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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

XIV. "Denglisch ist 'multi-kulti' - also gut."

Widerrede:
Denglisch ist nicht „multi-kulti“, sondern bestenfalls „bi-kulti“ (deutsch + US-amerikanisch). Im Zeichen solch falschen multi-kulti findet weltweit kultureller Kahlschlag statt. Alle Sichtweisen auf die Welt neben der US-amerikanischen werden globalisiert, bestenfalls zu schmückendem Beiwerk.

Selbst Kritiker der Bush-Krieger und ihrer Hintermänner aus Kommerz und Militär sind oft nicht fähig, zwischen kulturindifferentem Globalismus und kulturell interessiertem Internationalismus zu unterscheiden. Beider Freiheits-Symbole sind Levi's-Jeans und Coca-Cola.

Globalization is us schrieb Thomas Friedman, der bekannte US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, 1997 in der International Herald Tribune. Globalisierung ist demnach nichts anderes als die "Cocacolisierung" der restlichen Welt, das heißt, ihre Anpassung und Unterwerfung unter die kulturelle, wirtschaftliche und politische Hegemonie der USA. Dem entspricht das unbestimmte Gefühl, dass (...) etwas Grundlegendes falsch läuft. (...) Jedes zwischenmenschliche Gefühl, jeder Ort wird in eine Ware verwandelt. (Naomi Klein)

Auch der Wert der Sprache wird von den Global players ("Weltverspielern") nur in Kategorien des Warenverkehrs gemessen: Je weniger Sprachen, desto schrankenloser der Markt! Endzustand wäre eine Einheitssprache, die alle kulturellen Eigenheiten einebnet. Was daran gut sein soll, ist beim besten Willen nicht einzusehen.

siehe auch I, XVII, XXV