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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XLVIII. "Sprachschützer kämpfen gegen Windmühlenflügel."

Widerrede:
In dem spanischen Roman Don Quijote kämpft der gleichnamige Ritter vergeblich gegen die Flügel einer Windmühle, die er in seiner Verblendung für Riesen hält. Das Bild von den „Windmühlenflügeln“ bedeutet, jemand führt einen aussichtslosen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner.

Wir kämpfen nicht gegen Riesen, auch nicht gegen die Flügel einer Mühle oder den Wind, der sie antreibt. Unsere Gegner sind die anglomanen Meister der Sprachverhunzung, die unsere Muttersprache zum deutsch-englischen Kauderwelsch umgestalten: gedankenlose Schwätzer in der Werbung, den Medien, in Wirtschaft und Politik oder in wichtigen öffentlichen Funktionen. Sie verfügen über sprachliche Verbreitungsmacht und können - gegen den Willen der Sprachbürger - überflüssige englische Brocken in Umlauf bringen und aus Deutsch ein hässliches Denglisch machen. Aber diese Sprachverderber sind gewöhnliche Menschen, keine Fabelwesen oder Naturgewalten. Wir kennen sie und wissen, wo und wie sie ihr schnödes Handwerk betreiben.
Im Unterschied zu Don Quijote sind wir keine „Ritter von der traurigen Gestalt“. Wir sind in der Lage, uns erfolgreich zu wehren.

Die Bemühungen der Sprachpfleger im 17. und 19. Jahrhundert zeigen, dass Widerstand gegen den Einfuss mächtiger fremder Sprachen sich lohnt. Harsdörffer, Schottelius, von Zesen und andere haben in der Barockzeit lateinische und französische Wörter eingedeutscht. Ihnen verdanken wir Ausdrücke wie „Zeitschrift“, „Nebensache“, „Lehrling“, „Vertrag“, „Oberfläche“ oder „Selbstmord“. Wenn wir heute „Briefumschlag“, „Dienstalter“, „Bahnsteig“ oder „Abteil“ sagen, geht das auf die gezielten Eindeutschungen im Deutschen Reich nach 1871 zurück, die vor allem Reichspostmeister Heinrich von Stephan vorgenommen hat. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte Johann Heinrich Campe fremde griechische, lateinische, französische - und englische ! - Wörter durch bleibende deutsche Wortprägungen wie „altertümlich“, „Gesetzesentwurf“, „Körperbau“, „Ergebnis“, „Tageblatt“, „Festland“ usw. ersetzt.

Keiner dieser Männer verzagte oder betrachtete seine Anstrengungen zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Muttersprache als einen „Kampf gegen Windmühlenflügel“. Von solchem Kleinmut sind wir ebenfalls weit entfernt.

siehe auch XXXII.