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Prof. Gert Ueding - Macht über Marionetten

Die Zerstörung der Kultur durch die Zerstörung der Sprache

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
"erhielte sich ein Staat durch Straßenbeleuchtung und Kanalanlagen, wäre Rom nie untergegangen" - das Bonmot stammt von Gottfried Benn, und es zielt auf den Optimismus einer technischen Zivilisation, die durch die stetige Vervollkommnung der technischen Ensembles von Dingen, Apparaten und Beziehungen ihre Reproduktion für immer gesichert glaubt.

Der heute so viel beredete Kampf der Kulturen konzentriert sich auf diesen Punkt, für Benn schon ein Schwachpunkt der modernen europäischen Gesellschaften, denen seiner Diagnose nach eine "immanente geistige Kraft", das einzige wirksame Mittel ihrer Erhaltung, fehlt. Man muß Benns Ausdrucksweise und den kunstmetaphysischen Ausweg nicht teilen, um seine Diagnose selber für zutreffend oder wenigstens bedenkenswert zu halten. Jedenfalls machen es sich diejenigen zu einfach, die die Verachtung, die unsere Kultur durch ihre Gegner zunehmend trifft, schlicht als bloßen Ausdruck des Neides auf die technischen Errungenschaften und den hohen Lebensstandard erklären, von Schwäche oder Niedergang aber nichts hören wollen.

Der Grund dafür liegt in einer Reduktion des sozialen Zusammenhangs auf Faktoren der ökonomischen Rationalität und auf die Bedingungen einer ideologisch neutralen Integrationsgesellschaft; deren Entlastungsfunktionen und Wunschprojektionen mit kulturellen Setzungen zu verwechseln gehört zu den alltäglichen Mystifikationen unserer beschränkten empirischen Welt.

Es gibt Begriffe, sagt Ludwig Wittgenstein, mit denen wir ständig ganz selbstverständlich umgehen, sobald wir aber zu ihrer Definition aufgerufen sind, geraten wir in Verlegenheit. Der österreichische Sprachphilosoph bezieht sich dabei auf eine Beobachtung, die Augustinus im 11. Buch seiner Confessiones schildert. "Was ist also die Zeit?" fragt er da und antwortet: "Wenn niemand mich fragt, weiß ich es; wenn ich es jemandem erklären soll, weiß ich es nicht."

Das ist eine uns allen vertraute Erfahrung, sie betrifft oftmals gerade diejenigen Begriffe, die uns am geläufigsten sind, auch die beiden Leit-Termini meines Vortrags: "Kultur" und "Sprache", gehören dazu.

Wittgenstein weist uns auch einen Ausweg aus dem Dilemma, indem er unbekümmert konstatiert, daß es doch gar kein Mangel sei, wenn viele Wörter "keine strenge Bedeutung" haben, jedenfalls solange unser Verständnis von ihnen so ziemlich mit der Art und Weise übereinstimme, in der das Wort gebraucht wird. Die uns jetzt interessierenden Begriffe Kultur und Sprache werden in ihrem Gebrauch, seit sie historisch faßbar sind, sehr eng aufeinander bezogen. Das zunächst freilich vor allem der Sache nach, denn unser moderner, durchaus uneindeutiger und verwaschener Kulturbegriff ist ein Produkt des 18. Jahrhunderts.

Doch zurück zum Hauptpunkt. Alles Nachdenken über die Eigenschaften und Leistungen menschlicher Produktivität geht ursprünglich nicht von dem aus, was Menschen mit anderen Lebewesen verbindet, etwa Triebabhängigkeiten oder das Angewiesensein auf Schutz und Nahrung, sondern das, worin er einzig ist. Der Mensch als zoon logon echon, als das Wesen, das Sprache hat, so Aristoteles, ist auch auf rednerische Verständigung angewiesen, um überleben und lebensdienlich handeln zu können.

Sein Lehrer Platon läßt den Rhetor Protagoras, also jenen Mann, dessen Wort vom Menschen als Maß aller Dinge auch heute noch in unserem Munde ist, im gleichnamigen Dialog den Mythos von der Entstehung der menschlichen Gesellschaft erzählen. Ich will uns nur soviel davon in Erinnerung rufen, daß die Menschen auch die Sprache dem revolutionären Diebstahl des göttlichen Feuers durch Prometheus verdanken, daß sie aber immer noch schwächer waren als die Tiere und sich zudem selber ausrotteten, weil sie keine bürgerlichen Tugenden besaßen. Die hat ihnen dann Hermes im Auftrage des Zeus verliehen - Hermes, den Protagoras "der Zuneigung Vermittler" nennt.

Diese bürgerlichen Tugenden (es sind Gerechtigkeit und Besonnenheit) werden nun unterschiedslos allen Menschen verliehen, nicht nur einzelnen wie die Künste und Techniken. Doch, und dieser Zusatz ist entscheidend, wirksam und praktisch vermögen auch die bürgerlichen, auf die Polis bezogenen Tugenden nur durch eine weitere, dem Hermes zu verdankende Stiftung zu werden, nämlich durch die Institution der "Beratung".

Lassen wir Protagoras mit dieser seiner Folgerung nun selber (wenngleich über Platon vermittelt) zu Worte kommen: "Wenn sie (die Menschen) [...] zur Beratung über die bürgerlichen Tugenden gehen, wo alles auf Gerechtigkeit und Besonnenheit ankommt, so dulden sie mit Recht einen jeden, weil es jedem gebührt, an dieser Tugend Anteil zu haben, oder es könnte keine Staaten geben. Dieses, o Sokrates, ist hiervon die Ursache", so schließt der Redner seine Geschichte.

Es ist also die Institution der Beratung über das bürgerlich Gebotene und Nützliche, die erst jene Übereinstimmungen faßt, mit deren Hilfe der Mensch seinen Mangel, nämlich nicht mittels fester Strukturen und Regelungen mit der Natur verfugt zu sein, ausgleicht - ja aus dieser Not sogar eine Tugend macht und zuletzt dank solcher Kompensation die Natur beherrscht. In diesem Mythos spricht sich eine Überzeugung aus, die europäischer Gemeinbesitz werden sollte: die jedem und nicht nur dem Spezialisten offenstehende Institution der Beratung als Ort, an dem über das bürgerlich jeweils Gebotene gestritten und Übereinstimmung erzielt wird, ist auch noch das Fundament aller demokratischen Einrichtungen unserer Gesellschaft. Daß Platon, der bekanntlich zur Demokratie ebenso wie zur Rhetorik ein ambivalentes Verhältnis besaß, ausgerechnet einem prominenten Rhetor diese Ursprungsgeschichte in den Mund legt, zeigt das Bewußtsein von der engen Verknüpfung spezifisch menschlicher Leistungen mit der Sprache.

