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Mittwoch, den 09. März 2011 um 13:21 Uhr

VDS-Infobrief 9. Woche

Presseschau vom 1. bis 7. März 2011

  • Analphabetismus-Studie: erschreckende Ergebnisse
  • Deutsch in Wahlprogrammen
  • Deutsch statt Türkisch
  • Film wirbt für Deutschlernen
  • Eltern nennen Kinder am liebsten Sophie und Maximilian

 

Analphabetismus-Studie: erschreckende Ergebnisse

Eine neue Studie ergab, dass in Deutschland 2,3 Millionen Menschen keine ganzen Sätze verstehen und schreiben können. Sie sind Analphabeten im engeren Sinn. Von funktionalem Analphabetismus spricht man, wenn Menschen einzelne Sätze lesen oder schreiben können, aber keinen zusammenhängenden Text, z.B. eine schriftliche Arbeitsanweisung verstehen. Das sind in Deutschland etwa 7,5 Millionen. Bisher ging man von der Hälfte aus. Zusätzlich haben 21 Millionen Menschen Probleme mit der Rechtschreibung. Um die Analphabetenrate zu senken, führt das sogenannte „Aktionsbündnis für Alphabetisierung“ verschiedene Projekte durch. Sie sind Ergebnis der 2003 verabschiedeten Bernburger Thesen, die im Rahmen der Weltalphabetisierungsdekade (2003 bis 2012) der Vereinten Nationen beschlossen wurden. Bildungsministerin Schavan will aufgrund des erschreckenden Ergebnisses der Studie Deutschtests für Deutsche einführen, da 58 Prozent der Analphabeten deutsche Muttersprachler sind. (www.welt.de, www.bmbf.de)

 

Deutsch in Wahlprogrammen

Wahlprogramme gibt es, um den Wählern die Ziele einer Partei zu vermitteln. Sie sind somit auch Werbung für die Politiker. Kommunikationswissenschaftler der Uni Hohenheim haben Wahlprogramme untersucht und fanden heraus, dass die FDP am unverständlichsten und am längsten formulierte, ein Satz hatte sogar 90 Wörter. Die CDU ist am verständlichsten, wozu CDU-Generalsekretär Thomas Strobl sagte: „Die Politik lebt davon, dass die Menschen verstehen, was die Politik sagt. Damit werden wir unserem Anspruch gerecht, auch die Partei der kleinen Leute zu sein.“ Die Wissenschaftler untersuchten die Wahlprogramme auf Satz-Ungetüme, Fachbegriffe, Fremdwörter und Anglizismen mit dem „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“. (www.stuttgarter-nachrichten.de)

 

Deutsch statt Türkisch

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat bei einer Veranstaltung in Düsseldorf gefordert, dass türkischstämmige Kinder in Deutschland erst Türkisch und dann Deutsch lernen. Er sei zwar für Integration, aber gegen „Assimilation“ oder völlige Anpassung, erklärte Erdogan und erntete Jubel von seinen etwa 10.000 Landsleuten. Damit entfachte er eine Debatte. (http://www.taz.de)
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verteidigte die deutsche Sprache und erklärte: „Die Kinder, die in Deutschland groß werden, müssen zuallererst Deutsch lernen“, denn sonst „kommen sie in der Schule nicht mit und haben später schlechtere Chancen als andere“. Bundeskanzlerin Merkel ließ durch ihren Regierungssprecher, Steffen Seibert, wissen, dass sie zwar ebenfalls den schulischen Nachteil sehe, forderte aber nur, dass das Lernen der deutschen Sprache gegenüber der türkischen „zumindest gleichgestellt“ sein solle. (http://www.abendblatt.de, http://www.spiegel.de, http://de.reuters.com)

In einem RTL-Interview differenziert Erdogan seine Äußerungen: „Um gut Deutsch lernen zu können, müssen sie die eigene Sprache auch kennen. Wenn sie das nicht tun, können sie auch nicht gut Deutsch lernen….Es geht um die Spracherziehung: Also, erst die Muttersprache, dann die Zweitsprache, das ist der Weg. Das sage nicht ich, das sagen die Linguisten.“ (kommunikation.rtl.de)
In einigen Fürther Grundschulen können türkischstämmige Kinder Türkisch lernen, im sogenannten „Muttersprachlichen Ergänzungsunterricht“ (MEU). (www.nordbayern.de)


Film wirbt für Deutschlernen

„Sprich mit!“ ist ein Film, der Kindern aus Einwandererfamilien Lust auf die deutsche Sprache machen soll. Gezeigt werden soll der 45-minütige Lehrfilm in Grundschulen, Kindertagesstätten und Elternvereinen. Alle Schauspieler (u.a. Clemens Schick, Hannah Herzsprung, Elyas M’Barek und Trystan Pütter) verzichteten auf ihre Gage zugunsten des Berliner Integrationsprojekts. In dem Film geht es um den neunjährigen Elias (Kaan Aydogdu), der kein Wort Deutsch spricht und in Berlin seinen Vater verliert. Nach und nach lernt er Menschen kennen, die ihm die deutsche Sprache beibringen.

Produzent Christopher Zwickler erläutert: „Durch die Geschichte kann man die Notwendigkeit des Spracherwerbs darstellen“. Entwickelt haben das Konzept die Produzenten Christopher Zwickler und Julia Lischinski mit Schulleitern, der Sprachwerkstatt Neukölln und Senatsexperten. Projektpatin ist Yildiz Grönlund-Acet, die Frau des türkischen Botschafters. (http://www.welt.de, www.tagesspiegel.de)

Eltern nennen Kinder am liebsten Sophie und Maximilian

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat die beliebtesten Vornamen des Jahres 2010 veröffentlicht. Auf Platz 1 sind Sophie und Maximilian, gefolgt von Marie und Maria sowie von Alexander und Paul. In einem Interview erklärte GfdS-Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels, dass Vorlieben für Namen lange bestehen und sich nur über einen Zeitraum von 50 bis 100 Jahren ändern würden. Die Auswertungen ergaben, dass stets neue Vornamen verwendet werden und ein Trend zur Individualität auszumachen sei. Insgesamt werde „unsere Vornamen-Landschaft immer größer, bunter und vielfältiger“. Die GfdS ermittelt seit 1977 die beliebtesten Vornamen. (http://www.heute.de)

 

Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung” an:  infobrief @ vds-ev.de.

 

Medienecho

Verein Deutsche Sprache gegen »Family Fashion-Center« -  Der Verein Deutsche Sprache (Sektion Mittelhessen) ist dafür, den Namen für das in der früheren Galeria Kaufhof geplante Einkaufszentrum in einem öffentlichen Wettbewerb zu ermitteln. Keinesfalls solle es »Familiy Fashion-Center« heißen. (Gießener Allgemeine, 11.7.2014)

 

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Hannah Herzsprung, Schauspielerin über das wunderschöne Deutsch in ihrem neuen Film "Die geliebten Schwestern"