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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

LII. "Ein Sprachgesetz will uns Bürger sprachlich bevormunden – genau so wie die neue Rechtschreibung."

Widerrede:
Ein Sprachgesetz würde uns nichts vorschreiben, sondern uns von der Bevormundung durch anglomane Schwätzer befreien. Zu diesem Zweck müsste es für den öffentlichen Gebrauch unserer Landessprache gewisse Regeln festlegen.
Staatlichen oder anderen Monopolisten würde es durch diese Regeln untersagt, den Bürgern Sprüche und Ausdrücke wie E-government goes future, Name Game - Win IT, Rent a professor und Welcome back-Aktion, freecall, Green card usw. unterzujubeln. Die Gesundheitspolitiker wären endlich gehalten, ihren Bürgern nicht weiter durch Austausch so klarer Ausdrücke wie „Fallpauschale“ gegen diagnosis related groups oder von „wissensbasierte Medizin“ gegen evidence based medicine Reformfreudigkeit vorzutäuschen und sie so an der Nase herumzuführen.

Die Geschäfts- und Reklamewelt dürfte ihre Kunden nicht mehr mit Wortbastarden wie Passagen-manager, convenience food, X-mas shopping, funeral master, Mode-collection und Hunderten anderen traktieren oder ihnen falsches Englisch eintrichtern. Moonshine-Tarif z.B. bedeutet im Angloamerikanischen „Fusel-“, nicht „Mondscheintarif“, body bag bedeutet „Leichensack“, nicht „Körpertasche“.
Gebrauchsanweisungen und Namen von Waren des täglichen Gebrauchs würden wieder in verständlichem Deutsch abgefasst. Wer lebensrettende, rechtlich oder gesundheitlich bedeutsame Informationen hinter unverständlichen Amerikanismen versteckt, machte sich strafbar. Eine stroke unit wäre als „Gehirnschlag-Rettungsstelle“ wieder sofort für alle erkennbar, die ihre Hilfe brauchen.

Wissenschaftler wären gehalten, sich in Lehre und Forschung weiterhin klarer deutscher Fachbegriffe zu bedienen anstatt uns für begriffsstutzig zu verkaufen oder über ihr Tun und Lassen im Ungewissen zu lassen.
Ein Sprachgesetz würde also zur Ächtung und Entlarvung unklarer anglomaner Wörter und Ausdrücke führen. Es würde uns nicht entmündigen, sondern uns das Recht zur Mitgestaltung unserer Landessprache sichern. Und wir bräuchten auch nicht mehr zu befürchten, uns im Ausland mit falschen oder scheinenglischen Wörtern und Wendungen zu blamieren.

siehe auch XXIII., XXIV., XXXI., XXXIII., XL.