Vollends deutlich spricht sich dieser Zusammenhang in der römischen Rhetorik aus, deren alles überragender Repräsentant daher hier auch noch zu Wort kommen muß: Cicero natürlich, der in seinem großen Lehrdialog "De oratore", "Über den Redner", den Fortschritt des Menschen aus einem wilden und gleichsam tierischen Naturzustand heraus gleichfalls mit der Sprache und ihrer Pflege zusammenbringt. "Dies eines ist doch unser wesentlichster Vorzug vor den Tieren", heißt es da noch ziemlich am Beginn des 1. Buches, "daß wir miteinander reden und unseren Gedanken durch die Sprache Ausdruck geben können. Wer sollte darum nicht mit Recht bewundernd daran denken und es der höchsten Mühe wert erachten, in dem einen Punkt, in dem die Menschen einen wesentlichen Vorzug vor den Tieren haben, die Menschen selbst zu übertreffen? Ja, welche Macht sonst, um zum Allerwichtigsten zu kommen, vermochte die zerstreuten Menschen an einem Orte zu versammeln, sie von einem wilden und rohen Leben zu unserer menschlichen und politischen Gesittung hinzuführen oder schon bestehenden Staatswesen die Gesetze, Gerichte und Rechtsnormen vorzuschreiben?

Um nicht weitere Einzelheiten anzuführen - denn es gibt fast unzählige - fasse ich mich kurz: Ich stehe nämlich auf dem Standpunkt, daß sich auf das Walten und die Klugheit des wahren Redners nicht nur sein eigener Rang, sondern auch das Wohl der meisten Privatpersonen und des gesamten Staats entscheidend gründet. Setzt darum fort, ihr jungen Leute, was ihr tut, und konzentriert euch auf das Studium, in dem ihr steht, damit ihr etwas sein könnt, was euch Ehre, den Freunden Nutzen und dem Staate Vorteil bringt." Das ist mit einem uns fremd gewordenen Pathos formuliert, und ich kann mir nicht versagen, diese möglicherweise höchst spekulativ erscheinenden Thesen wenigstens im Vorübergehen mit einigen Ergebnissen der modernen Wissenschaften zu vergleichen: es gibt da verblüffende Übereinstimmungen.

Von der Zähmung des Feuers als Grund-Errungenschaft des Homo erectus angefangen, mit dessen Hilfe er Waldbestände roden, seine Nahrung kochen und Schutz vor den Unbilden der Natur und seinen Feinden finden konnte. Dieser Homo erectus nun teilte sich vor einer halben Million Jahren in zwei Linien, deren eine, diejenige des Neandertalers, auf die Ausbildung physischer Fertigkeiten in direkter Konkurrenz zur Tierwelt setzte und die lautliche Verständigung auf das Reiz-Reaktionsschema eines rudimentären Repertoires beschränkte: die Lage und Gestalt von Kehlkopf, Schädelbasis und Zunge gestattete nicht mehr. Der Neandertaler starb vor etwa 35000 Jahren aus. Die andere Linie erwies sich als die eigentlich überlebensfähige und zukunftsträchtige, der sogenannte Homo sapiens sapiens vervollkommnete seinen Stimmapparat, die Schädelbasis veränderte sich, der Gaumen erhielt seine Wölbung, die Zunge rundete sich nach hinten. Das Kommunikationsmittel Sprache hatte sein optimales Instrument gefunden, soziale Beziehungen wurden möglich, differenzierte künstliche Strategien des Überlebens und der Realitätsbewältigung ebenfalls: dazu gehörten auch Bestattungs- und Hochzeitsriten sowie religiöse Praktiken - insgesamt also kulturelle Errungenschaften.

Wahrscheinlich läßt sich dies alles nicht völlig entschlüsseln, doch es liegt nahe, daß es die Sprache war, die dieser menschlichen Entwicklungslinie den entscheidenden Vorrang vor derjenigen der Neandertaler im Kampf ums Dasein verschafft hat. Dies nur am Rande. Für unser Thema interessanter erweist sich der Umstand, daß es auch der Rhetor und Advokat Cicero war, der den Kulturbegriff auf eigene Weise gebrauchte. Wenn er von cultura animi oder cultus animi spricht, was hier soviel wie "Pflege des Geistes" meint, so betont er die aktive Bedeutung, die Tätigkeit, den Prozeß, die Entwicklung, nicht das Resultat, wie es meist geschieht und auch etwa Tacitus meint, wenn er vom tristen Zustand der germanischen Kultur spricht. Cicero weiß um die Unvollkommenheit und ständige Gefährdung der Kultur, gerade auch wo sie nicht Ackerbau oder Weinveredlung meint, sondern den menschlichen Geist, menschliche Verhältnisse betrifft.

Zur cultura animi in seinem Verständnis gehört notwendig die humanitas, der er gleichfalls eine eigene Wendung gab. Denn die Griechen bezeichneten mit Philanthropie zwar ein menschenfreundliches Denken und Verhalten, ein liebenswürdiges und freigebiges Mitfühlen, dessen Erregung im rhetorischen Überzeugungsprozeß eine wichtige Rolle spielte, doch war darin immer eine Art wohlwollender Herablassung enthalten. Solche Menschenfreunde sind Götter und Heroen, hochgestellte Personen insgesamt, und wer ihnen nacheiferte, erstreckte seine Sympathie nicht auf den Menschen in seiner Menschlichkeit, sondern etwa auf die Bürger der eigenen Polis oder die Mitglieder der eigenen Sprachgemeinschaft und versprach sich auch einen Vorteil von solchem Verhalten.

Erst die römische Antike brachte einen eigenen Akzent, eine aktive und kämpferische Note in den Begriff, und es war der Redner Cicero, der dem Ideal der humanitas die praktische Dimension eröffnete. In seinen Verteidigungsreden bestimmt es die ethische Argumentation gegenüber der immanitas einer ungerechten, ungeheuerlichen Anklage. Bestialität, Grausamkeit, Barbarei sind die Gegenbegriffe, und Humanität bewährt sich im Kampf gegen solche Unmenschlichkeit. Mit diesen knappen Hinweisen mag es genügen, sie zeigen alle in dieselbe Richtung: der Mensch als das Wesen, das Sprache hat, beherrscht und gestaltet die widerständige Wirklichkeit über einen Umweg, indem er sie nämlich übersetzt, sich also argumentativ mit ihr auseinandersetzt und nicht mehr oder nicht mehr allein physisch. Er gewinnt ein Stück Freiheit von den unmittelbaren Zwängen der Natur, von Handlungsnötigung und Anpassungsdruck, indem er sich derart rhetorisch verhält.

Die Rhetorik hat dieses in der Sprache selber liegende Potential aufgegriffen und dann zu einer Kunst, einer Wissenschaft und schließlich einem Lebensideal entwickelt. Überlegungen dieser Art haben Nietzsche zu dem vielzitierten Satz gebracht: Alle Sprache ist Rhetorik, weil ihr grundsätzliches Verfahren das der Übertragung ist. An einer Schlange zum Beispiel greift sie ein Merkmal heraus, das sich windende eben, und überträgt es als Bezeichnung auf das ganze Lebewesen: Metonymie hat die Rhetorik diese Art des metaphorischen, bildhaften Sprechens genannt, die das Teil für das Ganze setzt.

