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Reden und Widerreden - Argumente zur deutschen Sprache

VI. "Zu Englisch als internationaler Wissenschaftssprache gibt es keine Alternative."

Widerrede:
Die angeblich so überragende Wissenschaftstauglichkeit des Englischen ist sprachwissenschaftlich nicht bewiesen. Genau so berechtigt erscheint die Gegenthese: Englisch als internationale Wissenschaftssprache ist die schlechteste aller Möglichkeiten. Denn mit der stetig steigenden Anzahl der weltweit von Milliarden Menschen gesprochenen Abwandlungen (Varietäten) des Englischen verstärkt sich auch die Gefahr der Mehrdeutigkeit internationaler Kommunikation auf englisch. Selbst die naturwissenschaftliche Kommunikation ließe sich kaum auf eine verbindliche Spielart des Englischen festlegen. „Falsche Freunde “, d.h. ähnliche bis identische Wörter und Ausdrücke mit unterschiedlicher bis gegensätzlicher, kulturtypischer Bedeutung würden sich auch dort einnisten. Die Internationalität des Wissenschaftsbetriebs bietet dafür ideale Voraussetzungen.

Das Gewicht derjenigen anglophonen Staaten, die die meisten Wissenschaftler ausbilden oder an sich binden können und deshalb über die Forschungsthemen bestimmen, wird zwar für sprachliche Schwerpunkte und Einflusszonen sorgen, doch deren sprachlich-kommunikatorische Offenheit wird sich nicht nach wissenschaftssprachlichen Kriterien richten. Noch weniger ist vorstellbar, dass die amerikanische Wissenschaftswelt eine einzige, weltweit gepflegte wissenschaftliche Englisch-Varietät für sich als verbindlich anerkennen würde.
Nur eine Kunstsprache wie Esperanto, die allen Beteiligten dieselben sprachlichen Startvoraussetzungen ermöglichte und die weltweit in nur einer Varietät existiert, besäße das Zeug zu einer kommunikationsgerechten, kulturneutralen und internationalen Verständigungssprache - auch für die Wissenschaftler.

siehe auch X., XXII