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Aktion Sprachtest - Versandhauskataloge
Samstag, den 01. Dezember 2001 um 13:51 Uhr
Sprachtest 4/01: Versandhauskataloge
Autorin: Daniela Hahn
Rechtzeitig zu Weihnachten wurden Kataloge und Werbematerial von insgesamt neun verschiedenen Versandhäusern des alltäglichen und gehobenen Bedarfs auf ihre sprachliche Loyalität und Kundennähe bewertet.
Bei der Festlegung der Bewertungskriterien ergab sich die Schwierigkeit, dass nicht von allen Versandhäusern wirklich vergleichbare Kataloge vorlagen. Zum einen beruhte dies auf deren sehr unterschiedlicher Aufmachung und zum anderen auf der Unterschiedlichkeit ihrer Produktsortimente. Die Kriterien wurden deshalb bewusst weit gefasst, um zu gewährleisten, dass vergleichbare Bewertungen zustande kommen konnten.
Insgesamt fünf Bewertungsbereiche wurden festgelegt. Der erste Bereich ist die äußere Aufmachung des Kataloges und der Prospekte, d.h. das Deckblatt, der Name des Katalogs und die restlichen Umschlagseiten, also alles, was den ersten Eindruck bestimmt und der "Begrüßung" des Kunden dienen soll. Der zweite Bereich lautet "Produkte". Er umfasst die gewählten Produktnamen und die Bezeichnungen für Produktlinien und -kategorien. Im dritten Bereich "Anpreisung" wurden die Werbesprüche und die Art und Weise der Produktanpreisung bewertet. In der Kategorie "Sonstiges" wurden dann weitere auffallende Anglizismen zusammengestellt, die gerade spezifisch von diesem Versandunternehmen gebraucht wurden. Die fünfte und letzte Kategorie begutachtet besondere "Aktionen", sofern gerade eine stattfand und wurde daher nur bei ausgewählten Unternehmen bewertet.
In allen Bereichen stellte sich schnell die Firma MANUFACTUM als nahezu anglizismenfreier Spitzenreiter heraus. Englisch oder Denglisch ist bei dieser Firma so gut wie nicht zu finden, mit Ausnahme fremdsprachlicher Produkteigennamen. Ich habe dort sogar Begriffe wie Feuchtigkeitscreme und Abschminke gefunden, die ich schon ausgestorben glaubte! Auch MANUFACTUM verwendet zwar die Begriffe "Homepage" und "E-Mail", doch wird letztere aus einem "elektronischen Briefkasten" wieder herausgeholt. Als positiv ist auch hervorzuheben, dass die Redaktion fremde Internetseiten anprangert, die zum "Anschwellen der idiotischen Apostrophenflut" beitragen.
Die Kataloge von KLINGEL, BADER, PRO IDEE, BON PRIX bilden das "befriedigende" Mittelfeld.
Schlusslichter waren die größten bzw. bekanntesten deutschen Versandhäuser, namentlich BAUR, QUELLE, HEINE und OTTO. Von OTTO lag mir -mangels Zusendung- allerdings nicht der aktuelle Hauptkatalog vor, sondern nur ein Katalog mit dem verräterischen Namen "highlights". Es handelte sich um den OTTO-Weihnachtskatalog aus dem vergangenen Jahr und er bildete das absolute Schlusslicht im Sprachnebel! Dort gibt es neben "Megastark" ausschließlich englischsprachige Produktkategorien wie "That´s it!" oder "Fashion up". Weihnachten ist natürlich ein "Event", und die dazu gehörigen (eher ungehörigen) Wünsche lauten "happy christmas".
Insgesamt lassen sich allerdings bei allen diesen Katalogen allerhand Anglizismen finden, insbesondere im Bereich der Produktbezeichnungen. Im Elektroniksektor hat sich niemand die Mühe gemacht beispielsweise einen DVD-Player als DVD-Spieler oder DVD-Rekorder zu bezeichnen. Aber auch der Bereich der Kleidung, welcher den Großteil all dieser Kataloge ausfüllt, ertönen unisono Begriffe wie Look, Cardigan und Top (bei Baur gibt es übrigens ein "Top zu einem top preis"). Gerne wird auch klassisches Denglisch wie Longbluse oder Longpullover verwendet, das Gegenstück dazu heißt dann allerdings Kurzbluse und Kurzpullover. Persönlich hat mir allerdings der Klingel'sche "Schuhtingstar" gefallen. Besonders auffällig ist die inflationäre Verwendung des Begriffes "Shirt". Er schlägt ganze Wortfelder kahl. Es gibt T-Shirts mit kurzem Arm, T-Shirts mit langem Arm, Sweatshirts, normale Pullover, Rollkragenpullover ("Shirtrolli"), Strickjacken ("Shirtjacke") und natürlich das Longshirt. Auch ist mir z. B. die durchgängig penibel eingehaltene Unterscheidung zwischen Gardinen und Stores unklar. Kinder heißen in der Regel Kids. Insgesamt ist die Anglifizierung im Bereich der Produktlinien besonders stark, bei Werbesprüchen dagegen in der Regel weniger auffallend.
Schließlich gilt ein weiteres Augenmerk dem Quelle-Katalog. Dort wird auf Sonderseiten der hauseigene Internetauftritt erklärt, insbesondere den wohl nicht so technikbegeisterten Kundinnen. Diese bekommen wortwörtlich: "jede Menge Emails (das ist Neudeutsch und heißt einfach Post)"..Warum das Wort "Post" oder besser e-Post nicht gleich selbst verwendet wird, bleibt im Dunkeln.
Die einzelnen Kategorien wurden von ++ (sehr gut) über 0 (befriedigend) bis -- (mangelhaft) bewertet. Der Durchschnitt ergibt die Gesamtnote. Hinter der Einzelwertung stehen jeweils BEISPIELE für die sprachlichen Vergehen, die zum Punktabzug geführt haben. Die Bewertung lässt sich freilich aufgrund der Verschiedenheit der Vorlagen nicht numerisch objektivieren, Grundlage war jedoch jeweils zunächst die Anzahl der Anglizismen, in zweiter Hinsicht erst deren "Qualität", z.B. wenn gleich ganze Sätze auf Englisch daherkamen.
|
|
Begrüßung |
Produkte |
Anpreisung |
Sonstiges |
Aktionen |
Gesamtbewertung |
|
Manufactum |
++ |
++ |
++ |
++ |
++ |
sehr gut |
|
Bader |
++ |
+ |
+ |
++ |
|
gut |
|
Klingel |
++ |
+ |
+ |
0 |
+ |
gut |
|
Pro Idee |
+ |
0 |
+ |
+ |
+ |
gut |
|
Bon Prix |
+ |
0 |
0 |
++ |
-- |
befriedigend |
|
Baur |
++ |
0 |
-- |
- |
|
befriedigend |
|
Quelle |
++ |
- |
-- |
-- |
|
ausreichend |
|
Heine |
- |
-- |
-- |
0 |
|
ausreichend |
|
Otto |
-- |
-- |
-- |
-- |
-- |
mangelhaft |
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Klares Deutsch in der Politik