In Nietzsches Denkrichtung weitergehend, hat ein Philosoph unserer Tage, Hans Blumenberg, die Abhängigkeit unserer Kultur von diesem Prozeß rhetorischer Stellvertretung noch schärfer gefaßt: "Sie (die Rhetorik) ersetzt nicht nur die theoretische Orientierung für die Handlung; bedeutender ist, daß sie die Handlung selbst zu ersetzen vermag. Der Mensch kann nicht nur das eine anstelle des anderen vorstellen, sondern auch das eine anstelle des anderen tun. Wenn die Geschichte überhaupt etwas lehrt, so dieses, daß ohne diese Fähigkeit, Handlungen zu ersetzen, von der Menschheit nicht mehr viel übrig wäre."

Diese Gründe gilt es zu begreifen (und deshalb entfalte ich sie hier so weit wie möglich), wenn wir die Rhetorik nach ihrer kulturbringenden, kulturproduzierenden Seite hin in den Blick bekommen wollen. Denn die Verfahren, die nötig sind, Handlungen zu ersetzen in öffentlichen und privaten, rechtlichen, politischen und artistischen Angelegenheiten, können sich natürlich nicht auf rein formale Methoden der Vervollkommnung des Redens und Argumentierens beschränken, sie bedürfen des ganzen Umfangs an menschlichem Wissen. Ein Redner ohne gründliche Kenntnisse und Allgemeinbildung ist verloren, sagt Cicero.

Doch umgekehrt gilt ebenso, daß Wissen erst menschlich wird, wenn es reden gelernt hat: "Rede, das ist die vermenschlichte Welt" - so hat es Adam Müller, der Rhetor und Freund Heinrich von Kleists, ausgedrückt. Ich kann diese Zusammenhänge nur streifen, doch lassen Sie mich noch die Bemerkung machen, daß aus allen diesen Gründen die Rhetorik nicht nur den Gedanken und die Konzeption der Allgemeinbildung in die europäische Welt gesetzt, sondern auch eine Gedächtniskunst geschaffen hat, die aus unserer Kultur nicht wegzudenken und auch nicht durch technische Speichermedien zu ersetzen ist.

Schließlich kann nach allen Zeugnissen, die ich angeführt habe, auch nicht zweifelhaft sein, daß die Rhetorik seit ihrer Entstehung im 5. Jahrhundert in Sizilien und Griechenland, und zwar nach dem Sturz der Tyrannenherrschaft, sehr sensibel auf Verfallserscheinungen der Sprach- und Redekultur reagiert und darin immer die Spuren eines generellen Kulturverfalls verfolgt hat. Ihr Entstehen als einer eigenen Disziplin verdankt sie, ich sagte es schon, einer politischen Krisensituation.

Dann schreibt Aristoteles seine Vorlesungen über Rhetorik und sein Lehrbuch zur rhetorischen Argumentation, die beide Grundbücher des Faches werden sollten, in einer Zeit, da sich Bildung in zahllosen Schulen zersplitterte und die Redekunst vor allem von einem Heer von Wanderlehrern (wir würden heute sagen: Rhetorik-Trainern) verbreitet wurde, die in der Überwältigung des Publikums und in rhetorischer Machtentfaltung den höchsten Redezweck erblickten. Cicero, um ihn als nächsten zu nennen, beginnt sein Buch über den Redner mit der Beschreibung der allgemeinen Staatskrise und seinem rednerischen Kampf "gegen die Fluten, die ich daran gehindert hatte, alles zu verheeren", um sodann den Mangel an Rednern zu bedauern, die dem römischen Volk und Staat die Gefahr des Niedergangs abwenden könnten.

Auch Quintilian, der erste vom Staat bestellte Professor der europäischen Geschichte, setzt an den Anfang seines wirkungsmächtigen Lehrbuchs über die rhetorische Ausbildung die Diagnose des Verfalls von Kultur und Beredsamkeit, Tacitus wird ihm darin folgen, und ich könnte so fortfahren mit der Aufzählung von illustren Zeugen meiner These über den notwendigen Zusammenhang von Sprach- und Kulturzerstörung. Daran hat sich auch in der Neuzeit nichts geändert. Um die verheerenden und anhaltenden Folgen zu überwinden, die die Katastrophe des 30jährigen Krieges in Deutschland hinterlassen hatte, fordert Leibniz die "Wiederbringung der teutschen Beredsamkeit", seine "Ermahnung an die Teutschen, ihren Verstand und Sprache besser zu üben", gipfelt in dem Imperativ, "Verstand, Gelehrsamkeit und Beredsamkeit" zu vereinen.

Zusammen mit Christian Thomasius, diesem "deutschen Gelehrten ohne Misere", wie Bloch ihn genannt hat und der als erster seine Vorlesungen in deutscher Sprache hielt, hat Leibniz wohl am meisten zur Verankerung der deutschen Rhetorik an deutschen Universitäten und schließlich in der Schulausbildung beigetragen. Johann Christoph Gottsched, der von überschwenglichen Genies und einer introvertierten, verkommenen Germanistik geschmähte Leipziger Professor, wird die kulturpolitischen Projekte seines philosophischen Gewährsmanns Leibniz in vollem Umfang aufnehmen und zum Erfolg führen.

Seine weitgespannten Tätigkeiten sind kaum zu überblicken. Sein Bemühen um eine einheitliche deutsche Sprache für allen höheren Verkehr, um die Übertragung der lateinisch dominierten in eine deutsche Rhetorik, um eine deutsche Nationalliteratur und ein deutsches Nationaltheater, sein Versuch, die von ihm gegründete Leipziger "Deutsche Gesellschaft" zu einer deutschen Sprachakademie zu erheben - alle diese Tätigkeiten waren Aspekte einer im Kern rhetorischen Strategie zur Kultivierung des deutschen Bürgertums. Ich scheue mich nicht zu sagen: Wenn wir uns heute trotz mancher Einbußen und Gefahren, von denen noch die Rede sein wird, dennoch in einer allgemeinen und gebildeten Sprache über durchaus ungewöhnliche, ja komplizierte Themen verständigen können, so ist es das Verdienst dieses Mannes, dem ein Denkmal zu setzen unserer Sprachgemeinschaft wohl anstünde.

Es bleibt merkwürdig, daß der Konsens, den Gottsched herstellte und der sich tatsächlich in einer Festigung deutscher Rhetorik und Beredsamkeit niederschlug, gerade ein Jahrhundert anhielt, wenn man den Beginn mit Thomasius und Leibniz datiert. Der vorhin zitierte Adam Müller jedenfalls wird 1812 in Wien schon ein Programm mit dem Titel "Zwölf Vorlesungen über die Beredsamkeit und deren Verfall in Deutschland" ankündigen, der deutschen Literatur ihre Stummheit und "Beschreibsamkeit" vorwerfen und die deutschen Wissenschaftler als Redner beschreiben, "die eigentlich niemanden anreden, sondern in sich selbst hineinsprechen".

Ich frage mich manchmal, welche Urteile alle diese skeptischen Rhetoren und Sprachkritiker wohl über den heutigen Stand der Kultur in unserem Lande fällen würden? Sogar Jacob Grimms Vorwort zum Deutschen Wörterbuch, 1854, beginnt schon in einem Ton, der ganz Hegels schönem Bild entspricht, wonach die Eule der Minerva erst in der Dämmerung ihren Flug beginnt, dann nämlich, wenn der Tag schon zur Neige gegangen ist. "was haben wir denn gemeinsames als unsere sprache und literatur?" heißt die auch heute noch bewegende Leitfrage des Riesenprojekts.

