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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XXXIII. "Im Deutschen tummeln sich nicht mehr Mode-Anglizismen als in anderen Sprachen.";

Widerrede:
Dieser Behauptung widerspricht eigentlich schon der bloße Augenschein. In keinem anderen großen Sprachraum Europas finden Highlights und Events nur noch live, natürlich immer richtig „groß geschrieben“, statt. Und wo wird, wenn nicht bei uns, immer nur cool gepowert, gestylt, designt und recycelt, werden open mikes ausgerechnet für deutschsprachige slam poets bereitgestellt?
In keinem Land Europas bekommt man, von Tchibo bis zu renommiertesten Forschungseinrichtungen, noch mehr newsletter unter die Nase gehalten?

Selbst modernste, funktionstüchtige deutsche Ausdrücke müssen englischen weichen. Die Unzahl von Anglizismen in fast allen Bereichen unserer Sprache ist nur noch mit Hilfe aufwendig gestylter Trend-Glossare zu verstehen. Auch bei fachsprachlichen Übernahmen aus dem Englischen ist Deutsch traurige Spitze in Europa. Obwohl kaum ein Laie und längst nicht jeder Umweltwissenschaftler weiß, was natural attenuation bedeutet, kommt kaum einer auf die Idee, hierfür in deutschen Texten „naturgestützter Abbau“ (von Schadstoffen) zu sagen, obwohl dies eine selbsterklärende Übertragung ist, die sogar dieselbe Abkürzung NA besitzt.
Wer behauptet, im heutigen Deutsch tummelten sich nicht mehr Mode-Anglizismen als in anderen europäischen Sprachen, ist entweder ein Schönfärber, oder er behauptet dies aus Unwissenheit, Gleichgültigkeit oder Defaitismus1. Mit der sprachlichen Wirklichkeit in unserem Land hat diese Behauptung nichts zu tun.

siehe auch LII., XXX.

1 aus Defaitismus = zwecks Verbreitung von Mutlosigkeit