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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache
VIII. "Je weniger Sprachen sich in der EU letztlich durchsetzen, desto besser. Die Übersetzungskosten sind ohnehin zu hoch."
Widerrede:
Kostenargumente sind meist die Argumente derer, die das Geld haben oder die Macht besitzen und deshalb an Neuerungen nicht interessiert sind. Im Unterschied zur Landwirtschaft und vielen anderen Bereichen besitzt in Brüssel der Wille zur Pflege der Vielsprachigkeit Europas keine Interessen-Lobby.
Weder vollmundige sprachpolitische Beteuerungen der Europäischen Kommission noch ausgefeilte Programme zur Förderung der Mehrsprachigkeit vermochten dies bisher zu ändern. Sonst könnte nicht immer wieder unwidersprochen die Falschmeldung verbreitet werden, die Kosten der Vielsprachigkeit der EU-Gremien seien unverhältnismäßig hoch.
Tatsache ist, dass diese Kosten lediglich wenige Prozent des Gesamthaushalts der EU ausmachen. Sie fallen also im Vergleich zu anderen Haushaltsposten kaum ins Gewicht. Auch die Erweiterung der Union hat daran nicht viel geändert. Wenn dies nicht so wäre, müssten Vorschläge zu ihrer Minderung in Brüssel auf wesentlich mehr Interesse stoßen. Demgegenüber frisst z.B. die Subventionierung der Landwirtschaft 30% des Haushalts der Union.
Dennoch hatten der Verein Deutsche Sprache und eine Reihe weiterer Sprachvereinigungen Europas im Jahr 2003 im Rahmen der europäischen Verfassungsdiskussion angeregt, die Anzahl der Übersetzungsrichtungen durch die Einführung von Brückensprachen1 drastisch zu verringern. Länder, deren Landessprache zur Brückensprache geworden wäre, sollten zum Ausgleich dieses Vorteils die Kosten der Übersetzung in einige andere Sprachen übernehmen.
Andere Möglichkeiten zur Kostenminderung wären die Einführung einer macht- oder kulturneutralen Verkehrshilfssprache oder die Pflicht zur passiven bis aktiven Beherrschung aller europäischer Arbeitssprachen2 seitens der europäischen Beamten. Solange Brüssel solche Vorschläge nicht ernsthaft aufgreift, kann die Behauptung, die Vielsprachigkeit sei für die Europäische Union zu teuer, nicht ernst gemeint sein. Eher erscheint sie als Ausfluss einer kultur- und sprachindifferenten, machtpolitischen Interessenlage.
siehe auch III., XLVII
1 Eine Brückensprache ist gemeinsame Ausgangssprache zur Übersetzung amtlicher Dokumente in eine Gruppe weiterer (meist verwandter) Sprachen2 Englisch, Deutsch, Französisch; zusätzlich (ab 2004): Spanisch, Polnisch (Vorschlag des VDS)
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