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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

IX. "Englische Ausdrücke sind kurz und prägnant."

Widerrede:

Computer, service point, monitor, facility manager, cargo, newcomer sind länger als „Rechner“, „Auskunft“, „Bildschirm“, „Hausverwalter“, „Fracht“ oder „Neuling“.

Flyer, slow motion, e-mail, body guard, funeral master sind genauso lang wie „Faltblatt“, "Zeitlupe", „e-Post“, „Leibwächter“ oder „Leichenbestatter“.

Tie-break, spoiler, sale, pool oder freecall sind kürzer - an Silben - als „Entscheidungsspiel“, „Windableitblech“ bzw. „Heckschürze“, „Schlussverkauf“, „Schwimmbecken“ oder „gebührenfrei“.

Was aber durch englische Wörter u.U. an sprachlichem Aufwand eingespart wird, geht oft an Verständlichkeit verloren. Die Stärke der deutschen Sprache ist ihre Anschaulichkeit. „Entscheidungsspiel“, „Heckschürze“, „Schlussverkauf“ oder „gebührenfrei“ sind Wörter zum Anfassen. Und jeder versteht sie - natürlich auch und vor allem - , weil es Wörter der eigenen Sprache sind.

Die Forderungen nach sprachlicher Kürze werden meist von denen erhoben, die tagaus, tagein die Menschen mit schwer erträglichem Geschwätz heimsuchen, d.h. überflüssige Sprache erzeugen: den Maulhelden von der Werbung und den Medien. Sollen wir uns von denen tatsächlich sagen lassen, unsere Rede habe mit Hilfe englischer Stummelwörter kurz und knapp zu sein? Zur Kürze als angeblicher Qualität gibt es einen schönen Ausspruch des Malers Max Liebermann (1847-1932). Jemand hatte an einem Gemälde von Paul Cézanne bemängelt, der Arm einer Figur sei zu lang. Darauf antwortete Liebermann: Der Arm kann gar nicht lang genug sein, wenn er schön ist. Das gilt auch für die deutsche Sprache.

siehe auch XXXII.