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Freitag, den 18. Dezember 2009 um 11:08 Uhr

Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XXXVIII. "Das Anliegen des VDS ist nicht seriös, denn er benutzt selbst Fremdwörter."

Widerrede:
Dieses Vorurteil behauptet im Grunde, in der Fremdwortfrage gebe es nur ein „Entweder-Oder“.
Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Eindeutscher oder entsprechende Organisationen, die auf dem „Entweder-Oder“ beharrten. Ihre radikale Haltung war nicht sprachpolitischer Einsicht, sondern dem allgemeinpolitischen Umfeld geschuldet, dem sie sich aus anderen als sprachpolitischen Gründen verschrieben hatten. Krampfhaft hätten sie gerne aus sprachfremden Gründen alles „Undeutsche“ aus der deutschen Sprache entfernt und nur „Urdeutsches“ gelten lassen.

Der Sprachgebrauch des Vereins Deutsche Sprache folgt keinem solchen „Entweder-Oder“. Er folgt einem pragmatischen Standpunkt, demzufolge es eigensprachlich unersetzbare, strittig ersetzbare und verlustlos ersetzbare Fremdwörter gibt. Die Grenzen dazwischen sind fließend [vgl. hierzu „Der Anglizismen-Index des VDS“, erschienen in demselben Verlag wie das vorliegende Buch, oder online verfügbar am Netzstandort des VDS (www.vds-ev.de)].

Vor allem solche Fremdwörter sind zu meiden oder zu ersetzen, die nicht spontan verständlich sind, die eigensprachlich assimilierte Wörter bisher gleicher Bedeutung verdrängen oder die sich selbst nur schwierig oder gar nicht assimilieren lassen.
„Undeutsches“ und „Urdeutsches“ dagegen ist in unserer Sprache, da in ihr auf das Engste miteinander verbunden1, kaum voneinander zu trennen. Noch schwieriger wäre beides gegenseitig ersetzbar.
Wir sind deshalb nicht aus Prinzip gegen Anglizismen. Englische und andere Fremdwörter nutzen wir zurückhaltend, d.h. sprachbewusst und doch pragmatisch. Zur Zukunftsertüchtigung unseres Wortschatzes werden sie allerdings nur dann beitragen, wenn sie sich auch einfach assimilieren lassen.
Wer diese Ansicht für „unseriös“ hält, verrät, dass er für die Zukunft der deutschen Sprache kein Interesse hat und sich deshalb seinerseits mit Bewertungen der eingangs genannten Art zurückhalten sollte.

siehe auch XLIV.

1 assimiliert