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VDS-Infobrief 43. Woche

Presseschau vom 25. bis 31. Oktober 2010

  • Sorge um deutsche Sprache im Ausland
  • Deutsch in der Bank
  • Sterbende Sprachen
  • Aus der Sprachberatung: „überkandidelt”

Sorge um Ansehen der deutschen Sprache

Die deutsche Sprache als Wirtschaftssprache war das Thema in einer öffentlichen Anhörung des Unterausschusses Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik in Berlin unter Vorsitz von Harald Leibrecht (FDP). Sechs Sachverständige machten auf den Bedeutungsverlust der deutschen Sprache im Ausland aufmerksam. Laut Aussage des Biomediziners Ralph Mocikat verliert auch in Deutschland die deutsche Sprache an Ansehen. Sie sei in der Grundlagenforschung und ihrer praktischen Anwendung weder im In- noch im Ausland gefragt. Stattdessen bestimme Englisch als Lingua franca die Fachterminologien und Gutachten und sei ausschließliche Umgangssprache.

(Siehe auch: „Erkenntnisse in der Muttersprache” von Ralph Mocikat und Hermann H. Dieter, Sprachnachrichten 43 (September 2009), S. 5 unter vds-ev.de/sprachnachrichten)

Prof. Karl-Heinz Göttert, vormals Professor für Germanistik an der Universität Köln, argumentierte hingegen für Mehrsprachigkeit in Deutschland und für eine bessere Förderung der deutschen Sprache im Ausland. Weltsprachen habe es immer gegeben.

Laut der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper (FDP), sei die Zahl der „Deutschlerner“ weltweit von 17 auf 14 Millionen zurück gegangen. Die Mitglieder des Unterausschusses diskutierten parteiübergreifend über den sprachlichen oder wirtschaftlichen Erfolg von kulturellen Aktionen im Ausland. (bundestag.de/presse)

 

Deutsch in der Bank

Laut einer Studie des Kommunikations-Professors Frank Brettschneider in Zusammenarbeit mit Communication Lab und CLS Communication ist die Sprache mancher Banken komplizierter als eine Doktorarbeit. Die Finanzkrise gab den Anstoß zu dieser Studie. Brettschneider erklärte, dass eine Bank durch die Krise verlorene Vertrauen durch Sprache wiedergewinnen könne. Diese Chance würden viele Banken aber nicht nutzen. Stattdessen benutzen sie Fremdwörter, Passivkonstruktionen, Wortungetüme, Schachtelsätze und denglische Verballhornungen. (stuttgarter-zeitung.de)

 

Sterbende Sprachen

Die Weltkulturorganisation Unesco warnt vor dem Aussterben von Sprachen. In Deutschland gelten elf Sprachen als bedroht. Vor allem das Nordfriesische sei „ernsthaft gefährdet”. Die noch rund 10.000 Sprecher gehören zu älteren Generationen und geben ihren Nachkommen ihre Nordfriesisch-Kenntnisse selten weiter. Südjütländisch (nördlich und südlich der dänischen Grenze gesprochen) wird als „eindeutig gefährdet“ eingestuft. Plattdeutsch gilt als „bedroht”. Über einen Weg, das Sprachensterben aufzuhalten, wollen Politiker aus Bund und Land, Minderheitenvertreter sowie Wissenschaftler am 10. November auf einem Kongress zum Sprachenschutz in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung in Berlin diskutieren. (www.shz.de)

 

Aus der Sprachberatung: „überkandidelt“

Das Wort „überkandidelt” bedeutet so viel wie „zu viel des Guten” aber auch „überspannt”, „überdreht”, „etw. verrückt”, „übertrieben”. Es kommt vom norddeutschen kandidel „frisch”, „munter”, das letztlich auf das lateinische candidus „weiß” aber auch „heiter”, „fröhlich” zurückgeführt werden kann. Beispiel: „Wenn se wat drunken harr, denn weer se jümmer so kandidel” – „Wenn sie etwas getrunken hat, dann wird sie immer so überdreht”. Im Berliner Jargon kann „kandideln” auch „sich betrinken” heißen: „sich eenen ankandideln” (Die Sprachberatung ist ein Gemeinschaftsprojekt vom VDS und der Stiftung Deutsche Sprache: vds-ev.de/ag-sprachberatung).

 

Dies ist der VDS-Infobrief. Jede Woche sammeln Mitarbeiter der VDS-Geschäftsstelle Neuigkeiten und Nachrichten über die deutsche Sprache und  werten sie aus. Wir sichten die Presse, Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten, die in den Schlagzeilen stehen. Für eine bessere Übersicht fassen wir die Neuigkeiten zusammen. Handelt es sich um Meldungen aus dem Internet, sind die dazugehörigen Verweise angegeben. Wollen Sie diesen Info-Brief als E-Post erhalten, bitte Nachricht mit dem Betreff „Anmeldung“ an: infobrief @ vds-ev.de.

 

Medienecho

Über „unsere große Hure Duden“ beschwerte sich Hermann Schreiber im Hamburger Abendblatt. Er kritisierte, dass vom Duden alles, was im Sprachgebrauch auftauche, nach gewisser Zeit übernommen werde. Dabei schloss er in seine Kritik auch die meisten Sprachwissenschaftler mit ein, die behaupteten, dass Sprache nur beobachtet werden müsse und es keine Normen geben dürfe. Positiv erwähnt er den Einsatz der „unerschrockenen Deutschsprecher“ des Vereins Deutsche Sprache. („Unsere große Hure Duden“, Hamburger Abendblatt vom 27.03.2010)

 

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Sprüche

„Warum soll in deutschsprachigen Gebrauchsanweisungen nicht ‚Rechner' statt ‚Computer', ‚Luftkissen' statt ‚Airbag', ‚Programm' statt ‚Software' stehen?“

Christoph Böhr, Landesvorsitzender CDU Rheinland-Pfalz, in der Welt am Sonntag vom 11. 2. 2001