Drucken

Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XXVII. "Auf Deutsch kann man genau so gut lügen und aufgeblasen daherreden wie auf Denglisch!"

Widerrede:
Das ist wohl wahr. Jede Sprache (oder Sprechweise) hat auch die Funktion, wichtiges zu verstecken, unwichtiges aufzublasen oder falsches zu behaupten. Auch das ist Kommunikation! Man teilt mit, dass man nichts zu sagen hat oder sagen möchte, ist jedoch zu ängstlich oder zu feige, dies offen einzugestehen. Man führt die Zuhörer trotz besseren Wissens lieber an der Nase herum.

Wer auf Denglisch lügt oder faselt, braucht hierfür weniger Mut als diejenigen, die sprachlich „ehrlich“ oder aufrichtig faseln, d.h. ihr Imponier- oder Versteckspiel muttersprachlich fassen. Muttersprachlich gefasstes Imponiergehabe ist zwar kommunikativer und deshalb „überzeugender“ als in einer fremden Sprache. Zugleich ist es aber auch viel schwieriger, statt z.B. auf Denglisch in seiner Muttersprache zu imponieren. Man wird eben besser verstanden – zumal in Verbindung mit unbeabsichtigter Mimik oder verräterischen Gesten. Gute, d.h. kommunikative sprachliche Täuscherei (Lügen) verlangt deshalb einige muttersprachliche Meisterschaft, um gegen Entlarvung durch Zuhörer gleicher Muttersprache gewappnet zu sein. Auf Denglisch reichen zum Täuschen schon ein paar hingeworfene Brocken.
Letztlich ist es eine Frage der sprachlichen Fairness oder Höflichkeit, ob man seine Zuhörer mit denglischem oder deutschem Wortnebel einhüllt und zu täuschen sucht. Deutschsprachiger Wortnebel ist zwar nicht unbedingt wahrheitsnäher als denglischer, doch hat man als gleichsprachiger Zuhörer gerechtere Chancen, schnell aus ihm herauszufinden, ihn durch kritisches Nachfragen zu lichten oder in (heißer) Luft aufgehen zu lassen.
Denglischer Nebel dagegen lügt sprachlich meist so lächerlich daneben, dass Nachfragen doppelt peinlich wären und aus Höflichkeit unterbleiben.

siehe auch XXX.