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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XVIII. "Anglizismen sind keine bösen Bazillen."

Widerrede:
Rudolf Hoberg, Vorsitzender der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden, hatte Recht, als er dies sagte. Es gibt keinen Grund, Anglizismen zu meiden wie böse Bazillen.

Der Vergleich von Anglizismen mit Bazillen ( = Bakterien) beruft sich auf die Medizin. Sie dient oft als Reservoir für Bilder von Krankheit und Tod. In diesem Fall ist es das abschreckende Bild von der Übertragung und Ausbreitung bösartiger Seuchen durch Ansteckung mit Bakterien.

Im vorliegenden Fall wurde es benutzt, um im Kontrast dazu die Ausbreitung von Anglizismen in der deutschen Sprache als vergleichsweise harmlos darstellen zu können.

Bei näherer Betrachtung schlägt der Vergleich von Anglizismen mit bösen Bazillen allerdings auf seinen Erfinder zurück. Anglizismen dringen zwar nicht auf dem Wege der Ansteckung - sozusagen natürlich - in die deutsche Sprache ein, werden aber von Sprachmachern und Interessengruppen leichtsinnig hereingeholt. Dies gelingt ihnen im Zeichen der Mode „Anglomanie“. Unter dem Ansteckungsdruck dieser Mode werden Denglisch und BSE (Bad Simple/Silly English) tatsächlich so aufgenommen und weitergegeben als entstünden sie durch Bazillen, obwohl Anglizismen natürlich nicht böse sein können. Ohne ihre modische Weitergabe stürben die meisten von ihnen sogar ebenso rasch ab wie Bakterien oder Eintagsfliegen.

So betrachtet wäre der Vergleich der Anglomanie mit „Ansteckung durch böse Bazillen“ dann doch gerechtfertigt.

siehe auch III., XXXIV.