AG Denglisch
Gruppenleiter
NNSuche
Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache
XL. "Es gibt keine Schwelle, jenseits derer man behaupten könnte, eine Sprache enthalte zu viele Anglizismen."
Widerrede:
Hier geht es um zwei Fragen – erstens darum, ob es die behauptete Schwelle überhaupt gibt und zweitens, wie hoch diese denn gegebenenfalls wäre.
Wer die Existenz einer Schwelle rundweg abstreitet, setzt sich der Gefahr aus, gründlich missverstanden zu werden: Ist ihm nun jedes englische Wort im Deutschen eines zu viel oder es können ihm gar nicht genug sein?
Hinter der Aussage „Es gibt keine solche Schwelle“ versteckt sich offenbar nur das Fehlen der Bereitschaft, zwischen diesen Extremen einen eigenen Standpunkt einzunehmen, d.h. grundsätzlich eine Schwelle (wissenschaftlich nicht bestimmbarer Höhe) anzuerkennen, jenseits derer es im Deutschen dann endgültig zu englisch zuginge.
Da eine Muttersprache all ihren Sprechern gehört, nicht nur ihren Sprachwissenschaftlern, gibt es auch keinen sprachwissenschaftlichen Maßstab, anhand dessen festgelegt werden könnte, wie viele Fremdwörter oder Anglizismen eine Sprache verträgt.
Jede Sprecherin, jeder Sprecher ist frei, seine Worte selbst zu wählen. Es geht dabei nicht um eine abstrakte Anglizismenschwelle oder um pedantische Erbsen- oder Wörterzählerei, sondern darum, vorurteilslos den Wörtern der eigenen Sprache zu trauen. Es sollte wieder zum guten Ton gehören, alle neuen Ideen daraufhin zu prüfen, ob sie eigensprachlich bezeichnet werden können. Da dies kaum immer gelingen wird, verbleiben zum zwischensprachlichen Austausch immer noch reichlich Möglichkeiten.
Auf diese pragmatische Weise wird sich, wenn alle loyal mitmachen, eine Schwelle gegen ein Zuviel an Anglizismen ohne jede sprachwissenschaftliche Theorie oder Hilfe ganz von selbst auf hinnehmbarer Höhe einpendeln.
siehe auch IL., LI., LII.
| < Zurück | Weiter > |
|---|

