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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache
LIII. "Sprachschützer möchten, dass wir wieder so sprechen wie Walther von der Vogelweide."
Widerrede:
Diesem Vorurteil zufolge sind Menschen mit einer Leidenschaft für die deutsche Sprache Hinterwäldler und für die moderne Welt verloren.
Lebendige Traditionen sind erfolgreicher Fortschritt. Das Vertrauen Walthers von der Vogelweide in die Ausdruckskraft des Mittelhochdeutschen könnte uns Heutigen Vorbild sein. Viele unserer Wörter wurden, wenn auch lautlich in anderer Gestalt und Bedeutung, tatsächlich schon von ihm benutzt. Ihre Wurzeln waren schon damals oft tausend oder mehr Jahre alt.
Auf ihrem Erfolgsweg in unser heutiges Deutsch wuchs jedes einzelne dieser Wörter zu einem kleinen “Merk”mal unserer kulturellen Identität heran. Jeder Blick in ein wortgeschichtliches Lexikon belegt dies auf faszinierende Weise. Warum sollte die Erfolgsgeschichte unserer Muttersprache jetzt plötzlich abbrechen und mit ihr unsere kulturelle Identität zerbrechen?
Zukunft braucht Herkunft – auch in sprachlicher Hinsicht. Unsere sprachlich-kulturelle Herkunft ist unser wichtigstes Zukunftskapital. Fremdes sollten wir zwar selbstbewusst prüfen und von Fall zu Fall in unsere Muttersprache aufnehmen, sie aber nicht gedankenlos mit Amerikanismen überfüttern.
siehe auch XXIX., XLI.
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