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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XLII. "Nur Rechtsradikale kämpfen noch für die deutsche Sprache."

Widerrede:

In Westdeutschland gaben bis 1990 viele tonangebende Intellektuelle die Devise aus, die Deutschen hätten infolge des Dritten Reiches ihr Recht auf eine Weiterexistenz als Kulturnation eingebüßt: „Nie wieder Gedichte in der Sprache von Auschwitz!“ sagen sie bis heute. Sie sagten den Deutschen aber nicht, in welcher Sprache sie sich kulturell und geschichtlich wieder „fassen“ sollen - auf Englisch, Denglisch oder vielleicht doch wieder Deutsch?


Die Ostdeutschen hatten es vorübergehend anscheinend leichter, denn sie konnten der Hypothek des Nationalsozialismus bis 1990 scheinbar noch kollektiv ausweichen. Sie hielten sich als Kommunisten für die Sieger und Guten der Geschichte. Beides waren und sind Formen kollektiver Selbsttäuschung!

Ist die Gefahr, die Deutschen könnten sich womöglich in „völkischer“ oder „rassischer“ Hinsicht wieder täuschen, wirklich gebannt? Auch aus Vorsorge dagegen streitet der Verein Deutsche Sprache für die deutsche Sprache und Kultur. Beide verdienen in Europa die gleiche Aufmerksamkeit wie Sprachen und Kulturen unserer Nachbarländer.


Nur wer sich selbst leiden kann, wird an sich auch andere nicht leiden machen! Sich dies einzugestehen hat mit Nationalismus, Selbstüberschätzung und Abwertung des „Fremden“ nicht das Geringste zu tun. Unsere Nachbarn jedenfalls haben Selbstmitleid und Nabeleigenschau der Deutschen satt.

Wäre das wirklich unsere Identität – eine Rolle als das „gebrochene Sprachherz Europas“ (Jürgen Trabant)? Unsere Nachbarn erwarten doch eher von uns, dass wir unsere Verantwortung als großes Land in der Mitte Europas und unsere Sprache endlich wieder annehmen: freundlich, geschichts- und selbstbewusst. Nur so werden wir weiterhin wissen, wer wir sind und dass es die deutsche Sprache ist, der wir unser Sprachherz schenken sollten. Statt uns ständig selbst zu bemitleiden, könnten wir auch einmal versuchen, im Vertrauen auf unsere wunderbar genaue und anschauliche Sprache optimistisch nach vorne zu schauen.