen Dialekt so: „In Zeiten der Globalisierung suchen immer mehr Leute eine Verbindung zu ihrer Heimat und zu ihren Wurzeln“. (www.dw-world.de)

 

Deutschsprachige Zeitungen im Ausland erfolgreich

Dem „Tagesspiegel“ erklärte VDS-Mitglied Björn Akstinat von der Internationalen Medienhilfe, dass die Anzahl deutschsprachiger Zeitungen im Ausland pro Jahr um etwa fünf Prozent steige. Drei erfolgreiche Zeitungen im Ausland seien etwa die „Allgemeine Zeitung“ aus Windhoek in Namibia, die „Deutsche Rundschau“ in Kanada und das „Mallorca Magazin“. „Das viel beklagte Zeitungssterben trifft auf deutschsprachige
Auslandsmedien nicht zu“, stellt der „Tagesspiegel“ fest, doch der Verkauf überregionaler deutscher Tageszeitungen wie „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) gehe im Ausland geringfügig zurück. (www.tagesspiegel.de) 

Jägersprache

Die Aachener Zeitung berichtet über die Fachsprache der Jäger und meint, dass sie die deutsche Sprache derart bereichert habe, dass man sich fragen könne, wie arm sie ohne all die Redensarten der Grünröcke wäre. Beispiele für Fachausdrücke aus der Jägersprache, die auch im allgemeinen Sprachgebrauch bekannt sind, sind etwa: Abschussliste, durch die Lappen gehen, Knall auf Fall, zur Strecke bringen, Sauwetter und sich an etwas weiden. Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (DJV) in Bonn, sagte: „Die Jägersprache ist sehr bildhaft“. Vergleichbar und ähnlich bedeutsam seien die Fachsprachen der Soldaten („Flinte ins Korn werfen“) und Bauern („Ernte einfahren“). Laut DJV gebe es über 6.000 Fachbegriffe in der Jägersprache. (www.az-web.de)

 

Unklarer Sprachgebrauch

In der „Thüringer Allgemeinen“ erschien ein Kommentar zum Sprachgebrauch. Lobenswert sei etwa Luthers Bibel-Übersetzung. Zuvor sei die Sprache der Theologen „blutleer“ gewesen. Luthers Ziel war es, für möglichst viele Menschen verständlich zu schreiben, heute sei dies bei Experten nicht mehr der Fall. Der Begriff „Menschen mit Migrations-Hintergrund“ klinge „modern und erhaben“, sei aber unklar und aufwändig. Eindeutiger seien: Flüchtlinge oder Auswanderer, Gastarbeiter oder Asylanten, Vertriebene, Wanderarbeiter oder Heimatlose. (www.thueringer-allgemeine.de)


Der Verein Deutsche Sprache im Internet: vds-ev.de, facebook.com
Das Haus der deutschen Sprache im Internet: www.hausderdeutschensprache.eu, facebook.com

Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an:  infobrief@vds-ev.de.

 

Medienecho

Für Nuhr ist der Kulturpreis Deutsche Sprache eine seiner wichtigsten Auszeichnungen. „Andere Preise habe ich bekommen, weil ich lustig bin, diesen, weil ich ernst genommen werde“, sagte der Preisträger.  Dabei sei die Sprache für ihn von besonderer Bedeutung. „Schließlich gibt es bei meinem Bühnenprogramm keinen Tanz und keine Pyrotechnik - es geht nur um die Worte.“ (Tagesspiegel, 25.10.2014)

 

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Sprüche

Dass Sprache und Worte auch Stil, Klasse und Poesie haben können, das geht in unserem schnelllebigen, alltäglichen Miteinander völlig verloren. 

Hannah Herzsprung, Schauspielerin, über das wunderschöne Deutsch in ihrem Film "Die geliebten Schwestern"