Suche
Bericht über den Tag der deutschen Sprache 2011
Anfang September spielt die deutsche Sprache eine spürbar bedeutendere Rolle als normalerweise in unserem Land. Mehr als 50 Veranstaltungen fanden zum Tag der deutschen Sprache 2011 zumeist in Deutschland, aber auch im Ausland statt.
Einen völlig neuen Zugang zum Thema Sprache fand die Hamburger Regionalgruppe: Sprachkritik und Mülleimer. Die Hamburger verleihen seit 2001 den Elbschwanenorden. Preisträger war in diesem Jahr die Hamburger Stadtreinigung und die MKK Werbeagentur Ulli Müller. Die Abfallwirtschaft ist zwar wichtig, aber preisverdächtig ist sie selten. Doch seit sechs Jahren ist in Hamburg nicht zu übersehen, dass sich Sprache und Abfall berühren. Denn 6.000 öffentliche Mülleimer sprechen die Vorbeigehenden mit einer klaren Sprache an: „Ich will keine Schokolade, ich will lieber das Papier!“ Regionalleiter Hans Kaufmann brachte es auf den Punkt: „Die Kampagne zeigt, dass man in klarer, deutscher Sprache höchst wirksam werben kann.“ Dabei sprechen die Müllkübel kein Denglisch, Anglizismen fehlen. Marie-Luise Tolle, stellvertretende Leiterin des Amtes für Kultur in der Hansestadt Hamburg, würdigte die Kalauer auf ihre Weise – die Sprüche bewegten sich „auf einem Niveau, das es intelligenten Menschen erlaubt zu lächeln“.
Preisverleihungen gab es viele am Tag der deutschen Sprache in diesem Jahr. Auf diese Weise zeigten die VDS-Vertreter, dass es sich lohnt, über den Sprachgebrauch nachzudenken. Denn die deutsche Sprache hat im Alltag meist nur eine Nebenrolle – sogar in Berufsgruppen, die gewichtigen Einfluss auf die Sprachentwicklung haben. Deswegen schreibt die Regionalgruppe in Koblenz um Hans Günther Borck jährlich den Wettbewerb „Werbewerke“ aus. Dabei prämiert eine Jury Fotos von gelungener und einfallsreicher Werbung. In diesem Jahr ehrte der VDS in den Räumen der Koblenzer Sparkasse ein Plakat des Mannheimer Luisenparks (siehe Seite 25, Bild rechts oben). Für Bilder einer Optikerkette („Neu-seh-land“) und von der Eiswerbung: „Nimm Dir mal was raus“ erhielten die Teilnehmer kleine Geldpreise.
In Marburg ehrte der VDS um Adolf Wallbott die Bäckerei Born für den Spruch „Mit Laib und Seele“. In Rostock wiesen VDS-Mitglieder auf gute Namen im Einzelhandel hin. Die Geschäftsinhaber freuten sich darüber, dass Regionalleiter Dieter Rasch sie mit einem Kamerateam des NDR besuchte (siehe Foto oben links).
In Würzburg erhielt die Opernsouffleuse und Dichterin Cornelia Boese den Sprachbewahrerpreis. Ausgewählt hatte die beliebte Reimkünstlerin die Regionalgruppe „Sprachkultur Mainfranken“. Deren Leiter Bernhard Sturn rühmte im Max-Dauthendey-Saal des Würzburger Falkenhauses Boeses Werke, die vielfach fränkische Anregungen aufgreifen und formal dem Volkslied nahestehen. Sogar ein Kloster befand sich unter den Geehrten: Die Regionalgruppe Ostwestfalen lobte den vorbildlichen Sprachgebrauch der Stiftung Kloster Dalheim.
Beispielhaft war die Suche nach Partnern bei Veranstaltungen oder auch bei der Pressearbeit. So gewann die VDS-Regionalgruppe in Landshut den Deutschen Lehrerverband für eine Zusammenarbeit zum Thema „Deutsch im Unterricht“. Verbandspräsident und VDS-Mitglied Josef Kraus besuchte den Infostand, an dem auch eine Umfrage auslag, mit der die Teilnehmer nach ihren Erwartungen zu kulturpolitischen Themen befragt wurden. Besonders wichtig war den Befragten, dass die Deutschkenntnisse von Einwanderern gefördert werden. In einer Pressemitteilung für den Deutschen Lehrerverband sagte Josef Kraus: „Kein Schulfach hat so gelitten wie das Fach Deutsch.“
In Wolfsburg organisierte der VDS eine Krimi-Lesung der in St. Petersburg geborenen Autorin Marina Meyer zusammen mit der Volkshochschule. In Grömitz (Ostsee) ging die deutsche Sprache mit einer Tauchgondel unter (siehe 2. Bild von oben). Während der Tauchfahrt erklärten die VDS-Mitglieder um Volker Miske, wohin sich die deutsche Sprache entwickelt. Regionalleiter Dieter Rasch berichtet: „Über 800 Besucher kamen zu uns, vor allem besahen sie die zahlreichen Plakate oder nahmen die Sprachnachrichten mit.“
Unter die Kunden der Neustrelitzer Einkaufsnacht mischte sich ein Sprachfreund, der als der Lexikograph Daniel Sanders verkleidet war.