Daß es von jedem "Verdacht nationalistischer Deutschtümelei" frei sei, hat kürzlich noch Rolf Hochhuth, ein ganz unverdächtiger Zeuge, hervorgehoben, denn Jacob Grimm läßt kein gutes Haar an jenem engstirnigen Purismus, der sich nicht genug damit tun kann, "das fremde, wo er seiner nur gewahr werden kann, feindlich zu verfolgen und zu tilgen, mit plumpem hammerschlag [...] seine untauglichen waffen (zu schmieden)." Doch kann er gerade deshalb seine aktuelle Diagnose um so freimütiger stellen: "Allmählich begann jener widerwille gegen den fremden laut sich abzustumpfen [...]. auf diesem standpunct sank das gefühl für die eigne sprache noch mehr und den fremden wörtern wurde der zugang ohne noth erleichtert: man suchte nun eine ehre darin, das heimische aufzugeben und das fremde an dessen stelle zu setzen."

Uns Heutigen kommt solche Rede nicht einmal mehr prophetisch vor, so sehr haben wir uns an den darin beschriebenen Zustand nicht nur gewöhnt, sondern auch angewöhnt, ihn gut und modern und dem heutigen Weltzustand angemessen zu finden. Wie weit die Resignation schon gediehen ist, macht das Geschehen um die sogenannte Sprachreform unserer Tage sichtbar. Dieses groteske Werk einiger Sprachtechnokraten und ihrer politischen Handlanger in der Kultusministerkonferenz soll selbst nach seinem offensichtlichen Scheitern an den eigenen Widersprüchen noch unnachsichtig durchgesetzt werden. Die Diskussion darüber, selbst wo sie kenntnisreich und belangvoll ist, verhallt ungehört.

Das ist das Gegenteil von Kultur, und ich meine damit jetzt nicht nur Sprachkultur, sondern auch politische Kultur. Denn das Prinzip der Beratung, von dem anfangs die Rede war und das den Kern der europäischen Kultur bildet, wird von jenen Ministern aus ökonomischem Opportunismus, fehlverstandener Ausländerpolitik und einem politischen Starrsinn, der eine Gestalt der Dummheit ist, preisgegeben.

Das Buch, in dem diese Haltung als spezifisch deutsches Kennzeichen bis heute gültig beschrieben wird, ist fast zweihundert Jahre alt, doch in seinen wichtigsten Thesen kein bißchen veraltet. "Das Deutsche ist eine herrliche Sprache für Poesie [...], aber sehr prosaisch in der Unterhaltung", meinte Madame de Staël in ihrem berühmten Buch "Über Deutschland" und fügte sogar noch hinzu, daß auch diese Prosa sich mehr an der Schriftsprache als am mündlichen Gebrauch orientiere. Darin sah sie einen Hauptgrund für das mangelnde Interesse ihrer Landsleute und der meisten Ausländer an der deutschen Sprache: eine vielleicht immer noch höchst bedenkenswerte Diagnose, wenn heute zum Beispiel vom "schwindenden Interesse an der deutschen Sprache im Ausland" die Rede ist - so etwa im letzten Jahr auf dem Erlanger Germanistentag oder in den Rechenschaftsberichten der Goethe-Institute.

Denn Ziel und Methodik der Fremdsprachendidaktik haben sich in den letzten Jahrzehnten in ganz Europa stark verändert. Nicht mehr die Literatur als der schließlich differenzierteste und beste Sprachgebrauch ist das wichtigste Übungsfeld und Beispiel, sondern die täglich gesprochene Sprache; der Schüler soll nicht mehr befähigt werden, Balzac oder Proust, Shakespeare oder Faulkner im Original zu lesen und zu verstehen, er soll sich im Alltag des jeweiligen Landes orientieren, dort eine Unterhaltung und möglicherweise fachliche Diskussion bestreiten oder seine beruflichen Interessen wahrnehmen können.

Dieser Paradigmenwechsel von der literarischen zur alltäglichen Sprachpraxis erscheint so zwingend, daß er nirgendwo recht bemerkt, gar bedacht wurde. Ebendeswegen wollen wir ihn in Frage stellen. Die Sprache wird dabei auf ihre trivialen und bescheidenen Funktionen eingeschränkt, die Grenzen tatsächlicher Verwendung halten auch das Denken in den etablierten Mustern. Selbst der Deutschunterricht an unseren Schulen hat sich längst dieser Tendenz anbequemt: Zeitungs- und Trivialtext-Lektüre sind gleichberechtigt neben die Lektüre weniger Dichter getreten.

Die Schüler werden durch solches Sprachenlernen auf ein enges empirisches Universum begrenzt und damit unselbständig und abhängig in allen Fragen, die einen umfassenderen Zusammenhang und Erkenntnisbereiche jenseits des gesunden Menschenverstandes betreffen. Die literarische Sprache ist zwar niemals deckungsgleich mit dem alltäglichen Sprechen, umfaßt es aber gleichwohl mit, so daß der literarische Diskurs - und sei es nach kurzer Umgewöhnung - durchaus taugliche Fertigkeiten für die gewöhnliche Verständigung liefert: doch eben darauf sich nicht beschränkt.

Was Gottfried Benn, um ihn noch einmal zu zitieren, die "produktive Substanz" nannte, ist jene Dimension der Sprache, um die der gegenwärtige Sprachunterricht verkürzt wurde. Die Rede-Kompetenz, der der Markt bedarf, geht nicht über die pragmatische Orientierung in den von den ökonomischen oder politischen Eliten definierten Handlungsräumen hinaus, ja es besteht gerade ein Interesse daran, das Denken der Bürger auf die Tatsachen der unmittelbaren Erfahrung zu fixieren und das Interesse nicht etwa auf die Faktoren zu lenken, die hinter ihrem verhüllenden Vorhang wirksam sind.

Derart findet eine schleichende, versteckte und natürlich verführerisch maskierte Zerstörung der Kultur statt, denn sie wird von allen den täglichen Ablauf der Geschäfte behindernden, irritierenden, überschreitenden Momenten sozusagen "gereinigt".

Daß im Zeichen der neuen Medien und unter dem Schlagwort der Globalisierung der Sprachunterricht nochmals auf die unmittelbaren Zwecke alltäglicher Nützlichkeit verkürzt wird, läßt sich schon an den Berichten ablesen, die die Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Goethe-Institute füllen. Deren Kampf ums Überleben eröffnet ein weiteres trübes Kapitel der deutschen Sprachpolitik, nachdem man hierzulande offenbar mehr und mehr davon überzeugt ist, daß die Deutschland-Werbung von den Werbeagenturen wirksamer betrieben wird als von den Sprachlehrern oder gar jenen Schriftstellern, die man auf schlechtbesuchte Lesereisen durch die Welt schickt.

