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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XXXI. "Die Tatsache, dass kaum jemand die bestehenden sprachpflegerischen Einrichtungen Deutschlands wahrnimmt, zeigt, dass sie nicht gebraucht werden und überflüssig sind."

Widerrede:
Es stimmt leider: Die offiziellen sprachpflegerischen, sprachgestalterischen und sprachpolitischen Einrichtungen des Bundes und der Länder1 führten bisher, obwohl wissenschaftlich anerkannt, ein gesellschaftliches Mauerblümchendasein. Und dies, obwohl nichts in unserer gegenwärtigen sprachlichen Situation nötiger wäre als eine Einrichtung, die uns dabei unterstützt, der Anglizismenschwemme zu begegnen.
Besonders unsere heutige Welt hat einen unersättlichen Bedarf an neuen Wörtern. Seine Stillung, und damit die Ordnung und Deutung der Wirklichkeit, droht heute zum Monopol anglophonen Welt und insbesondere der USA zu verkommen. Die nicht anglophonen Sprachgruppen dürfen diesem Druck nicht nachgeben sondern ihm den eigenen sprachlichen Gestaltungswillen entgegensetzen.

In Deutschland müsste dies zur wichtigsten Aufgabe des im Jahr 2003 ins Leben gerufenen Deutschen Sprachrates2 werden. Er sollte die Weiterentwicklung unseres Wortschatzes nicht nur beobachten, sondern ihn auch gestalterisch bereichern. So könnte er die öffentliche Debatte über die Zukunft unserer Sprache beleben und die Anstöße, die der VDS hierzu seit Jahren gibt, sprachpolitisch verallgemeinern.

siehe auch LII

1 Institut für Deutsche Sprache (IDS), Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt), Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. ([GfdS])
2 Dies ist ein gemeinsames Projekt von IDS, GfdS und Goethe-Institut.