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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache
XV. "Denglisch ist eine Kunstform des Deutschen. Es ist origineller, witziger, frecher. Das beste Beispiel dafür ist das ‚Dinglish' von Gayle Tufts."
Widerrede:
Die Muttersprache ist das genialste und zugleich einfachste Spielzeug, das Natur- und Kulturgeschichte jedem einzelnen Menschen in die Wiege gelegt haben. Vom albernsten Kalauer über den unwiderstehlichsten Wortwitz bis hin zum hintergründigsten Aphorismus ist sie das Gefäß jeder Art geistiger Produktivität. Die Produkte sind immateriell, kostenlos und doch sekündlich von neuer, verbesserter (oft natürlich auch verwässerter) Qualität.
Doppeldeutigkeiten, Assoziationsketten, wörtliche Anklänge und Nachbarschaften, Reimereien, Spiel mit historischen oder sozialen Wortherkünften, Einkreuzen fremdsprachlicher Wörter usw. sind unsere sprachlichen Mittel. Wir danken ihre kontrastierende Wirkung der Stabilität des sie aufnehmenden sprachlichen Bezugssystems: Fremdes wirkt nur in vertrautem Rahmen auffallend oder witzig, Doppeldeutigkeiten werden nur dann erkannt, wenn die Bedeutungsschattierungen eines Wortes jederzeit abrufbar bereitliegen.
Auch der übermütige Witz der Texte von Gayle Tufts lebt von diesen Voraussetzungen. Ihre persönliche Lebensgeschichte weist sie uns aus als liebenswerte Wanderin zwischen der deutschen und der angloamerikanischen Sprachwelt. Die Süffigkeit ihres DinglishDinglish künstlerisch nicht überzeugen. erzeugt sie durch ironische Kontrastierung und Amalgamisierung ihrer zwei Muttersprachen. Schätzte (und spräche) sie nur denglischen Sprachmischmasch, so könnte ihr
Das Englische und das Deutsche werden nur solange die willkommene Kontrastfolie für solche Sprachspiele abgeben können, wie beide Sprachen gleichermaßen weiterexistieren und weiterentwickelt werden.
siehe auch X
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