Gruppenleiter
(Denglisch im Unterricht)

Franz Aschenbrenner
Kalvarienbergweg 11
93413 Cham

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Franz Xaver Aschenbrenner - Die Behandlung von Denglisch im Unterricht

A - Anregung auf der "Idensen 2"

Unterstützung für Lehrer, die im Unterricht Denglisch behandeln möchten

Auf der Arbeitstagung "Idensen 2" in Paderborn vom 16. bis 18. Februar 2007 (Organisator: Dr. Reiner Pogarell, Institut für Betriebslinguistik) wurde angeregt, den Lehrern Unterrichtseinheiten für die Behandlung von Denglisch im Unterricht zur Verfügung zu stellen.

B - Beschreibung einer Methode, die Behandlung von Denglisch durchzuführen

Als Einstieg beschreibe ich im Folgenden eine von mir langjährig angewandte Methode, wie Denglisch im Unterricht behandelt werden kann - und zwar, wenn man will, ständig, d.h. (schul-)täglich.

Dieses Verfahren ist am leichtesten im Englischunterricht durchzuführen, läßt sich aber auch in Deutsch anwenden.

I - Behandlung von Denglisch als Unterrichtsprinzip im Englischunterricht

1 - Sammeln von (d)englischen Wörtern durch die Schüler

  • Die Schüler haben den Auftrag, ständig Zettel und Stift bei sich zu tragen und alle (d)englischen "Erscheinungen" schriftlich festzuhalten.
  • Die Funde werden (vor dem Schlafengehen) in ein Formblatt (DIN A4 - quer) eingetragen und in eine Folie (mit seitlich angebrachten Löchern) gesteckt.
  • Dieses Formblatt enthält folgende Punkte: Gefundener Ausdruck - Wann gefunden - Wo gefunden - Von wem verwendet - Bedeutung sofort erfaßt: ja / nein - Wenn 'ja': Bedeutung - Name des Finders - Klasse - Datum
  • Die (Loch-)Folie wird am nächsten Schultag im Klassenzimmer mittels Büroklammern an einer an der Wand befestigten Schnur aufgehängt. (Es entsteht so eine Art (d)englischer Fleckerl-Wandteppich.)
  • Der Lehrer verwendet die "aufgehängten" (d)englischen Wörter zur Erweiterung des englischen Wortschatzes der Schüler (sog. Wortfeldarbeit). Dabei wird geklärt, was die deutsche Entsprechung des gefundenen (d)englischen Wortes ist, welche verwandten Begriffe es gibt und was diese wiederum bedeuten.

2 - Sammeln von (d)englischen Ausdrücken durch den Lehrer

Auch der Lehrer bringt seine Funde in den Unterricht ein. (Dies zeigt den Schülern möglicherweise, daß der Lehrer bei der "Denglisch-Sache" mit Ernst dabei ist - und nicht bloß die Schüler beschäftigen möchte.)

Der Lehrer bietet aber nur solche Entdeckungen an, die besonders "deppert" und so anregend für eine Besprechung sind; sie werden deshalb auch nur mündlich vorgestellt, um nicht in dem "(d)englischen Meer" an der Wand unterzugehen.

3 - Auswertung der (d)englischen Funde in bezug auf ihre Verträglichkeit mit der deutschen Sprache

Schließlich wird erörtert, warum das gefundene (d)englischeWort im Deutschen verwendet werden könnte und ob dies sinnvoll ist. (Was unter "sinnvoll" im einzelnen zu verstehen ist, wird vom Lehrer nicht bestimmt, sondern soll sich aus dem Gespräch mit den Schülern (auf Englisch - es handelt sich ja um eine Englisch-Stunde) ergeben.

II - Durchführung von größeren Unterrichtseinheiten als Weiterführung der Dauer-Beschäftigung mit Denglisch

(D)englische Funde der Schüler bzw. des Lehrers, welche die Schüler bei der Besprechung als überflüssig, unverständlich, besonders "blöd" oder sonstwie kritisch beurteilen, können als Grundlage dafür verwendet werden, um z. B. mit den jeweiligen Denglisch-Verwendern ("Sprachtätern"?) Kontakt aufzunehmen - in englischer Sprache.

Die Mittel hierzu sind beispielsweise:

  • Briefe
  • Telefonate (aus dem Klassenzimmer)
  • Interviews (Gespräche mit Denglisch-Verwendern, z. B. in deren Geschäftsräumen)

Die Vorbereitung dieser Mittel erfordert von den Schülern intensive (englisch-)sprachliche Arbeit. Die Schüler lassen sich aber hierfür meist eher motivieren als für gewöhnliche Bucharbeit, weil es sich um eine Echt-Situation - im Gegensatz zu den künstlichen Vorgaben aus den Büchern - handelt.