Das ist gar nicht einmal falsch, denkt man, wie wir es längst eingeübt haben, nur noch in Quoten. Doch läßt sich der Weg zum Wissen auch bei der Redefähigkeit nicht beliebig kürzen, und haltbare Überzeugungen vermittelt keine Sprache, die schnell für den täglichen Umgang eingepaukt wird. Wir alle führen gewöhnlich den nahezu universalen Siegeszug des Englischen als wichtigste Ursache für die mangelnde Attraktivität anderer europäischer Sprachen an. Das leuchtet auf den ersten, aber auch nur auf den ersten Blick ein.

Gewiß übertrifft die Verbreitung des Englischen diejenige aller anderen europäischen Sprachen, gewiß hat es sich in vielen, gerade den heute dominierenden Wissenschaften und ihren Techniken durchgesetzt, und ohne Zweifel kommt man mit ihm auch als Reisender am weitesten - und sei es mit Hilfe des Pidgin-Englisch bis zu den fernsten Rändern des alten Kolonialreiches. Die reale ökonomische und politische Macht erhöht die Attraktivität einer Sprache, das ist eine Binsenweisheit, doch macht sie den Rückfall des Deutschen gerade in der Konkurrenz um den zweiten Platz im Fremdsprachenerwerb in Europa nicht etwa verständlicher.

In Europa ist der deutsche Sprachraum der größte, noch vor dem französischen oder gar spanischen und italienischen, und die Wirtschaftsmacht, die das Deutsche repräsentieren könnte, steht in der Europäischen Union an der Spitze.

Dennoch wählen immer mehr Franzosen statt des Deutschen als zweite Fremdsprache das Spanische, sinkt der Anteil der deutschsprechenden Ausländer in Osteuropa rapide und gelingt es nur mit massiven politischen Interventionen, die Rechte des Deutschen als Konferenzsprache der EU wenigstens einigermaßen zu wahren. Sogar auf dem (gemeinsam beschlossenen) Papier rangiert Deutsch nach Englisch und Französisch erst an dritter Stelle, ist in der Realität aber noch sehr viel weiter abgeschlagen: allenfalls ein Prozent der EU-Dokumente ist auf Deutsch abgefaßt, es gibt deutsche Beamte und Mitarbeiter in Brüssel, die das Englische, manchmal gar das Französische besser beherrschen als ihre Muttersprache, und deren Gebrauch sie daher, wo immer es geht, vermeiden.

Ein Kenner der Materie, der Tübinger Ordinarius für Öffentliches Recht, Thomas Oppermann, befand kurz und bündig: "Linguistische Unterwürfigkeit mag hier mit musterknabenhaftem Herausstellen eigener Fremdsprachenkenntnisse Hand in Hand gehen." Und sein Fazit: "Deutsch ist als dritte Arbeitssprache mittlerweile weit abgeschlagen."

Denn mit dem Beitritt Großbritanniens trat das Englische als weitere Arbeitssprache neben Französisch und Deutsch. 1997 "lag der Gebrauch (des Englischen) im inneren Dienstbetrieb der Gemeinschaft (...) bei 45,3 % der Vorgänge, der französischen Sprache bei 40,4 %, während das Deutsche 5,4 % erreichte." Das katastrophale Verhältnis wird sich in den seither vergangenen fünf Jahren nicht verbessert haben.

Deutsche Sprachpolitik zeichnet sich durch Ignoranz, Gleichgültigkeit, Unentschiedenheit und eine grenzenlose Anbiederungslust aus, die bis zur Selbstaufgabe reicht. Auch hängt die Anziehungskraft einer Sprache noch von einer Fülle weiterer Faktoren ab, von denen übrigens die touristische Attraktivität des Landes nicht der unwichtigste ist.

Frankreich steht unter den Reiseländern an der Spitze, und das ist nicht allein Folge begünstigter geographischer und klimatischer Verhältnisse. Das Selbstbewußtsein, mit dem es sich als Spitzenprodukt der kulturellen und politischen Geschichte Europas präsentiert, grundiert die Speisekarte jedes auch nur einigermaßen belangvollen Restaurants, leuchtet aus den feudalen Hochburgen an der Loire ebenso wie aus den Denkmälern der Großen Revolution und ist in den Sälen des Louvre genauso gegenwärtig wie in den Cafés im Quartier Latin.

Man vergleiche dagegen das kleinkarierte Gerangel um den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, das schlechte Gewissen, das sich am Nürnberger Nationalmuseum entzündet, die mediokre Verlegenheit, mit der die Bedeutung Weimars für die europäische Kultur auf eine Provinzattraktion heruntergeschraubt wird.

"Die Sprache spricht", hat Heidegger (in anderem Zusammenhang) gesagt, und jede Sprache spricht in höchst einmaliger, durch kein anderes Idiom zu ersetzender Weise aus, wie ein Volk seine Welt und die Natur vermenschlicht hat. Madame de Staël empfahl ihren französischen Lesern Deutsch als die Sprache Goethes und Schillers, Schlegels und Tiecks; in Rußland lernte man Deutsch, um E.T.A. Hoffmann, Brentano, Heinrich Heine im Original lesen zu können; und in Italien wollte man sich einst ohne den Umweg der Übersetzung von Kant, Hegel, Schopenhauer inspirieren lassen.

Doch hat die geistige Kultur Deutschlands an Glanz und Bedeutung verloren. In ihr wird nichts Weltbewegendes mehr verhandelt, ihre Themen sind bloß von regionalem Interesse, und was sie an individualistischen Flausen hervorbringt, ist einen Tag später schon vergessen. Die deutsche Sprachkulturelite, so bemerkte es der unermüdliche Streiter für das Deutsche in der EU, Werner Voigt, "rede im Ausland lieber Englisch, selbst wenn die Gesprächspartner lieber Deutsch reden könnten und wollten."

Deutsche Schriftsteller sorgen sich mehr um die amerikanische Politik in Afghanistan als etwa darum, daß die sogenannte Oberstufenreform auf eine weitere Verkürzung des Literaturunterrichts hinausläuft (in Baden-Württemberg zum Beispiel werden anstelle der bisher auch nicht stattlichen Zahl von acht nur noch sechs Literaturwerke in den letzten beiden Klassen, also in zwei Jahren, besprochen, und der Deutschunterricht wird um eine Stunde verkürzt, gemessen am Angebot bisheriger Leistungskurse).

Das in Talkshows und anderen modern geschminkten Stammtischrunden geübte Meinungsgerangel bedient sich zudem eines Stils, in dem der platte Gemeinplatz und ideologischer Schematismus vorherrschen. Hinzu kommt noch ein Grund, der schon gelegentlich angeklungen ist und den wiederum Madame de Staël bereits bemerkt hat, nämlich der typisch deutsche "Mangel an Vorurteilen zu ihren (also der Deutschen) Gunsten". Wie soll man andere von der Schönheit, dem Reichtum, der welterschließenden Kraft der eigenen Sprache überzeugen, wenn man selber daran zweifelt?

Goethes Faust drängte es, die Bibel "in mein geliebtes Deutsch zu übertragen", und mehr als eineinhalb Jahrhunderte, bis zur Reichsgründung 1870, galt wenigstens (wir hörten als Beispiel Jacob Grimm) den deutschen Intellektuellen der Sprachpatriotismus als das sicherste Unterpfand der ersehnten staatlichen Einheit.