VDS-Mitglieder konnten vielfach die Medien als Partner gewinnen. Die Badische Zeitung „spielte Deutschunterricht“ und erklärte die am meisten verbreiteten Fehler. Jörg Bönisch, VDS-Mitstreiter in Halle/Saale, stellte den VDS auf einer Seite der Magdeburger Volksstimme vor. Peter Jaensch gab der Lausitzer Rundschau ein langes Interview, Wolfgang Hildebrandt sprach mit der Nordsee-Zeitung.
Die Passauer Neue Presse bat ihre Leser darum, ihr bayerisches Lieblingswort einzusenden.
In Offenburg begleitete VDS-Mitglied Karl Luckscheiter die Redaktion des Offenburger Tageblattes bei einem Spaziergang durch die Stadt auf der Suche nach Anglizismen.
Einen neuen Rekord stellte in diesem Jahr die Zahl an Informationsständen auf. Sie standen in Innenstädten, Fußgängerzonen, auf Volksfesten oder, wie in Cottbus, auf der Ausstellung am Tag der Vereine. Dort bringen die Sprachfreunde vom VDS jedes Jahr ein Bühnenprogramm zustande, bei dem kabarettistische Stücke über sprachliche Schnitzer von Haide Wolfram aufgeführt werden, wie die Cottbusser Regionalleiterin Marita Hantschel berichtet.
In Mannheim informierten Peter Roemer und seine Mitstreiter. Sie führten eine Umfrage zur Werbesprache durch. Aus Achern berichtet Erich Lienhart, dass viele Lehrer den Stand besucht hätten.
Auf dem Fontänefest in Halle/Saale informierte der VDS über die Zahl der englischen Wörter im Deutschen. Regionalleiterin Arne-Grit Gerold berichtet: „Wir möchten ins Gespräch kommen, denn mit dem VDS gibt es eine Sprachgemeinschaft, die der deutschen Sprache wieder zu Wertschätzung verhelfen und das Interesse an Sprachentwicklung wecken will.“ Viele weitere VDS-Vertreter waren anzutreffen in den Innenstädten von Potsdam, Aurich, Bochum, Mainz, Marburg, Frankfurt, Wiesbaden, Heilbronn, Karlsruhe, Köln und Nürnberg.
Zum Tag der deutschen Sprache hat die „Initiative Markt und Sozialforschung e.V.“ in Berlin eine Aufforderung zum Gebrauch von verständlichem Deutsch in der Marktforschung veröffentlicht. „Gutes und verständliches Deutsch spielt bei der Frageformulierung für Fragebögen in der Markt- und Sozialforschung eine wichtige Rolle“, schreibt die Initiative in einer Pressemitteilung.
Wie in jedem Jahr spielten literarische Formen der Sprache am Tag der deutschen Sprache eine große Rolle. Gerd Schrammen las in Gießen aus seinem Buch „Ich spreche gern Deutsch“ und führte ein fiktives Gespräch mit Johann Wolfgang von Goethe.
„Vom Wiedersehen im Lauf der Zeit“ hieß das Theaterstück, das der VDS-Kassel zum Tag der deutschen Sprache aufführte. Der VDS der Region Münsterland hatte zu dem Vortragsabend „Mein Vorhang“ in Saerbeck eingeladen. In Dresden (Ortsamt Loschwitz) trat auf Einladung des VDS der Kabarettist Wolfgang Schaller auf.
Im Ausland beteiligten sich VDS-Vertreter mit Vorträgen, Seminaren und sogar mit Kochkursen (letztere in Duschanbe). In Abidjan kamen Deutschlehrer zu einem Seminar zusammen. In Antwerpen referierte VDS-Beiratsmitglied Heinrich Kelz auf einem Studientag für Deutschlehrer. Schüler in Frankreich (Region Languedoc-Roussillon) beschäftigen sich mit deutscher Landeskunde.
Kurt Gawlitta erklärte in Posen 150 Gymnasiasten, welchen Gewinn sie aus dem Studium der deutschen Sprache ziehen können. „Eine belebende Erfahrung, vor jungen Leuten zu sprechen, die vor einer bedeutsamen Weichenstellung in ihrem Leben stehen“, kommentierte der Berliner Regionalleiter. Eingeladen hatten ihn die polnischen Germanisten Boleslaw Andrzejewski und Luiza Ciepielewska-Kaczmarek. „Unter den im Programm zur Auswahl stehenden drei Workshops: „Sehenswertes in Berlin“, „Hundert deutsche Redensarten“ und „Eine Reise durch die deutschen Lande“ habe ich an dem dritten teilgenommen. Meine Anregung, doch anstelle von Workshops lieber von ‚Arbeitsgruppen‘ zu sprechen, nahm Frau Ciepielewska sofort auf“, berichtet Gawlitta.
In Accra (Ghana) organisierte Hayford Anyidoho mehrere Schulfeste. Dabei hielt er Vorträge über die Arbeit des VDS, über deutsche Landeskunde und erklärte den Aufbau des Anglizismen-INDEX.
Holger Klatte
(aus: Sprachnachrichten Nr. 52 (4/2011), eine ausführliche Dokumentation folgt demnächst)
| Weiter > |
|---|
Dichtkunst und Literarisches
Als Mitglied im Verein Deutsche Sprache e. V. tun Sie etwas für die Erhaltung und Weiterentwicklung des Deutschen als eine eigenständige Kultursprache. Jeder ist willkommen. Sie können den VDS als stilles Mitglied unterstützen oder die Vereinsarbeit aktiv mitgestalten. Hier (
Die