(Es gibt selbstverständlich noch andere Mittel, mit denen sich die Schüler dem Thema Denglisch widmen können, z. B. Satiren.)

III - Behandlung von Denglisch als Unterrichtsprinzip im Deutschunterricht

Im Fach Englisch (D)englisch zu behandeln, benötigt keine gesonderte schulrechtliche Rechtfertigung: englische Wörter zu besprechen oder die Anwendung der englischen Sprache in Briefen und Gesprächen zu üben, ist eine Selbstverständlichkeit.

Denglisch kann aber auch im Deutschunterricht behandelt werden, ohne daß dies gesondert in den Lehrplänen erwähnt ist.

Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß in den Deutschlehrplänen der 16 Bundesländer Themen wie Wortschatzerweiterung, Fremdwörter besprechen, Briefe schreiben und Gespräche führen enthalten sind.

Dieser Rahmen genügt, um Denglisch auch im Deutschunterricht behandeln zu können - mit folgenden Unterschieden:

  • Das Sammeln bezieht sich auf unbekannte Wörter, sog. Fremdwörter jeglicher Herkunft - einschließlich (d)englischer Ausdrücke.
  • Die bei den Briefen bzw. Gesprächen verwendete Sprache ist Deutsch und nicht Englisch.

IV - Öffentliche Darstellung der Schülerprojekte

Ohne Zweifel ist es von Nutzen, wenn die besonderen Unterrichtseinheiten (Projekte) durch Berichte in den Medien über die Schulmauern hinaus bekannt werden.

Dies bewirkt einmal eine zusätzliche Motivation der Schüler und eröffnet die Möglichkeit, mehr Menschen bewußt zu machen, daß und wie die deutsche Sprache sich durch den Einfluß des Englischen ändert. Die Schülerprojekte werden so zu einer Art politischer Aktion.

C - Vorteile der dargestellten Methode

Der Vorteil der hier skizzierten Methode liegt im Folgenden:

  • Die Behandlung von "Denglisch" als möglicherweise abzulehnende Vermischung des Deutschen mit Englisch wird dem alltäglichen Unterricht nicht "aufgepfropft" ("Heute befassen wir uns mit Denglisch!"), sondern in den gewöhnlichen Unterricht eingebaut. Die nicht-gewöhnlichen Aktionen ergeben sich "ohne Gewaltanwendung" aus dem gewöhnlichen Unterricht. Die Behandlung von Denglisch erscheint nur als ein Mittel, die im Lehrplan vorgegebenen Ziele zu erreichen.
  • Hierfür ist eine ministerielle "Legalisierung" nicht erforderlich: Wörter- und Wortfeldarbeit dürften in jedem Lehrplan für Englisch und Deutsch in den schulischen Lehrplänen der 16 deutschen Länder als Lerninhalte vorkommen. (Eine ministerielle Empfehlung oder gar lehrplanmäßige Vorgabe, sich im Unterricht mit Denglisch zu beschäftigen - so in Bayern - , wäre selbstverständlich von Vorteil.)
  • Die Motivation, am Unterricht aktiv teilzunehmen, d. h. hier: die sprachlichen Fähigkeiten zu vergrößern, ist stärker als in einem Unterricht, in dem nur eine Buchlektion nach der anderen durchgenommen wird; ersteres ist aus dem "Leben gegriffen", letzteres künstlich eingerichtet.
  • Die Methode ist - zumindest äußerlich - sozusagen ideologiefrei, d.h. der Lehrer, welcher Denglisch gegenüber kritisch eingestellt ist, tritt vor der Klasse weder als "Missionar" (11. Gebot: "Du sollst nicht Denglisch sprechen!") noch als "Wolf" (Jeder, der Denglisch spricht, wird zerrissen.), sondern eher als "friedliches Schaf" auf. Die Ergebnisse bei der Besprechung der (d)englischen Wörter im Unterricht sind offen; die Vorgehensweise der Schüler bei der Kontaktaufnahme mit Denglisch-Verwendern vom Lehrer ist nicht gesteuert. Der vorgeschlagenen Methode können sich also alle Lehrer bedienen, selbst solche, die nichts gegen Denglisch haben oder dieses sogar lieben. Schon die bloße Beschäftigung mit Denglisch kann das Sprachbewußtsein der Schüler aber so schärfen, daß sie - das ist zumindest meine Erfahrung - eine kritische Einstellung gegenüber Denglisch entwickeln.