Davon ist nichts geblieben. Noch nie haben Schriftsteller so schludrig geschrieben, haben Politiker seichter und ungeschliffener geredet, Journalisten gewissenloser und opportunistischer geschrieben, ist die deutsche Sprache an deutschen Schulen mehr vernachlässigt worden als heute - von der Sprache in Werbung und Massenmedien ganz zu schweigen.

Nur die Franzosen kämpfen noch gegen den Sprachimperialismus des Englischen, ihr Stolz auf die eigene Sprach- und Rede-Kultur ist ungebrochen und ihre europäische Sprachpolitik hartnäckig und kompromißlos. Sollen etwa sie mit dem Deutschen eine Sprache lernen, die sich selber schon aufgegeben hat und die man in Deutschland nicht einmal den Immigranten so recht zumuten will und die in der politischen Werbung eines ihm direkt benachbarten deutschen Bundeslandes als unwesentlich diffamiert wird? "Wir können alles außer Hochdeutsch", heißt die mit Denkarmut protzende Teufels-Parole, deren Erfolg - die Werbeagentur, die sich das ausgedacht, heimste schon einen Preis dafür ein - die Einstellung der Deutschen zu ihrer kulturellen Tradition aufs schönste denunziert.

Darüber hinaus die Diagnose der Dichter ein weiteres Mal bestätigt, für die ein Landsmann Erwin Teufels - Hermann Hesse nämlich - deutliche Worte fand: "Es ist ein Fluch, in einem Volk als Dichter zu leben, das seine eigene Sprache nicht kennt, nicht liebt, nicht pflegt, nicht schützt (...). Es gibt in Europa kein andres Land, in dem man Professor, Arzt, Minister, Kult(us)minister, Akademiemitglied, Ehrendoktor, Bürgermeister und Abgeordneter werden kann, alles ohne seine eigene Sprache anständig reden und schreiben zu können."

Daß es inzwischen genug andere Länder gibt, in dem eben solche Karrieren gleichfalls das Übliche geworden sind, hebt das Skandalon nicht auf. Beinah überall in Europa hat sich zudem eine Entlastungs-Pädagogik durchgesetzt, die die Wege des geringsten Widerstands kultiviert und eine Höchstzahl an Schulabsolventen mit allgemeiner Nivellierung ihrer Bildung erkauft. Längst ist es soweit gekommen, daß unsere Kultusminister, die besser, weil zutreffender, die Amtsbezeichnung "Kulturvernichtungsminister" trügen, die Eliminierung angeblich veralteten Wissens aus den Lehrplänen als Reform verkaufen und dies auch unwidersprochen tun können. Auch das eine Konsequenz des Bildungsdefizits der politischen Elite unseres Landes.

Doch es stimmt nicht, daß verantwortliche Entscheidung ohne Bildung zu haben ist, und die angeblich bloß noch traditionellen Lerninhalte haben die wichtige rhetorische Funktion, Entscheidungsprozesse zu verlangsamen, indem sie sich zuvor in Auseinandersetzung mit den belangvollen, normen- und geschichtsgesättigten Erfahrungen der eigenen kulturellen Herkunft bewähren müssen. Wer rhetorische und kulturelle Analphabeten in Lehrplankommissionen setzt, braucht sich nicht zu wundern, daß alle die kurzen Wege immer nur nach Pisa führen.

Wie rührend und verräterisch wirkt doch der Appell deutscher Wissenschaftler, auf Tagungen im Lande "neben Englisch immer auch (!) Deutsch" vorzusehen! Anfang April fand in New York eine Tagung unter dem Titel "The Future of German" statt - auch die deutschen Teilnehmer sollten ihre Vorträge auf Englisch halten. Seit ihrem 50jährigen Jubiläum firmieren die Goethe-Institute mit dem Zusatz "Inter nationes" - die Anglisierung der lateinischen Phrase wird nicht lange auf sich warten lassen.

In Werbung und Kommerz aber entfalten diese Tendenzen ihre unheilvollste, weil weitreichendste, prägendste Kraft der Sprach- und Kulturzerstörung. Um sich im Alltag orientieren zu können, um im Berufs- und Privatleben zu handeln und Erfolg zu haben, hängen die Menschen vor allem von dem ökonomisch vorgegebenen Sprachuniversum ab, das bis in Produkt- und Funktionsbezeichnungen hinein unser Verständnis lenkt.

Mit Beispielen aus der Firmensprache von Lufthansa, Bundesbahn, Telekom, DaimlerChrysler kann ich uns verschonen; daß nicht nur global agierende Autohersteller, sondern auch Kulturbetriebe wie Bertelsmann ihre "Unternehmenskommunikation" (wie man hochgestochen sagt) auf Englisch abgestellt haben, hat sich längst herumgesprochen; und wenn wir ein wenig sprachempfindlich durch die Fußgängerzonen unserer Großstädte flanieren, werden wir Opfer eines rhetorischen Spießrutenlaufs.

Manchmal wird das öffentliche Bewußtsein von der längst gewöhnlich gewordenen Sprachbarbarei an den kuriosen und absurden Blüten geweckt, die sie hervortreibt. Also etwa, wenn die Lufthansa einem ihrer leitenden Ingenieure gerichtlich verbieten läßt, die englischen Bezeichnungen für Flugzeugteile wie "Engines" oder "Wing", Triebwerke oder Flügel, ins Deutsche zu übersetzen. Oder wenn Journalisten die offizielle Einführung des Englischen als zweiter Landessprache fordern, andere das Amerikanische als die "stärkere Kultur" und die "stärkere Sprache" preisen, wie in der "Süddeutschen Zeitung" (22.02.01) geschehen. Oder wenn eine vergleichende Studie das Anwachsen von Anglizismen in der Werbe- und Produktsprache von 5 - 10 auf 40 - 50 Prozent der Anzeigen feststellt.

Die Vermutung liegt angesichts der Fülle der Phänomene und ihrer gegenwärtig besonders auffälligen Häufung und Intensivierung nahe, daß dahinter eine rhetorische, sprachpolitische Strategie steht, auch wenn die daran beteiligten Firmen sich für solch konzertierte Aktionen nicht ausdrücklich zu verständigen brauchen. Jedenfalls gab es auch eine merkwürdige Übereinstimmung, als Mitarbeiter meines Tübinger Instituts die in der Sprachpanscherei führenden deutschen Firmen ganz neutral um Informationen über betriebsinterne Sprachregelungen baten.

In der deutschen Telekom fühlte sich weder die Abteilung Marketing noch die Abteilung Corporate Identity zuständig, und weitere Nachforschungen ergaben ein Telefonkarussell, das zuletzt an den Ausgangsapparat zurückführte. Die Telekomtochter T-Online weigerte sich ausdrücklich, interne Anweisungen zur Kommunikation weiterzugeben. Lufthansa speiste uns mit der allgemeinen Nachricht ab, daß Produktbezeichnungen von Werbeagenturen entwickelt würden, englischsprachige Präferenzen aus angeblich "branchenspezifischen Gründen" abzuleiten seien. Die Abteilung "Communications Strategy Mercedes-Benz Passenger Cars" teilte uns mit, die von uns erwünschten Informationen fielen unter "strictly confidential".

