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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache
XXVI. "Die deutsche Sprache zerfällt an allen Ecken und Enden. Warum gerade die Anglizismen an allem schuld sein sollen, will mir nicht einleuchten."
Widerrede:
Der Eindruck, unsere Sprache, ja unser neuhochdeutsches literarisches Erbe insgesamt würden in unseren Bildungseinrichtungen zur Zeit eher zerpflückt und verschleudert statt gepflegt, drängt sich zwar vielen Menschen auf, wäre aber gegebenenfalls nur schwierig zu beweisen. Eine Reihe von Beobachtungen spricht aber dafür, dass die Gleichgültigkeit vorherrscht:
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Grammatische Verflachung (Niedergang starker Konjugationen, chaotischer Gebrauch und Nichtgebrauch von Bindestrich und Apostroph, Vernachlässigung des Ausdruckmittels ‚Wortstellung’ in abhängigen Sätzen, Überhandnehmen versteckter und nicht versteckter Anglizismen, usw.);
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Beklagenswerte stilistische Qualität deutsch- oder englischsprachiger Fachtexte muttersprachlich deutscher Autoren;
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Immer mehr öffentliche Gleichgültigkeit gegenüber der richtigen (neuen oder alten, jedenfalls „gespaltenen“) Rechtschreibung;
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Die in vielen Bundesländern gegebene Möglichkeit, das Abitur ohne Kenntnis eines deutschen Literaturkanons und sogar ohne Prüfung in einem Hauptfach Deutsch abzulegen;
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Die Forderung (und Förderung) von Frühenglisch und Immersionsunterricht für muttersprachlich deutsche und nichtdeutsche Schüler und Vorschüler zu Lasten von Deutsch1, obwohl deren deutsches Sprachvermögen hierfür immer häufiger längst nicht angemessen entwickelt ist.
Kaum eine dieser tatsächlichen oder vermeintlichen Erscheinungen des sprachlichen Niedergangs wäre als einzelne aufzuhalten. Jede für sich ist eher unauffällig oder den meisten Menschen zu wenig bewusst, um von ihnen als Ausgangspunkt eines überzeugenden sprach- oder gar bildungspolitischen Entwurfs akzeptiert zu werden.
Anglizismen dagegen sind nicht nur in aller Munde, sondern auch ohne weiteres in Texten aller Art erkennbar. Das allgemeine Unbehagen an ihnen – dies belegen zahllose Umfragen – ist erheblich.
Deshalb lässt sich an der heutigen Anglizismenschwemme besser als an den anderen Beobachtungen klar machen, dass mit unserem Verhältnis zu unserer Sprache grundsätzlich etwas nicht stimmt. Das Anglizismen-Problem ist deshalb ein guter Hebel, um nicht nur für mehr Sprachloyalität, sondern auch für ein dementsprechend verändertes Bildungs- und Erziehungsangebot an unseren Schulen zu werben.
1 und Mathematik
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