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VDS-Infobrief 14. Woche
Presseschau vom 5. bis 12. April 2011
- Wo fließt der Rhein?
- Weihnachten ohne Volksmusik?
- Beatrix und die deutsche Sprache
- Reform der Deutschen Welle
- „Boarisch gred und gspuit“
- Sprachpflege im Kabarett
- „Reisedeutsch“ oder „Touristisch“
Wo fließt der Rhein?
Die Region Oberrhein erstreckt sich über drei Länder: Frankreich, Deutschland und die Schweiz. Ein neuer Werbeauftritt der Region nennt sich eigenartigerweise nun weder Rhin Supérieur noch Region Oberrhein. Nein, sie heißt Upper Rhine Valley. (www.upperrhinevalley.com/de)
Weihnachten ohne Volksmusik?
Das ZDF hat die Volksmusiksendung „Weihnachten mit Marianne und Michael“ nach 18 Jahren aus dem Programm gestrichen. Eine schlechte Entscheidung, finden Marianne und Michael Hartl. „Volksmusik verschwindet immer mehr aus der Medienlandschaft – trotz Auftrag und Gebühren“ schreiben sie auf ihrer Internetseite. Eine Nation, die ihre eigene Liedkultur und Sprache vernachlässigt, verliere ihre Identität. (www.marianneundmichael.de, yahoo.com)
Beatrix und die deutsche Sprache
Nach fast 30 Jahren ist die niederländische Königin Beatrix wieder auf Staatsbesuch in Deutschland. Sie kann sich mit ihrem Gastgeber gut auf Deutsch unterhalten – ein großer Vorteil für die deutsch-niederländischen Beziehungen, aber vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass das Deutsche als Fremdsprache in den Niederlanden immer mehr zum Nischenfach wird. Bis vor fünf Jahren lernte jeder Schüler mindestens ein Jahr lang Deutsch in der Schule. Heute ist Englisch erste Pflichtfremdsprache. Eine zweite Sprache können die Schüler wählen. Früher waren das Deutsch und Französisch, heute auch Spanisch, Türkisch und Arabisch. An der Grenze entscheiden sich viele Schulen und Schüler noch immer für Deutsch. Dies hat ganz praktische Vorteile, z.B. um zum Tanken ins Nachbarland zu fahren. In der Grenzregion treffen die Niederländer sogar auf viele Deutsche, mit denen sie sich gut unterhalten können – nicht nur, weil das Niederdeutsche dem Niederländischen ähnlich ist, sondern auch weil Niederländisch an vielen weiterführenden Schulen nah der Grenze Wahlfach ist oder oder von Volkshochschulen angeboten wird. In den 1970er Jahren studierten noch mehrere tausend Niederländer Deutsch an den Universitäten, 2006 waren es nur noch 800. Deswegen stellen Schulen in den Niederlanden heute deutsche Lehrer ein. (www.cicero.de)
Reform der Deutschen Welle
Der Bundestag begrüßt und unterstützt mehrheitlich die Reform des Auslandssenders „Deutsche Welle“. Mit den Stimmen der Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen nahm das Plenum eine entsprechende Entschließung an, die der Kulturausschuss in einer Beschlussempfehlung (17/5260) zur „Aufgabenplanung der Deutschen Welle 2010 bis 2013“ (17/1289) vorgelegt hatte. Lediglich die Fraktion Die Linke stimmte dagegen. Die Entscheidung über die inhaltliche Ausgestaltung des Programms des Auslandssenders liegt zwar gemäß der rundfunkrechtlichen Unabhängigkeit gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes und des Deutsche-Welle-Gesetzes beim Sender selbst. Allerdings unterliegt die Deutsche Welle als Anstalt des öffentlichen Rechts der Aufsicht der Bundesregierung, die zusammen mit dem Bundestag im Beteiligungsverfahren zur Planung des Senders Stellung bezieht. Kulturstaatsminister Bernd Neumann stellte noch einmal fest, das die Förderung der deutschen Sprache zu den Kernaufgaben des Senders gehört. (www.bundestag.de)
„Boarisch gred und gspuit“
Der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD) führte in Bergen kürzlich einen Mundartfrühschoppen durch. Der FBSD kämpft gegen die Verarmung und Verschandelung der bairischen Sprache und besucht dazu neben Frühschoppen auch Kindergärten. (www.bayerische-sprache.de, www.merkur-online.de)
Sprachpflege im Kabarett
Ob politisch, wirtschafts- oder gesellschaftskritisch – Kabarettisten und Komiker haben ein besonderes Gespür für die Sprache. Und viele pflegen die deutsche Sprache allein dadurch, dass sie sprachliche Fehlleistungen ansprechen und dem Urheber um die Ohren hauen. Deswegen sind einige Vertreter der Zunft auch Mitglieder im VDS, wie Hape Kerkeling, Jürgen von der Lippe und Dieter Hallervorden (siehe www.vds-ev.de/bekanntemitglieder). Aber auch viele andere sprechen den Zustand der deutschen Sprache immer wieder an: So hält der Wirtschaftkabarettist Hans Gerzlich nichts vom Ausdruck Bad Bank. „Es hätte jedenfalls diesen Anglizismus gar nicht gebraucht, man muss dieses Wort ja nur auf Deutsch aussprechen: Bad Bank. Das kennt man doch, da geht es wie z. B. in Bad Nauheim oder in Bad Kissingen um Erholung. Man fährt auf Erholung und schaut dann, ob man sich erholt hat oder nicht“, sagte Gerzlich im Bayerischen Rundfunk.
Auch Johann König, die „depressive Stimmungskanone“ aus Köln, gab sich kürzlich als Anglizismenkritiker zu erkennen: Die deutsche Sprache, hat er festgestellt, verkommt. Als „Lingualgourmet“ hasst er „fucking Anglizismen“. Er kann es nicht haben, wenn Sprache vergewaltigt oder verenglischt wird. Das Team könne ruhig ein „Haufen“ bleiben und warum aus dem „Treffen“ ein Meeting werden muss, erschließt sich König nicht. „Wenn ich merke, dass Sprache den Weg über das Gehirn scheut, muss ich eingreifen“, so König. (www.br-online.de, www.nw-news.de)
„Reisedeutsch“ oder „Touristisch“
In Reisekatalogen sind häufig Floskeln und Umschreibungen anzutreffen, die eigentlich Mängel verschleiern, aber vor Gericht nicht anfechtbar sind. Das Landesgericht Frankfurt am Main entschied, dass ein Haus bereits dann als „modern“ gilt, wenn es drei Etagen und einen Fahrstuhl hat. In einem Hotel, das mit „Meerseite“ wirbt, muss man nicht das Meer sehen können und ein „Meerblick“ ist vorhanden, wenn man das Meer sehen kann – auch wenn man sich dafür aus dem Badezimmerfenster herausbeugen muss. Aufpassen sollten Urlaubswillige bei Formulierungen wie etwa: „aufstrebender Ferienort“ (Großbaustelle möglich) oder „beheizbarer Swimmingpool“ (kann beheizt werden, muss aber nicht). (www.hispaniola.eu)
Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an: infobrief@vds-ev.de.
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