Bertelsmann stellte in wenigen Sätzen klar, "daß wir interne Richtlinien grundsätzlich nicht für externe Analysen und Studien zur Verfügung stellen können." Die Geheimnistuerei treibt kuriose Blüten. Ein Energie-Konzern, der sprachpolitisch der herrschenden Tendenz widerspricht, ausdrücklich von Anglizismen, Nominalstil, Abkürzungen absieht, machte als Bedingung für seine Auskünfte, daß der Firmenname ungenannt bleibe. Ein zentraler Paragraph dieser Unternehmenskommunikation scheint wie der Widerhall eines längst vergangenen Selbstbewußtseins: "XY ist ein deutsches Unternehmen und geht mit der Sprache verantwortungsvoll um. Wo immer möglich, gebrauchen wir keine englischsprachigen Modewörter. Wo sich Englisch bereits eingebürgert hat, verwenden wir die Begriffe sparsam, z. B. Call-Center, Change agents etc."

Damit genug der Blütenlese. Die verlegene, manchmal schroffe Form der Absagen verweist mehr als ihr Inhalt immerhin noch auf eine Ahnung von der Größe des Sprachverfalls, der Verstümmelung und Entwertung der deutschen Sprache, die von den großen deutschen Unternehmen, von den Meinungsführern in Werbung, Wirtschaft, Politik und Medien betrieben werden. Die Beschwichtiger vom Dienst, die oftmals gerade in Linguistik und Germanistik zu Hause sind, verweisen auf den Einfluß, den das Griechische auf das Römische gehabt habe, auf das alles beherrschende Latein des Mittelalters, auf die französische Kommunikation in der höfischen Kultur Europas.

Abgesehen davon, daß sich historische Abläufe sowieso nicht umkehren oder wiederholen lassen, kranken die Vergleiche noch an einer anderen fundamentalen Schwäche: sie vernachlässigen nämlich, daß die geschichtliche Bewegung niemals auf dieser Stufe verharrt hat, sondern nur als Übergangsperiode zur mutter- und nationalsprachlichen Kultur wirksam war.

Das war so im Rom Ciceros, in den Epochen der Renaissance und der Aufklärung, und es kann auch gar nicht anders sein. Völker, so faßt Dieter E. Zimmer prägnant die entsprechenden Forschungen zusammen, definieren sich "vor allem oder ausschließlich über ihre Muttersprache." Die Sprachkonflikte unserer Gegenwart, ob in Belgien, Österreich, Spanien oder Großbritannien, bestätigen den Befund.

Vielleicht können sie uns ein wenig über die Zukunft der deutschen Sprache beruhigen. Doch um deren bloßes Überleben geht es mir nicht, sondern um ihre gewissenlose Zurichtung als Instrument ökonomischer Machtentfaltung. Wie aber geschieht solche linguistisch-rhetorische Kriegführung?

Zuallererst indem die Sprecher von jenem Gebrauch der Sprache abgeschnitten werden, der anders geartet ist als der erwünschte rein instrumentelle. So verlieren sie die Fähigkeit, die ganze, auch unterschwellige Bedeutung der Kommunikationsakte zu erhellen, an denen sie mitwirken.

In dieses Programm fügen sich sämtliche Sprachphänomene unseres Alltagslebens: die Durchsetzung der Sprache mit Anglizismen und Abkürzungen, denen keine Nebenbedeutung mehr zukommen; die Nominierung alles Neuen, Interessanten, Zukunftsträchtigen in englischen oder (denken wir an das Handy) wenigstens pseudoenglischen Ausdrücken; die Orientierung syntaktischer Strukturen an der englischen Grammatik ("Sinn machen", "in 2002", "mehr interessant", "ich denke mal"); die Zwangsverordnung fremdsprachiger Konzernsprachen; die Anpassung des Sprachenerwerbs an die Bedürfnisse eines globalisierten Marktes und schließlich, als Endziel, die Identifizierung dieses Marktes mit dem derart erst geschaffenen Sprachmarkt.

Diese Politik ist deshalb so aussichtsreich und in Deutschland vergleichsweise fortgeschritten, weil sie hier auf eine fatale Identitätsschwäche trifft und sie skrupellos ausnutzt. Es ist jene mangelnde Selbstachtung, die Madame de Staël meinte und die ausländische Beobachter bis heute an den Deutschen befremdet und die auch ihr Verhältnis zur eigenen Sprache bestimmt: von der "Sprachilloyalität eines Großteils der Deutschsprachigen" redete der ungarische Linguist Csaba Földes und verwies darauf, daß deutschsprachige Eliten seit dem 13. Jahrhundert anfällig für eine solche Haltung sind.

Als einer der wenigen Rufer in der Wüste unserer öffentlichen Sprache hat kürzlich - man möchte fast sagen: ausgerechnet - ein Wirtschaftsmann vor den Konsequenzen verfehlter Sprachpolitik gewarnt: "Man vergißt bei diesen Aktionen immer die Menschen. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter in eine neue Umgebung schicken, in der sie sich nicht wohl fühlen - was hat das für Auswirkungen? Auf die Motivation? Das Engagement? Und was heißt das, wenn sie plötzlich in einer Fremdsprache kommunizieren müssen? Sie rauben vielen die Möglichkeit, sich so zu artikulieren, wie sie es gewohnt sind. Da bleibt Leben auf der Strecke. Da verlieren sie Kraft."

Das sind sehr entschiedene Worte, und sie stammen von Porschechef Wendelin Wiedeking, der sie auf die Fusion Daimler-Chrysler gemünzt hat. Gewiß gibt es nicht nur einen Grund für die Milliardenverluste dieses am ökonomischen Reißbrett zusammengezimmerten Konzerns, doch daß sie auch etwas mit der blauäugigen Umstellung der Konzernsprache aufs Englische zu tun haben, ist allen Einsichtigen geläufig. "Hier in Stuttgart sind die Sprachkurse alle ausgebucht", bemerkte Wiedeking ironisch.

Seine Diagnose wird von einem der namhaftesten Computerspezialisten, von Joseph Weizenbaum, im Rahmen seines eigenen Fachgebiets bestätigt. Weizenbaum führt den Rückstand der deutschen Computerwissenschaft auf das "Sprachgulasch" und unzureichende Englisch zurück, das den Umgang in den neuen Medien bei uns bestimmt.

Tatsächlich ist das Umschalten von der Muttersprache auf eine fremde Sprache kein so unproblematischer, gleichsam bloß technischer Vorgang, wie es sich die meisten Manager, Wirtschaftsführer und Politiker vorstellen. Sprechen und Denken stehen in einem engen Zusammenhang, den Griechen galten sie so unauflösbar verbunden, daß sie für Wort und Vernunft sogar nur einen Begriff kannten: logos nämlich.

