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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

L. "Wer Sprachquoten im Rundfunk festlegt, bevormundet die Künstler."

Widerrede:

Diese Behauptung träfe zu, wenn die deutschsprachigen Künstler selbst darauf Einfluss nehmen könnten, ob, wann und wie oft ihre Werke im Radio gesendet werden. In Wahrheit entscheiden hierüber jedoch die Redakteure oder die Redaktionsvorgaben, an die sie sich zu halten haben.

Ausschlaggebend für Auswahl, Zeitpunkt und Häufigkeit einer Sendung ist nicht die Originalität eines Werkes, sondern die erwartete Einschaltquote. Diese Quote legt also das Publikum fest – allerdings ohne zwischen den zur Wahl stehenden Stücken vorher wirklich gewählt haben zu können. So kommt es während der begehrtesten Sendezeiten zur immer häufigeren Ausstrahlung weltweit immer ähnlicherer Musikstücke, Songs und Lieder.

Jedes nicht englisch getextete Stück, alle nicht anglophonen Künstler geraten dank dieses längst bestehenden Quotensogs, der mit künstlerischer Auswahl oder Originalität kaum etwas zu tun hat, in eine Außenseiterposition. Aus dieser können sie nur durch gezielte Förderung, z. B. durch eine staatlich festgesetzte Quote zu Gunsten der Sendung deutschsprachig getexteter Stücke, befreit werden.

In Frankreich mit seiner Quote von 40% zu Gunsten französisch getexteter Musik werden ständig neue Talente bekannt, die auf Französisch singen. Wer dagegen in Deutschland eine Quote verlangt, geriet noch bis vor kurzem in den Ruf eines bürokratischen Überregulierers. Dabei würde eine gesetzliche Quote doch nur die bereits komponierenden, deutschsprachigen Künstlern endlich mit einem großen Publikum zusammenbringen ohne englische oder anderssprachige Texte zu unterdrücken.

Deshalb bevormundet, wer keine Sprachquoten im Rundfunk festlegt, nicht nur die deutschsprachigen Künstler, sondern auch ihr Publikum. Denn letztlich ist es nur die noch universellere emotionale Sprache der Musik, in der sich die Liebe zur Muttersprache in die nächste Generation weitertragen lässt.