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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache
XXXIV. "Die Argumente der Sprachschützer sind nicht wissenschaftlich."
Widerrede:
Das kommt auf Art und Ziel der Argumentation an! Längst nicht jede Argumentationslinie muss wissenschaftlich sein, um zu stimmen. Der Verein Deutsche Sprache verfolgt ein kulturpolitisches Ziel. Das Recht zum Nachdenken über den Zustand unserer Sprache gebührt nicht allein den Sprachwissenschaftlern – genau so, wie nicht nur die Ärzte über die Volksgesundheit nachdenken sollten oder das Schicksal von Wasser, Boden und Luft nicht eine ausschließliche Angelegenheit unter Biologen, Chemikern und Geologen ist.
Viele Sprachwissenschaftler sprechen über das Schicksal unserer Landessprache, als besäßen sie hierfür ein Monopol. Aus Ärger und Frust darüber, dass Amateure des Vereins Deutsche Sprache hierzu in den Medien jetzt den Ton angeben, wird von ihnen die wissenschaftliche Linie aber auch gern verlassen. Ihr wissenschaftliches Interesse am Sprachinteresse der Öffentlichkeit ist gering.
So entstehen ganz schnell wissenschaftlich vorschnelle Vergleiche - etwa: „Heute ist das wie unter Friedrich dem Großen mit den französischen Wörtern.“ Oder es werden spekulative Behauptungen aufgestellt wie „Es schadet unserer Sprache nichts, wenn sie so viele englische Wörter wie zur Zeit aufnimmt.“ Geflissentlich wird übersehen, dass in vielen modernen Kommunikationsbereichen die Entwicklung unseres deutschsprachigen Wortschatzes bereits zum Erliegen gekommen ist.
Um die verwickelten Zusammenhänge zwischen Sprache und gesellschaftlichem Zusammenleben oder zwischen Kultur und individueller Identität zu erhellen, bedarf es nicht nur der Linguistik, sondern auch der Soziologie, der Politologie, der Psychologie, der Wirtschaftswissenschaft, der Wissenschaftstheorie und der Kulturwissenschaften. Mit deren Hilfe könnten wir erkennen, wie und warum sich unsere Landes- und Muttersprache so rasant amerikanisieren lässt und warum die meisten Menschen dies bisher fast widerspruchslos hingenommen haben.
Sprachwissenschaftler können und sollten dazu aber spezifische Beiträge leisten – etwa Untersuchungen zu Voraussetzungen der Stabilität und Bedingungen der Veränderungen grammatischer Regeln, zu Ursache und Geschwindigkeit von Bedeutungsverschiebungen oder zum Ausmaß des Verschwindens oder Verdrängung von Wörtern.
Derzeit ist der Umfang ihrer Beiträge umgekehrt proportional zur Selbstüberhebung, mit der die Mehrheit ihrer Vertreter auf die kultur- und sprachpolitischen Bemühungen und Erfolge des Vereins Deutsche Sprache herabsieht.
siehe auch XVIII., XLVI., XLVII.
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