"Die Sprache ist gleichsam die äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker, ihre Sprache ist ihr Geist und ihr Geist ihre Sprache, man kann sich beide nicht identisch genug denken", schrieb Wilhelm von Humboldt, hier ganz im Gefolge Herders, und ergänzte: "Alles Übersetzen scheint mir schlechterdings ein Versuch zur Auflösung einer unmöglichen Aufgabe. Denn jeder Übersetzer muß immer an einer der beiden Klippen scheitern, sich entweder auf Kosten des Geschmacks und der Sprache seiner Nation zu genau an sein Original oder auf Kosten seines Originals zu sehr an die Eigentümlichkeiten seiner Nation zu halten. Das Mittel hierzwischen ist nicht bloß schwer, sondern geradezu unmöglich."

Das Bewußtsein solcher Identität blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein lebendig. Wenn unsere Meinungsführer und politischen Klugredner nicht selber das kurze Gedächtnis besäßen, das sie, laut lamentierend, unseren Schülern nachsagen, würden sie in der jüngeren deutschen Geschichte eklatante Beispiele für die katastrophale Erfahrung vom Verlust der Muttersprache finden.

Noch nicht 70 Jahre ist es her, daß die Spitzen der deutschen Kultur: Schriftsteller, Philosophen, Musiker und Künstler, sich von einem Tag auf den anderen in der Emigration wiederfanden, getrennt von der Sprache, in der sie arbeiteten und dachten. Als Ernst Bloch 1939 vor dem Schutzverband deutscher Schriftsteller in New York einen Vortrag über "Zerstörte Sprache - zerstörte Kultur" hielt, stellte er fest, "daß nur wenige Menschen und unter ihnen äußerst wenige Schriftsteller je imstande waren, sich in einer fremden Sprache so sicher, gar so produzierend zu bewegen wie in der eigenen. Keine Nuancen sind dem Ausländer echt ausdrückbar, keine Schärfe noch Tiefe."

Man braucht sich nur bei Adorno, bei Brecht oder den Brüdern Mann umzusehen, um diese Erfahrung überall bestätigt zu finden, und wenn die Selbstmordrate unter den intellektuellen Emigranten besonders hoch war, so spiegelt sich in ihr die katastrophale Konsequenz jener Wechselwirkung vom geistigen und sprachlichen Habitus des Menschen. Die Art der Sprache, darüber gibt es keinen Zweifel, bestimmt unsere Merkwelt, zwischen ihr und unseren Worten tut sich ein unheilvolles Schisma auf, wenn wir ins Englische, Französische, Spanische überwechseln.

Was nicht etwa gegen das Lernen dieser Sprachen spricht, ihre Funktion aber höchst begrenzt, nämlich auf den Austausch von Informationen und konventionellen Auffassungen. Und die "gedankenlose Verschmutzung der eigenen Sprache" vermag, wie der Computerkenner Weizenbaum es ausdrückte, zwar Denkfehler zu produzieren, aber keine neuen oder nur irgendwie belangvollen Erkenntnisse. Solche sind in der Regel auch gar nicht mehr erwünscht.

"Die Globalisierung läuft nach dem Vorbild der USA ab", stellt der Leiter der Pariser Zweigstelle von McKinsey befriedigt fest und weist darauf hin, daß die Dominanz der englischen Sprache für diesen Erfolg nicht unwichtig ist. Wir können solches Understatement ruhigen Gewissens in seine reale Dimension übersetzen.

Mit der Sprache wird angelsächsisches Wirtschaftsdenken übernommen, in dem etwa, so wieder jener McKinsey-Agent, die Unternehmenspolitik den Eigentümer-Interessen bedenkenlos untergeordnet wird, die Interessen der Beschäftigten keine Rolle spielen. Daß solche ökonomische Politik zur Unternehmenskultur hochgejubelt wird, wirkt wie ein zynischer lapsus linguae, ist aber in Wahrheit Bestandteil der Sprachpolitik.

Immer wieder berichten ja die Beobachter, daß die Umstellung von nationalen Konzernsprachen aufs Englische - ob bei Bertelsmann, Metro, Nissan oder Aventis - vom "kulturell bedingten Widerstand unter den Beschäftigten" behindert werde. Unsere Kulturpolitiker und ihre bürokratischen Helfershelfer in den Schulämtern oder Reformkommissionen sind von derartigen Einsichten und Skrupeln weit entfernt.

Die Ergebnisse der Lernleistungsstudie Pisa haben zwar allenthalben medienwirksame Bestürzung hervorgerufen, doch die schnellfertig gemixten Rezepte zeigen, daß die kurzschlüssige, in Vorurteilen und populären Irrtümern befangene, eben kulturvergessene deutsche Bildungspolitik selber die wichtigste Ursache der Misere ist, die ihre Vertreter wortreich beklagen. Allein auf der gesicherten Kenntnis der Muttersprache kann ja die fremde Sprache ihren Nutzen entfalten. Wird sie zu früh (wie dies jetzt schon in der Grundschule geschieht) aufgepfropft, ergeben sich nur mehrere, zu schöpferischem Leben unfähige, oberflächliche Verständigungsmittel, damit aber auch eine Verluderung des Denkens, dem keine besondere Leistung mehr abgepreßt werden kann.

Und wenn beinah 2000 Deutschlehrer aus 90 Ländern auf ihrer 12. Internationalen Tagung in Luzern unisono den Englisch-Unterricht in Grundschulen ablehnten, so aus ebendiesem Grunde. Ein großer Teil ihrer Energie wird nämlich davon aufgefressen, die Sprachverwirrung wieder zu bereinigen, die in den Köpfen der Schüler angerichtet wurde. Wie viele andere hohe Leitbegriffe ist auch der Begriff Kultur, und sei es durch seine unterschiedslose, allgegenwärtige Anwendung, fragwürdig geworden, aber ich habe auch keinen Zweifel, daß von seiner substantiellen Wiederherstellung unser aller geistiges Weiterleben abhängt.

"Die Worte nämlich besitzen mimetische Kraft" - diese Einsicht gehört zu den ältesten und gesichertsten Erkenntnissen anthropologisch- sprachwissenschaftlicher Natur: Aristoteles hat sie so in seiner "Rhetorik" formuliert. Auf dieser mimetischen Macht gründet - wir Deutsche haben so krasse wie überzeugende Beispiele in der Lingua tertii imperii erlebt - auf dieser mimetischen Macht des Wortes gründet jede Sprachpolitik, von ihr bezieht sie Zugkraft, Einfluß, ja manchmal unwiderstehliche Gewalt, sie zerstört die Kultur - ob in Faschismus oder globalisierter Wirtschaft -, und sie vermag den Widerstand gegen diese Zerstörung leistungsfähig zu erhalten.

Albrecht Dürer hat die Rhetorik als eine berückende Jungfrau in königlichem Ornat noch ganz in der Tradition der regina artium gezeichnet - in ihrer Rechten aber trägt sie hocherhoben das Schwert. Bedienen wir uns auf unsere Weise wieder dieser so einnehmenden wie wehrhaften Verbündeten im Kampf gegen den Verfall unserer Sprache und Kultur!

Vortrag von Prof. Gert Ueding am 03. Mai 2002 beim 8. Symposium für Wirtschaft und Kultur auf Schloß Glücksburg