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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XX. "Ich weiß überhaupt nicht, warum sich der VDS über gerade mal höchstens 5.000 Mode-Anglizismen aufregt. Schließlich besteht der deutsche Wortschatz aus über 500.000 Wörtern."

Widerrede:
Inhalt und Bedeutung einer sprachlichen Aussage sind eine Funktion des räumlichen, zeitlichen, psychologischen, wissenschaftlichen usw. Zusammenhangs, innerhalb dessen sie fiel. Deshalb ist ihr Realitätsgehalt nicht nur in den Wörtern selbst, sondern auch zwischen den Sätzen oder Zeilen zu finden. Der sinnfälligste Beleg hierfür sind Wörter, die in der einen Situation dies, in der anderen das bedeuten.
Wörter werden erst durch Regeln und grammatische Funktions- oder Füllwörter und die nichtsprachlichen Begleitumstände zur Sprache gebracht und geordnet.

Kaum einer der Mode-Anglizismen ist grammatischer Sklave, fast alle sind inhaltliche Beherrscher ihrer sprachlichen Umgebung. Wer über solche Anglizismen (bis hin zum privatrechtlichem Schutz) verfügt, erhebt mit ihnen auch Anspruch auf gesellschaftlich wichtige Aussagefelder oder sucht diese (und sich selbst) wenigstens durch sprachliche Wichtigtuerei aufzuwerten.
Entscheidend für Wertigkeit und Ausmaß des Einflusses von Anglizismen auf unsere Sprache ist deshalb nicht deren absolute Anzahl, sondern ihre inhaltliche und kontextabhängige Wertigkeit sowie die Häufigkeit ihrer aktiven Benutzung. Die größten und zugleich wichtigsten Aussagefelder für Denglisch sind die Teilsprachen der Mode, des Handels, der Werbung, der Kommunikationstechnik oder bestimmter Kulturbereiche. Unablässig werden dort relativ wenige, aber inhaltlich hochwertige Anglizismen wiederholt. Selbst wenn dies nur 5.000 oder Bruchteile davon wären, dringen sie doch täglich 10.000- bis 100.000-fach in unser kollektives Sprachgedächtnis.

siehe auch XII., XL.