Gruppenleiterin

Stephanie Wichert
VDS e.V. Büro Dortmund

Bitte senden Sie Ihre
Anfrage an:
sprachberatung @ stiftung-deutsche-sprache.de

Suche auf der VDS-Seite

Drucken

Wortbedeutung und Etymologie

Frage:

"Könnt ihr mir vielleicht sagen, woher das Wort (über-) kandidelt stammt?"

Antwort:

Das Wort „überkandidelt“ bedeutet so viel wie überspannt, überdreht, etw. verrückt, überlustig, übertrieben.
Es kommt vom Norddeutschen „kandidel“ (= frisch, munter), das letztlich auf das lateinische „candidus“ (= weiß, aber auch: heiter, fröhlich) zurückgeführt werden kann.

Der DUDEN schreibt:
über|kan|di|delt [zu niederd. kandidel = heiter, lustig, wohl zu lat. candidus = heiter, →Kandidat]...

  • „Wenn se wat drunken harr, denn weer se jümmer so kandidel.“
  • „Denn geiht dat kandidel!“ („Dann geht's rund!“)


Im Berliner Jargon kann „kandideln“ auch „sich betrinken“ heißen (Quelle: Uni Hannover, Berliner Wörterbuch):

  • „sich eenen ankandideln“

 

Frage:

"Kann sein, dass ich völlig falsch bei Ihnen bin. Aber es interessiert mich sehr, woher das Wort Bürgermeister kommt. Ich bin selbst mit meinen Recherchen nicht weit gekommen. Können Sie helfen?"


Antwort:

Das Wort „Bürgermeister“ leitet sich ab von mittelhochdeutsch burgermeister, einer Zusammensetzung von mittelhochdeutsch burger „Bürger“ und meister „Meister“.

Das Wort „Bürger“ (ahd. purgari,mhd. burgære, im 16 Jh. häufig ohne Umlaut burger) machte folgende Stationen des Bedeutungswandels durch:

  1. Ursprünglich bezeichnete das Wort einen Burgbewohner, im Gegensatz zum Landbewohner. Da sich aber um die Burg oft eine Stadt gebildet hatte, so hieß es auch „die Bürger der Stadt“.
  2. Dann bezeichnete das Wort ganz allgemein „Einwohner der Städte“, ohne Bezug auf die Burg. Edelleute und Ritter waren Bürger (vgl. franz. bourgeois) im Gegensatz zu Bauern oder Landleuten.
  3. Seit dem 16 Jh. wurde der Begriff verallgemeinert: Bürger eines Landes, eines Reiches oder eines Staates.
  4. Schließlich Gleichstellung von „Bürger“ für „Bewohner“ (z.B. „Erdenbürger“).


Von der höfischen Verwendung des Wortes „Meister“ (lat. magister, mhd. meister) verbreitet sich ebenfalls eine Umdeutschung, und zwar als Bezeichnung der Würde eines Vorgesetzten und Leitenden einer Genossenschaft. Verschiedene Verwendungen waren möglich:

  1. Um die Hof- und Militärwürde auszudrücken (vgl. Hofmeister, Ceremonienmeister, Rittmeister, Zeugmeister, Waffenmeister).
  2. Um einen Leiter der Bürgerschaft zu bezeichnen (vgl. Bürgermeister, mittellat. magister civium).
  3. Schließlich um überhaupt jemanden zu bezeichnen, dem eine Leitung oder eine Aufsicht über irgendwelche Gesellschaften oder über irgend ein Geschäft anvertraut ist (die Art des Anvertrauten wird durch Zusammensetzung wiedergegeben (vgl. Kerkermeister, Stallmeister).

 

Frage:

Bei der Übersetzung des Musikwerkes  "Der Morgenstern ist aufgedrungen" (Michael Praetorius) ins Holländische, bereitet mir das Wort "aufgedrungen" Schwierigkeiten. Vielleicht können Sie mir ein (paar) Synonym(e) nennen, die die Bedeutung (für mich) enträtselt(-n).

Antwort:

Das Wort "aufgedrungen" kommt von "aufdringen" (neuniederländisch "opdringen"). Je nach Verwendung (intransitiv, transitiv oder reflexiv) hat das Wort verschiedene Bedeutungen:

intransitiv

  • empor dringen, aufsteigen
  • der Tag, die Morgenröte dringt auf
  • aus dem Gras dringen die Blumen auf
transitiv
  • aufnötigen
  • aufzwingen
reflexiv
  • sich aufdringen/aufdrängen